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Rot-Rot-Grün 2019 gefährdet

Rico Gebhardt (Linke): „Martin Dulig gibt Wasser auf die Mühlen von AfD und Pegida“

Samstag, 17 Oktober 2015 16:23
Rico Gebhardt (Linke) Rico Gebhardt (Linke) Quelle: de.wikipedia.org | Steffen Prößdorf | CC BY-SA 3.0 de

Dresden – Nachdem bereits der SPD-Ortsverein Dresden-Neustadt und führende sozialdemokratische Politiker in Sachsen wie Sabine Friedel und Henning Homann Kritik an Wirtschaftsminister und SPD-Landeschef Martin Dulig wegen seiner Ansicht, dass man die dass man „die Flüchtlingswelle eindämmen“ bzw. „sie zeitweise stoppen“ müsse, geäußert haben, nahm nun der Landes- und Landtagsfraktionsvorsitzende der Linkspartei, Rico Gebhardt, ein aktuelles Interview von Dulig mit der „Leipziger Volkszeitung“ zum Anlass, um gegen ihn auszuteilen.

Der sächsische Wirtschaftsminister und Vizeregierungschef hatte in der LVZ geäußert, das Land brauche „eine Atempause“. Deutschland sei „rein organisatorisch an der Belastungsgrenze“. Er wisse nicht, ob das Boot voll sei, „richtig ist aber: wir schaffen es zurzeit nicht mehr“. Man dürfe die Flüchtlingsfrage „nicht nur mit dem Herzen“ beantworten, „sondern auch mit dem Verstand“, so Dulig. Wer gut integrieren wolle, müsse den Zustrom daher jetzt eindämmen.

Der Linke-Vorsitzende Gebhardt reagierte darauf auf seiner Facebook-Seite mit den Worten: „Ich schätze Martin Dulig seit langem persönlich und bedauere nun umso mehr seinen politisch unnötigen Schwenk. Bleibt er dabei, dann schaffen wir den notwendigen Politikwechsel in Sachsen nicht. Dann wird es 2019 womöglich eine CDU/AfD-Koalition geben. Was Martin Dulig zurzeit macht, ist Wasser auf die Mühlen von AfD und Pegida geben.“

Was Gebhardt allerdings verschweigt: Dulig hatte in dem Interview Pegida scharf attackiert und der islam- und zuwanderungskritischen Bewegung vorgeworfen, die Verantwortung dafür zu tragen, „dass in Sachsen eine Stimmung entstanden ist, in deren Folge sich Menschen das Recht herausnehmen, andere mit Hass und Verachtung und Gewaltandrohung zu verfolgen“. Zugleich bezeichnete der SPD-Chef den Asylbewerberzustrom gerade für die neuen Bundesländer als „eine riesengroße Chance“, da die Einheimischen dort „endlich einmal auch den konkreten Umgang mit Vielfalt“ erleben könnten. So ganz scheint sich also auch Dulig noch nicht im Klaren darüber zu sein, wie die Flüchtlingswelle zu bewerten ist. Der „konkrete Umgang mit Vielfalt“ gestaltet sich jedenfalls vielerorts jetzt schon äußerst schwierig, wofür gewiss nicht immer nur die sächsischen Bürger verantwortlich sind, um es vorsichtig zu formulieren.

Letzte Änderung am Samstag, 17 Oktober 2015 16:32
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