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Reaktion auf „Negerkuss“-Urteil des Frankfurter Arbeitsgerichts

Thomas Hartung (AfD) findet die Bezeichnung „Neger“ nicht rassistisch

Donnerstag, 21 Juli 2016 17:31
Thomas Hartung (AfD) findet die Bezeichnung „Neger“ nicht rassistisch Quelle: AfDbayern.de

Dresden – Ein führender Vertreter der AfD Sachsen hat sich erneut auf politisch höchst vermintes Terrain begeben. Am Mittwoch bezeichnete Landesvize Thomas Hartung ein Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurt am Main, wonach ein Manager wegen der Bestellung eines „Negerkusses“ bei einer schwarzen Kantinenmitarbeiterin nicht gekündigt werden darf, als „Sieg des Rechtsstaates über ideologischen Moralismus“. Wer das Wort „Neger“ für diskriminierend halte, „hat keine Ahnung von Sprache oder Diskriminierung oder beidem“, so Hartung.

Das in Oberursel ansässige Reiseunternehmen Thomas Cook hatte einen Mitarbeiter aus dem mittleren Management fristlos entlassen, nachdem er in der Kantine bei einer aus Kamerun stammenden Frau einen „Negerkuss“ bestellt hatte. Das Arbeitsgericht Frankfurt entschied jedoch am Dienstag, dass die ausgesprochene Kündigung unverhältnismäßig gewesen sei. Da der Mitarbeiter mehr als zehn Jahre ohne Beanstandungen gearbeitet habe, sei ohne vorherige Abmahnung weder eine außerordentliche noch eine ordentliche Kündigung gerechtfertigt, befanden die Richter.

Ein Sprecher des Unternehmens erklärte nach dem Urteilsspruch, man werde vor weiteren Schritten die schriftliche Begründung abwarten. Es habe sich aber um keinen einmaligen Vorfall gehandelt, sondern um eine fortgesetzte Provokation des Mitarbeiters gegen die schwarze Kantinenkraft. Als „multikulturelles Unternehmen“ setze sich Thomas Cook gegen jede Form der Diskriminierung ein.

Ungeachtet dieser Hintergründe empfindet der sächsische AfD-Vize Thomas Hartung die Bezeichnung „Neger“ nicht als rassistisch. Vielmehr sieht er den gekündigten Thomas-Cook-Manager als Opfer „einer durch keinerlei Rationalität begründeten Political Correctness“. Man müsse „als aufgeklärter Mensch unbescholten dafür einstehen können, den ‚Negerkuss’ auch weiterhin ‚Negerkuss’ zu nennen“, so der AfD-Politiker. Bis weit nach 1990 habe im Osten wie im Westen niemand an dieser Bezeichnung Anstoß genommen. „Welches einschneidende historische Ereignis ist geschehen, das innerhalb einer nochmal nicht halben Generation solche Umwertungen rechtfertigen würde?“, stellte Hartung als Frage in den Raum.

Der 1963 in Erfurt geborene Germanist geriet selbst schon einmal wegen einer als diskriminierend empfundenen Äußerung über einen Behinderten in die Kritik. Im Juni 2014 hatte er bei Facebook einen Artikel verlinkt, in dem es um einen Spanier mit Down-Syndrom ging, der den Lehrerberuf anstrebt. Hartungs Kommentar: „Was sagt uns das: Sei nur blöd genug, reise in der Welt herum, die Dummen wenden sich schon ganz allein dir zu. (…) Wo soll das hinführen, wenn es als normal gezeigt wird?“ In der Folge legte der Dresdner alle Parteiämter nieder und verzichtete auf eine Kandidatur für den Landtag. Im Februar 2016 wurde Hartung auf dem Parteitag der AfD Sachsen mit einer Zustimmung von 72,6 Prozent erneut zum stellvertretenden Landesvorsitzen gewählt.

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