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Militärische Zwänge engen Handlungsspielraum ein

US-Präsident Joe Biden kann unmöglich Klimapolitik der Europäer kopieren

Freitag, 19 März 2021 16:27
Das US-Militär schützt die Interessen der westlichen Welt, gilt aber als großer Klimasünder. Das US-Militär schützt die Interessen der westlichen Welt, gilt aber als großer Klimasünder.

Washington - So einfach hat man sich das in Deutschland vorgestellt: US-Präsident Donald Trump wird von Joe Biden abgelöst und schon wird alles gut - auch beim Klimaschutz. Aber auch da könnte man sich getäuscht haben. Es gibt da strategische Zwänge, die einen politischen Lenker der Supermacht USA nicht einfach so einen Kurswechsel vollziehen lassen. China bleibt der herausfordernde Wettbewerber Amerikas, da kann kein US-Präsident wegschauen. Und militärische Präsenz kostet nicht nur Geld, sondern auch Energie, viel an Engerie.

Einige Studien zeigen, dass die CO2-Emissionen des US-Militärs jene ganzer Staaten übersteigen. Das liegt vor allem an der treibstoffintensiven Fortbewegung in der Luft, auf dem Land und im Wasser. Bleibt abzuwarten, ob der Wiedereinstieg der USA ins Pariser Klimaabkommen daran etwas ändern kann, denn niemand kann so rasch schwere Einheiten auf alternative Energiequellen umstellen.

Das Militär als Klimasünder?

Sieht man sich die vorliegenden Zahlen aus den USA an, lässt sich diese Frage recht einfach mit Ja beantworten, denn der CO2-Fußabdruck des US-Verteidigungsministeriums im Pentagon gleicht dem eines Siebenmeilenstiefels. Die komplexe Logistik, Kriegsführung und die damit verbundene immense Infrastruktur, vor allem die treibstoffintensive Fortbewegung in der Luft, auf dem Boden und auf dem Wasser, führen zu Emissionen, die mit denen ganzer Länder vergleichbar sind. Studien aus dem Jahr 2019 zeigen unter anderem, dass sich das US-Militär bei der Größenordnung seines CO2-Ausstoßes unter die 50 Länder mit dem höchsten Ausstoß einreiht. Noch vor Portugal und Peru.

So habe das US-Militär im Jahr 2017 rund 270.000 Barrel Öl pro Tag gekauft und emittierte durch das Verbrennen diverser Treibstoffe in etwa 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Mit Treibstoffen im Wert von knapp fünf Milliarden US-Dollar (rund viereinhalb Milliarden Euro) hatte die US Air Force im Jahr 2017 den größten Anteil daran. Bei der Marine waren es in etwa 36 Millionen Dollar (rund 30 Millionen Euro).

Laut Angaben der Studienautoren würde das US-Militär als CO2-Emittent allerdings kaum Beachtung finden. Auch die Beschaffung der Daten gestaltete sich als schwierig. Das liegt unter anderem daran, dass beim 1997 beschlossenen Kyoto-Protokoll darauf bestanden wurde, für die Emissionen des Militärs eine Ausnahme machen zu dürfen. Mit dem Pariser Klimaschutzabkommen konnte diese Lücke zwar geschlossen werden, allerdings stiegen die USA unter Donald Trump im November 2019 offiziell aus dem UNO-Abkommen zur Begrenzung des Klimawandels aus. Mit der Wahl Joe Bidens zum US-Präsidenten ist die USA nun wieder Teil des Abkommens.

Der Co-Autor des Berichts, Patrick Bigger vom Lancaster University Environment Centre, erklärte anlässlich der Veröffentlichung der Studie: „Das US-Militär hat seit langem verstanden, dass es nicht immun gegen die potenziellen Folgen des Klimawandels ist – es hat ihn als Bedrohungsmultiplikator erkannt, der andere Bedrohungen verschlimmern kann. Und es hat auch seinen eigenen Beitrag zum Problem nicht ignoriert. Dennoch ist die Klimapolitik des US-Militärs grundlegend widersprüchlich – es stellt sich zwar den Auswirkungen des Klimawandels, bleibt gleichzeitig aber der größte institutionelle Einzelverbraucher von Kohlenwasserstoffen in der Welt, eine Situation, in der es aufgrund seiner Abhängigkeit von bestehenden Flugzeugen und Kriegsschiffen für Einsätze rund um den Globus noch Jahre lang gefangen ist.” Sein Kollege, Oliver Belcher vom Fachbereich Geographie der Durham University, fügt hinzu: „Unsere Forschung zeigt, dass man, um das US-Militär als wichtigen Klima-Akteur zu berücksichtigen, die logistische Versorgungskette verstehen muss, die seine Beschaffung und seinen Verbrauch von kohlenwasserstoffbasierten Brennstoffen möglich macht.”

Eine weitere Studie zeigt, dass das Pentagon seine Emissionen in den vergangenen 15 Jahren aber bereits deutlich reduziert hat. Wie aus dem Bericht der Konfliktforscherin Neta Crawford hervorgeht, gingen die Emissionen von 85 Millionen Tonnen im Jahr 2005 auf 56 Millionen Tonnen im Jahr 2018 zurück. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch in Deutschland ab, wo die Emissionen der Bundeswehr seit 2005 von 2,66 Millionen Tonnen auf 1,45 Millionen Tonnen im Jahr 2019 zurückgegangen sind. So gesehen hat die frühere deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ganze Arbeit geleistet, die deutsche Verteidigungsbereitschaft klimaneutraler zu gestalten.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Einerseits wurden Gebäude klimaeffizient modernisiert, andererseits spielte auch die Reduktion der Truppenstärke eine Rolle. 2005 hatte die Bundeswehr noch einen Umfang von rund 250.000 Soldatinnen und Soldaten – heute sind es etwa 25 Prozent weniger. Das deutsche Verteidigungsministerium plant, den CO2-Ausstoß entsprechend dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung noch weiter zu reduzieren. Dabei soll der Einsatz CO2-neutral erzeugter Kraftstoffe eine wichtige Rolle spielen. Gerade wenn es um Einsatzfahrzeuge wie Panzer oder Kampfflugzeuge geht, scheint das aber noch eher Zukunftsmusik zu sein.

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