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Aufregung um Beatrix von Storchs „Hühnerbrust“-Kommentar

Oben-Ohne-Piratenbraut Anne Helm kämpft jetzt für die Berliner Linke gegen „sexistische Werbung“

Samstag, 05 November 2016 15:31
Die heutige Linke-Politikerin Anne Helm im Februar 2014 in Dresden Die heutige Linke-Politikerin Anne Helm im Februar 2014 in Dresden Quelle: berliner-kurier.de, 22.04.2014 (Screenshot)

Berlin/Dresden – Die frühere Piraten- und Femen-Aktivistin Anne Helm, die sich 2014 medienwirksam mit entblößtem Oberkörper vor der Dresdner Stadtkulisse hatte ablichten lassen, kämpft nun in Berlin gegen „sexistische Werbung“. Auf Initiative Helms, die inzwischen für die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, wurde in den Koalitionsvertrag des künftigen rot-rot-grünen Senats ein Passus aufgenommen, der entsprechende Plakate auf landeseigenen Werbeflächen untersagt.

Laut Helm soll es dabei aber nicht darum gehen, generell Nacktheit zu verbannen. „Es geht um Werbung, in der Frauen zu Objekten herabgewürdigt werden oder wo die klassischen Mann-Frau-Stereotypen verbreitet werden“, so die Linke-Politikerin. Außerdem sprach sie sich dafür aus, dass es eine bundesweite Regelung geben müsse, um „sexistische Werbung“ zu unterbinden. Die Politik habe Verantwortung übernehmen, anstatt nur „Aktivistinnen“ die Arbeit zu überlassen.

Für Wirbel sorgte unterdessen eine Facebook-Nachricht der Europaabgeordneten und Co-Landessprecherin der Berliner AfD, Beatrix von Storch. Diese hatte kürzlich besagtes Foto von Anne Helm vom Februar 2014 mit den Worten kommentiert, darauf sei eine „Hühnerbrust“ zu sehen. Die Abgeordnete sei eine „Schande“. Von Storch in einer weiteren Erklärung: „Wer wie Frau Helm die eigene Nacktheit und den eigenen Körper politisch instrumentalisiert, der muss damit leben, dass dieser auch Teil der kritischen Entgegnung ist.“

Antje Schiwatschev, im Landesvorstand der Berliner Linken verantwortlich für feministische Politik, sagte zu dem umstrittenen Post der AfD-Politikerin: „Die sexistische und rassistische Hetzkampagne und die unsäglichen Hasskommentare, mit denen gegen Anne Helm vorgegangen wird, sind unerträglich. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.“ Sie forderte von Storch auf, den Beitrag von ihrer Facebook-Seite zu nehmen. „Das kann nicht Teil der politischen Kultur sein.“

Die frühere Schauspielerin und Synchronsprecherin („Schweinchen Babe“) Anne Helm und ihre Femen-Mitstreiterin Mercedes K. Reichstein alias „Deborah Anderson“ hatten im Februar 2014 anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Dresdens Fotos von sich über Twitter verbreitet, die sie mit nackten und mit Parolen bemalten Oberkörpern zeigten. Helm trug dabei den Spruch „Thanks Bomber Harris“ zur Schau, was auf besonders große Empörung bei den Dresdnern stieß. Der britische Luftwaffen-Marschall Arthur Harris war Initiator der britischen Direktive zur Flächenbombardierung deutscher Städte. Sowohl die Piratenpartei als auch die Gruppe Femen distanzierten sich später von der Aktion.

In der Berliner Linkspartei, in der die sogenannten „Antideutschen“ eine große und einflussreiche Gruppe bilden, hat man offenbar weniger Probleme mit Anne Helm und ihren Agitationsformen. Sie trat der Partei schon vor einiger Zeit bei und zog im September 2016 über die Landesliste der Linken in das Abgeordnetenhaus von Berlin ein.

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