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"So geht Sächsisch"

Sachsen schämt sich: Imagekampagne auf Sparflamme

Dienstag, 01 September 2015 19:24
Dienstflagge des Freistaats Sachsen Dienstflagge des Freistaats Sachsen

Dresden – „Sachsen genießt dank seiner einzigartigen touristischen und kulturellen Vielfalt, atemberaubender Landschaften und weltberühmter Sehenswürdigkeiten weltweit einen exzellenten Ruf“, heißt es auf der Netzseite der Sächsischen Staatskanzlei zu der Imagekampagne, die seit 2013 nicht nur in Deutschland, sondern europaweit für den Freistaat als Urlaubsland und Wirtschaftsstandort werben soll.

Mit einem Gesamtetat von über 30 Millionen Euro wurden unter dem von der Düsseldorfer Agentur Ketchum Pleon erdachten Motto „So geht Sächsisch“ (im Inland) beziehungsweise „Simply Saxony“ (im Ausland) bislang unzählige Maßnahmen wie Filme, Großflächenplakate und Anzeigen finanziert. Bislang war die Landesregierung – neuerdings sogar die SPD, die zu Oppositionszeiten noch dagegen wetterte – mit ihrer Kommunikationsstrategie vollauf zufrieden, nun aber soll die Kampagne deutlich zurückgefahren werden.

Offenbar sieht man den „exzellenten Ruf“ des Freistaates durch Pegida, Heidenau und eine vor allem von den Medien immer wieder unterstellte fremdenfeindliche Grundstimmung in der Bevölkerung als so ramponiert an, dass es vorerst keine Fernseh-Spots und großflächigen Plakat-Aktionen mehr geben soll. Man sei zu dem Schluss gekommen, jetzt erstmal etwas zurückhaltender zu agieren, so Regierungssprecher Christian Hoose verschämt. Stattdessen möchte man die Flüchtlingsdebatte irgendwie in die Kampagne einbauen. Wie das funktionieren soll, verriet Hoose allerdings nicht. Manche witzeln bereits, dass bald Schilder mit „Refugees welcome“ und Sachsen-Wappen in Nordafrika, Calais oder Mazedonien aufgestellt werden.

Man kann darüber streiten, ob es werbetechnisch wirklich sinnvoll ist, jetzt in Deckung zu gehen statt in die Offensive, doch eines dürfte klar sein: Leute, die sowieso einen Groll gegen Sachsen hegen, wird die neue Zurückhaltung kaum beeindrucken. Dafür verpasst der Freistaat die Chance, jetzt erst recht für seine unverkennbaren Vorzüge zu werben. Sowohl als Wirtschaftsstandort als auch unter touristischen Gesichtspunkten ist das Land nach wie vor eine Top-Adresse. Gerade erst konnte die vielfach geschmähte Sächsische Schweiz ihren Platz als beliebtestes Urlaubsziel im Osten bei ausländischen Gästen behaupten.

Von der veröffentlichten Meinung wird die Gesamtheit der sächsischen Bevölkerung mal wieder in Mithaftung für die Verfehlungen einer verschwindend geringen Minderheit genommen. Auch das kann man als eine Art Kampagne verstehen – und zwar als Kampagne, die wohl auch das Ziel verfolgt, legitime Kritik an der derzeitigen Asylpolitik, wie sie beileibe nicht nur in Sachsen geäußert wird, mit ausländerfeindlicher Gewalt in einen Topf zu schmeißen. Das sollten Sachsens Landespolitiker deutlich herausstreichen, statt ihr Licht unter den Scheffel zu stellen.

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