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AfD mit Zuwachs von 22,8 %

Mitgliederschwund bei etablierten Parteien in Sachsen

Sonntag, 10 Januar 2016 19:55
AfD Sachsen AfD Sachsen Quelle: AfD Sachsen

Dresden – Der Erosionsprozess bei den etablierten Parteien in Sachsen setzt sich fort. Einer aktuellen Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge blieb die CDU im vergangenen Jahr mit knapp 11.400 Mitgliedern zwar stärkste Partei im Freistaat, verlor allerdings gegenüber dem Vorjahr knapp 520 Mitglieder. Dies bedeutet einen Verlust von 4,4 Prozent.

Noch höher, nämlich 5,4 Prozent, fällt das Minus bei der Linken aus. Diese hatte 2015 rund 8.700 Mitglieder und damit gut 500 weniger als 2014. Bei der SPD sank die Mitgliederzahl von 4.500 auf 4.400 (-2,7 Prozent), bei der FDP von 2.100 auf 2.000 (-4,1 Prozent). Ein leichtes Plus von 1,2 Prozent konnten hingegen die Grünen verbuchen, die im letzten Jahr rund 1.400 Mitglieder in Sachsen hatten, einen enormen Zuwachs gab es bei der AfD, deren Anhängerschaft im letzten Jahr von 780 auf 960 Mitglieder anwuchs, was ein Plus von 22,8 Prozent bedeutet.

Während die CDU für ihren Mitgliederschwund neben einem „allgemeinen Trend“ vor allem die aktuelle Asyl- und Flüchtlingspolitik der unionsgeführten Bundesregierung verantwortlich macht, bewerten die Sozialdemokraten ihren Rückgang als „Schwankung im üblichen Rahmen“. Bei der Linken macht sich vor allem der demografische Faktor bemerkbar. Die SED-Nachfolgerin hat eine stark überalterte Mitgliedschaft und geht daher von einem weiteren Minus aus. Die 1929 Geborenen seien 2015 der stärkste Mitgliederjahrgang gewesen, hieß es dazu aus Parteikreisen. Demgegenüber sieht sich die erst 2014 in den Landtag eingezogene AfD auf einem „gesunden Wachstumskurs“.

Dass verschiedene Maßnahmen wie eine SPD-Schnuppermitgliedschaft dazu beitragen werden, diese Entwicklung zu stoppen, glaubt der Politikwissenschaftler Tom Thieme von der TU Chemnitz nicht. Die Abneigung vieler Menschen aus der ehemaligen DDR gegen Parteien wirke nach und werde an folgende Generationen „weitervererbt“. „Das geschieht etwa bei Gesprächen in der Familie oder im Freundeskreis“, so der Experte. Demotivierend wirke vor allem die inhaltliche Eintönigkeit bei den großen Parteien. „Warum soll da noch jemand in Parteien eintreten?“, würden sich viele fragen.

Auch der Politikwissenschaftler Mark Arenhövel von der TU Dresden sieht den Abwärtstrend bei CDU, Linken und SPD in unklaren Positionen begründet. „Für viele Wähler, aber auch Mitglieder war gar nicht mehr sichtbar, wofür die Parteien stehen. Die kleineren Parteien waren davon mit Sicherheit weniger betroffen“, so Arenhövel. Auch er geht daher nicht von einer Trendwende aus.

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