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Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek kündigen neues Projekt an

Veranstaltung von „Compact“ zur Asyl- und Flüchtlingskrise in Dresden

Dienstag, 29 September 2015 17:02
Götz Kubitschek (l.) und Jürgen Elsässer (r.) bei einer Veranstaltung des "Compact"-Magazins. Götz Kubitschek (l.) und Jürgen Elsässer (r.) bei einer Veranstaltung des "Compact"-Magazins.

Dresden – Rund 200 Besucher fanden sich am vergangenen Donnerstag zu einer Veranstaltung des „Compact“-Magazins mit Chefredakteur Jürgen Elsässer und dem Verleger Götz Kubitschek ein. Thema der Veranstaltung war „Asyl. Die Flut – Wo soll das enden?“ Neben der Vorstellung des neuen „Compact“-Sonderheftes zur Asyl- und Flüchtlingskrise erlebten die Besucher eine spannende Diskussion über die Möglichkeiten des demokratischen Widerstandes gegen die herrschende Asylpolitik. Jürgen Elsässer machte dabei deutlich, dass die gewaltfreien Proteste ganz klar auf das Ziel gerichtet sein müssen, die Regierung zu stürzen. Zudem hatten der „Compact“-Chef und sein Gastreferent am Ende noch eine Überraschung parat.

Mit einer anderen, weitaus weniger guten Überraschung begann auch der Abend. Das erste, was man nämlich vor dem ursprünglichen Veranstaltungsort, dem Stammhaus der Dresdner Feldschlößchen-Brauerei in der Budapester Straße, zu sehen bekam, war ein großes Schild mit der Aufschrift: „Veranstaltung von COMPACT-Magazin findet NICHT im Stammhaus statt!“ Wer sich nun fragend umsah, wurde von einem freundlichen Herrn mit „Compact“-Logo am Revers darüber aufgeklärt, dass der Vortragsabend leider kurzfristig verlegt werden musste. Man habe jedoch einen Bus-Shuttleservice eingerichtet, der die Besucher zu einem Ausweichlokal transportieren werde.

Warum diese Verlegung notwendig geworden war, konnte man sich zwar schon denken, bestätigt wurden die Vermutungen schließlich von „Compact“-Chefredakteur Elsässer am neuen Ort des Geschehens: Sogenannte „Antifaschisten“ hatten den Betreiber des Feldschlößchen-Hauses unter Druck gesetzt und ihm gedroht. Die Geschäftsleitung kündigte daraufhin ohne weitere Rücksprache den mit den Veranstaltern geschlossenen Vertrag. Die neue Räumlichkeit im Dresdner Traditionslokal „Schießhaus“ in der Nähe des Landtags war allerdings wesentlich kleiner als der ursprünglich angemietete Saal. Das hatte zur Folge, dass der Raum mit rund 200 Personen restlos ausgefüllt, beinahe schon überfüllt war. Viele Besucher fanden keinen Stuhl mehr und drängelten sich im Stehen bis hinaus in den Vorraum und auf die Treppe, etwa zwanzig Nachzügler mussten sogar wieder heimgeschickt werden.

Trotz der Enge herrschte im „Schießhaus“ jedoch Aufbruchsstimmung. In seinen einleitenden Worten gab „Compact“-Chefredakteur Jürgen Elsässer seiner Vermutung Ausdruck, dass hinter dem derzeitigen Flüchtlingszustrom ein „planmäßiger Prozess“ stehe, „um aus Deutschland das zu machen, was der ‚Spiegel‘ kürzlich als ‚Rainbow Nation‘ bezeichnet hat“. Eine bislang schleichende Entwicklung werde durch einen regelrechten „Tsunami der Zuwanderung“ abgelöst, den die Bundesregierung zu verantworten habe.

Auch der Verleger und Chefredakteur der konservativen Zeitschrift „Sezession“, Götz Kubitschek, sprach von einem „Massenansturm, wie er bisher nicht gekannt war“. Die Bundesrepublik sei „zur Saugglocke Europas“ geworden. Ironisch fügte er hinzu, dass das Land die „Volksgemeinschaft wiederentdeckt“ habe: Die Solidargemeinschaft werde beschworen, jedoch nicht für eigene Interessen, sondern für fremde Völker. Die vielzitierte „Willkommenskultur“ habe sich zunächst zu einem „Willkommensrausch“ und schließlich zu einem regelrechten „Willkommenssuff“ gesteigert. Dieser werde allerdings schon bald einer Katerstimmung weichen, so der Inhaber des Verlags Antaios.

