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Rechtspopulismus in Sachsen

PEGIDA-Jahresauftakt in Dresden

Samstag, 13 Januar 2018 16:58
Taschenlampen und Deutschlandlied, PEGIDA am 8. Januar in Dresden Taschenlampen und Deutschlandlied, PEGIDA am 8. Januar in Dresden Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 2000 Teilnehmer werden es sein, am Montag (8.1.) beim Jahresauftakt in der Landeshauptstadt. Lutz Bachmann in Hochform: Vergewaltigende Horden zu Silvester, Gedenkminute für alle Opfer von Gewalttaten, ein Waffen-SS-Mann als Ehrenpräsident von Eintracht Frankfurt, Freiluftklapse in Dessau, PEGIDA-Kandidaten bei der Europa-Wahl 2019. Im Sommer nächsten Jahres, die „Schicksalswahl“ zum sächsischen Landtag, der „patriotische Ministerpräsident“ (auf den man „mit aller Härte“ hinarbeiten werde). Auch hier wolle PEGIDA mit eigenen Kandidaten antreten. Drei oder vier Wahlkreise habe man im Auge, insbesondere SOE (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge), dort müsse man „das Vertrauen der Menschen“, das die AfD (durch Frauke Petrys Verhalten) verloren habe, zurückholen.

In dem Stil geht es weiter. Schließlich habe man es geschafft, so der PEGIDA-Gründer, diese Partei in Sachsen zur stärksten Kraft zu machen. Doch „trotz der eigenen Loyalität“ zur AfD müsse man hier ein „wachsames Auge“ behalten, dagegen habe man zu den Landesverbänden in Sachsen-Anhalt und Thüringen „hervorragende Beziehungen“. Deshalb auch Grüße von Andre Poggenburg und „dem Björn“, der im Februar in Sachsen sein werde. Gemeinsam mit der AfD, („unserem parlamentarischen Arm“) werde man getreu dem eigenen Motto „kommen, um zu bleiben und bleiben, um zu siegen.“ „Danke, Lutz“, skandieren die Pegidianer ehrfürchtig.

Nach dem „Spaziergang“ durchs Stadtzentrum spricht Egbert Ermer vom Kreisverband SOE, beschwört wie sein Vorredner „unseren AfD-Ministerpräsidenten 2019 in Sachsen“. Am 14. Februar möchte sein Verband immerhin „d i e Aschermittwochsveranstaltung von Deutschland“ durchführen, ja „Geschichte schreiben“. Gemeinsam mit Bachmann und Däbritz wurde die Rednerliste erstellt: Jürgen Elsässer, Andreas Kalbitz, Andre Poggenburg, den noch zu wählenden sächsischen Landesvorsitzenden und – Björn Höcke. Auf das Medienecho darf man dann gespannt sein. Kein Zweifel, die auf der 134. Dresdner PEGIDA Versammelten sind überzeugt, ihr montägliches „Gesicht zeigen“ sei der Weg, „auf der Straße“ politische Veränderungen zu erzwingen.

Gebetsmühlenartig klingt das Mantra vom Sprecherwagen, doch auch die sächsische AfD wird durch derlei Umarmungen mit in die Haftung genommen. Nicht in der Lage, ein eigenständiges Profil auszuprägen und mit Landtagsabgeordneten, die kaum einer kennt, wird die Partei in der Öffentlichkeit vor allem als Höcke-Veranstaltung wahrgenommen – mit den bekannten Folgen. Derweil stehen die Zeichen auf Sturm. So will das Bundesinnenministerium für 2018 erst gar keine Flüchtlingsprognose abgeben, da sich die Zahlen nicht zuverlässig berechnen ließen. Der Familiennachzug für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz schwebt wie ein Damoklesschwert über der Republik, und in Libyen warten geschätzte ein bis zwei Millionen Menschen auf eine Reise nach Europa ...

Letzte Änderung am Samstag, 13 Januar 2018 18:10
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