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Motiv und Täter bislang ungeklärt

Polenböller ließ Auto des Freitaler Stadtrates Michael Richter (Linke) in Flammen aufgehen

Donnerstag, 30 Juli 2015 14:07
Der Linken-Stadtrat Michael Richter Der Linken-Stadtrat Michael Richter Quelle: www.dielinke-soe.de

Freital – Verschiedene Medien berichteten in dieser Woche über einen Anschlag auf das Auto des Freitaler Kommunalpolitikers Michael Richter (LINKE). Der 14 Jahre alte VW Golf des Stadtrates brannte dabei vollständig aus, eine Polizeisprecherin sprach am Montag von einer Explosion, das beschädigte Fahrzeug wurde beschlagnahmt, und sofort übernahm das Operative Abwehrzentrum (OAZ), eine direkt dem Innenministerium unterstellte Einheit zur Bekämpfung von politischem Extremismus, die Ermittlungen. Schnell machte das Gerücht von einer Autobombe die Runde, in den sozialen Netzwerken wurde gar von einer neuen Form des Rechtsterrorismus gesprochen. Selbst die „Welt“ schlagzeilte: „Der rechte Terror ist zurück in Sachsen.“

Nun kam heraus, dass es sich bei dem Brandsatz, der Richters Auto zerstörte, um eine äußerst primitive Vorrichtung handelte, die weniger auf organisierten Rechtsterrorismus als vielmehr auf das Werk eines verirrten Einzeltäters schließen lässt. Wie das OAZ am Dienstag mitteilte, wurde eine Scheibe des Wagens eingeschlagen und ein nicht in Deutschland zugelassenes „pyrotechnisches Erzeugnis“ ins Innere geworfen. Mit anderen Worten: Keine Bombe, sondern ein umgangssprachlich Polenböller genannter Feuerwerkskörper hat das Auto Michael Richters in Flammen aufgehen lassen. Hinweise auf Motiv oder Täter gebe es laut Polizei aber noch nicht.

Richter selbst sieht den Anschlag im Zusammenhang mit seinem Engagement für Asylanten. Tatsächlich gilt der LINKE-Politiker als jemand, der sich in der 40.000-Einwohner-Stadt, die in den vergangenen Monaten Schauplatz zahlreicher Proteste gegen die Unterbringung von Asylbewerbern im früheren Hotel „Leonardo“ war, besonders stark für die Belange der Flüchtlinge einsetzt. Auf Facebook werde schon seit Wochen gegen ihn gehetzt, darunter seien auch mehrere Morddrohungen gewesen, beklagte sich Richter gegenüber den Medien.

Neben diesem durchaus möglichen Motiv gibt es natürlich noch eine weitere Variante: Der Brandanschlag auf das Fahrzeug Richters könnte das Werk eines „Agent provocateurs“ gewesen sein, um die Freitaler Asylkritiker in Misskredit zu bringen oder die durchaus weit verbreitete Stimmung gegen die Unterbringung von immer mehr Asylbewerbern in der Stadt kippen zu lassen. Ob die Ermittlungen der Polizei auch in diese Richtung gehen, ist nicht bekannt. Zur Aufklärung der Tat sollte ein solcher Ansatz allerdings nicht außer Acht gelassen werden.

Letzte Änderung am Freitag, 07 August 2015 14:56
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