Kubitschek sprach hingegen nicht von einer planvollen Umvolkung, sondern einem „Staatsversagen ersten Ranges“. Dieses Staatsversagen werde sich schon bald zu einem Staatsnotstand ausweiten und schließlich in einem „Angriff auf den Souverän“ münden, da dieser, nämlich das deutsche Volk, ausgetauscht werde. Mit den Worten des französischen Schriftstellers und Philosophen Renaud Camus nannte er dies „den Großen Austausch“ (im November erscheint im Verlag Antaios unter dem Titel „Revolte gegen den Großen Austausch“ ein Sammelband mit Essays von Camus). In den etablierten Medien kristallisierten sich derzeit, so Kubitschek weiter, drei Gruppen heraus: Neben jenen, die den „Großen Austausch“ offen als solchen begrüßen, gebe es die Fatalisten, die das Verschwinden ganzer Völker als unabänderlichen Lauf der Dinge betrachteten (O-Ton Kubitschek: „Oswald Spengler für Dumme“), sowie die „Technokraten und Rationalen“, die allerlei (Schein-)Argumente für den Massenzustrom von Migranten bringen, etwa demografische, ökonomische, stadtplanerische oder auch historische.

Elsässer ergänzte Kubitscheks Medienkritik, indem er von einem propagandistischen „Humanitätsschwindel“ sprach, der mit Blick auf die Balkan-Migranten, die bis zu dreißig Prozent der derzeit nach Deutschland strömenden Asylbewerber ausmachten, am offensichtlichsten werde. „De facto sind das fast alles Albaner, nur mit unterschiedlichen Pässen“, so der „Compact“-Chefredakteur. Der Journalist und Autor mehrerer Bücher zum Jugoslawien-Krieg wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Albaner nicht etwa Opfer der völkerrechtswidrigen NATO-Aggression gegen Ex-Jugoslawien seien, sondern vielfach Mittäter, auf jeden Fall aber Profiteure, da sie mit dem Kosovo einen zweiten Heimatstaat auf dem Balkan erhalten hätten. Dieser habe sich allerdings als ein kaum handlungsfähiger „Mafia-Staat“ entpuppt, aus dem die albanische Bevölkerung nun in Scharen flüchte, jedoch ohne politischer Verfolgung ausgesetzt zu sein.

In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde riefen beide Referenten dazu auf, sich aktiv in bestehende Protestbewegungen einzubringen. Lobend hob Elsässer dabei die wieder an Zulauf gewinnenden PEGIDA-Demonstrationen in Dresden, aber auch die von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke initiierten regelmäßigen Proteste in Erfurt hervor. Skeptisch zeigte er sich hingegen mit Blick auf den Westen der Republik. Einig waren sich beide Referenten darin, dass der Druck von der Straße weiter verstärkt werden müsse. Dabei gehe es nicht um einen gewaltsamen Umsturz, wohl aber um den Sturz der Regierung, die die Verfassung mit Füßen trete. „Wir sind nicht die Verfassungsfeinde, sondern verteidigen das Grundgesetz“, bekräftigte Elsässer. „Die wahren Putschisten sitzen im Kanzleramt.“

Am Ende kündigten Kubitschek und Elsässer ein neues gemeinsames Projekt an, beließen es jedoch vorerst bei Andeutungen: Mit den identitären „Grenzhelfern“ in Österreich sei der zivile Widerstand gegen den „Großen Austausch“ um eine innovative Aktionsform reicher worden. So etwas sei auch in der Bundesrepublik möglich. Während es für bedrohte Tierarten und Umweltschutz zahlreiche Lobbyorganisationen gebe, fehle es, so Kubitschek, noch an einer Art „Greenpeace für Deutsche“, in der sich jeder auf verschiedenste Weise einbringen könne. So in etwa könne man das neue Projekt beschreiben. Man dafür bereits Persönlichkeiten mit an Bord holen können, „die bedeutender sind als wir beiden kleinen Publizisten“, ergänzte Elsässer. Schon am 24. Oktober 2015 bei der großen „Compact“-Souveränitätskonferenz „Freiheit für Deutschland“ in Berlin soll es weitere Informationen geben.

Aufmerksame Beobachter registrierten, dass an diesem Abend nicht nur führende Vertreter der sächsischen Identitären Bewegung, sondern auch die beiden PEGIDA-Köpfe Tatjana Festerling und Lutz Bachmann im Publikum saßen. Kürzlich hatte Bachmann auf einer Kundgebung der zuwanderungskritischen Bewegung in Dresden noch angekündigt, dass PEGIDA zu einer Partei umgewandelt werden solle – was bei vielen Anhängern auf wenig Gegenliebe stieß. Mittlerweile ist es um diese Pläne verdächtig ruhig geworden. Aus Bachmanns Umfeld ist sogar zu vernehmen, dass das Projekt Partei demnächst wieder begraben werden soll. Es könnte also durchaus sein, dass sich Festerling und Bachmann stattdessen in die neue Bewegung von Kubitschek und Elsässer einbringen werden. Das gilt möglicherweise auch für Björn Höcke, der bekannt dafür ist, nicht nur in starren Parteikategorien zu denken. Welche Bündelung der Kräfte möglich ist, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen.

Letzte Änderung am Dienstag, 29 September 2015 17:05
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