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Facebook-Post: „Von Tuten und Blasen keine Ahnung“

Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth (CDU) wettert gegen „Wutbürger“ und Hartz-IV-Empfänger

Sonntag, 19 März 2017 16:58
Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth (CDU) Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth (CDU) Quelle: wikimedia.org | Sven Teschke | CC BY-SA 3.0 de

Dresden – Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth (CDU) ist eigentlich als ruhiger und ausgeglichener Mensch bekannt. In einem Post, den er am Freitag via Facebook losschickte, hat der gebürtige Norddeutsche aber offenbar die Contenance verloren. In seinem Statement lässt der CDU-Politiker seinem Ärger über bestimmte Kritiker des Politbetriebs freien Lauf, was durchaus legitim ist. Seinen Verweis auf die vermeintliche Abhängigkeit vieler dieser Menschen von Sozialleistungen könnte man – gerade im Wahljahr 2017 – indes als reichlich ungeschickt bezeichnen.

Mackenroth schreibt in seinem Facebook-Post: „Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie manche Menschen, die ihr ganzes Leben von staatlichen Transferleistungen profitiert und selten etwas Vernünftiges geleistet haben, hier in den sozialen Netzwerken über Politiker – im Allgemeinen und teilweise unter Namensnennung – herziehen.“ Dabei gebe es „keinerlei Hemmschwellen mehr“. Diese Leute hätten „von Tuten und Blasen keine Ahnung“ und „keinen blassen Schimmer davon, dass unsere Demokratie von Kompromissen und gelegentlich sehr langen Verfahren lebt“.

Der sächsische Ausländerbeauftragte beklagt sich darüber, dass solche Kritiker „alles, was Politiker ist, als Volksverräter“ diffamieren. Konkrete Argumente, Verbesserungswünsche und „Rezepte für die Zukunft“ kämen hingegen nicht. „Ich möchte mal wissen, was diese Menschen täten, wenn das von Politikern und Steuerzahlern gemeinsam geknüpfte soziale Netz in diesem Lande reißen würde“, so Mackenroth nochmal in Anspielung auf deren angebliche Transferleistungsabhängigkeit. „Natürlich ist Dankbarkeit keine Kategorie in der Politik – aber den Respekt, den man seinem Umfeld, anderen Menschen grundsätzlich entgegenbringen sollte, den sollte man auch vor Politikern haben. Manchmal kann einem einfach der Hut hochgehen. Schönes Wochenende“, endet der Facebook-Post des CDU-Politikers.

Ob Mackenroth sich und seiner Partei mit diesem doch ziemlich pauschalen „Wutbürger“-Bashing einen Gefallen getan hat, sei dahingestellt. Dass sich dieses Milieu vor allem aus Hartz-IV-Empfängern speist, stimmt in dieser Form wohl nicht, da laut Pegida-Studie von Professor Werner J. Patzelt, in diesem Spektrum mittlere Einkommensgruppen überrepräsentiert sind. Über die Sozialstruktur von „Wutbürgern“ in den sozialen Netzwerken gibt es hingegen noch keine validen Untersuchungen, weswegen man sich hier mit voreiligen Schlüssen vielleicht etwas zurückhalten sollte.

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