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Rechtspopulismus

Naziuhren in Glashütte, PEGIDA in Dresden

Montag, 24 September 2018 12:53
PEGIDA am Montag vor dem Hauptbahnhof PEGIDA am Montag vor dem Hauptbahnhof Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 17. September 2018, 156. PEGIDA in der Landeshauptstadt. Es kommt nicht oft vor, daß bei den Montagsdemonstrationen, wo naturgemäß Anspannung vorherrscht, fröhliches Gelächter zu hören ist. Auslöser ist meist PEGIDA-Vize Siegfried Däbritz, der mit Wortwitz und beißendem Sarkasmus schon manchem Wutbürger die grimmige Miene aufzuhellen wußte. Die Vorlagen dazu liegen auf der Hand und sind den vorangegangenen Tagesereignissen entnommen. So auch heute vor dem Hauptbahnhof, als Däbritz gegen Ende seiner Ausführungen auf die frühere ARD-Journalistin Judith Borowski (49) zu sprechen kommt, die als Chefin der renommierten sächsischen Uhrenfabrik „Nomos Glashütte“ gerade Schlagzeilen macht. Die fesche Blondine zeige sich verunsichert, nachdem Kunden aus aller Welt bei ihr angefragt hätten, ob denn wahrhaftig Nazis an ihren, in Handarbeit gefertigten Luxusuhren beschäftigt gewesen seien.

Hier aber könne Däbritz der Nomos-Chefin sicher helfen, wisse er doch von zweien ihrer Mitarbeiter persönlich, daß natürlich „N-a-z-i-s“ an besagten Uhren mitarbeiten, „ordentliche Familienväter, die auch patriotisch gewählt haben“. (Die AfD hatte bei den Bundestagswahlen in Glashütte 37,3 Prozent erzielt.) Genau wie bei der Konkurrenzmarke „Lange & Söhne“, auch dort schraube ein Däbritz bekannter „Rechtsradikalextrempopulist die teuren Zeiteisen“ zusammen. „Und ich hab‘ sogar eene“, wirft nun auch Lutz Bachmann von der Seite ein, „een Nazi trägt se“. Die Menge auf dem Wiener Platz am Hauptbahnhof jauchzt vor Vergnügen, worauf Däbritz fortfährt: Was? Dann könne man die Marke ja gleich „direkt abmelden“. Und natürlich werde in jede Uhr „eine Steuerungseinheit für Reichsflugscheiben“ eingebaut, wie auch ein Sonnenrad - als Zahnrad getarnt - im Uhrwerk seinen Dienst tut.

Jedenfalls empfehle Däbritz der Geschäftsführerin, alle fertig gestellten Uhren sofort der „Entnazifizierung zuzuführen“. Borowski aber „zeige Gesicht“ und biete „Kaderschulungen“ für Ihre Mitarbeiter. So gehe es dabei auch um die Frage „Wie gehe ich mit rassistischen Äußerungen im Team um?“ Natürlich seien diese Workshops freiwillig – man kenne das noch von früher. Er, Däbritz, wisse nicht, ob diese „Umerziehungsmaßnahmen“ schon angelaufen seien, doch dürften sich Kollegen, die sich dem verweigerten, sicher auf einer „schwarzen Liste“ wiederfinden. Wie auch immer, „Fremdenfeindlichkeit“ im Unternehmen wolle Frau Borowski entschieden nicht dulden. Die 157. PEGIDA aber gibt es am 24. September vor der Dresdner Frauenkirche.

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