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Linksliberale Wende bei der FDP Sachsen?

Leipzigs ehemals nationalliberaler FDP-Chef Marcus Viefeld macht Front gegen Holger Zastrow

Dienstag, 06 Dezember 2016 16:47
Der Leipziger FDP-Vorsitzende Marcus Viefeld Der Leipziger FDP-Vorsitzende Marcus Viefeld Quelle: Homepage von Marcus Viefeld (Screenshot)

Leipzig – Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow gerät parteiintern immer stärker in die Kritik. Wie SACHSEN DEPESCHE berichtete, geht man in seinem Dresdner Heimat-Kreisverband nach seiner schmerzhaften Niederlage bei der Wahl des Bundestagsdirektkandidaten schon davon aus, dass der frühere Landtagsfraktionschef der Liberalen, der auch dem FDP-Bundespräsidium angehört, demnächst zurücktreten könnte. Einige munkeln gar, Zastrow befinde sich bereits auf dem Sprung zur AfD, was allerdings von anderer Seite nicht bestätigt werden konnte (siehe: http://www.sachsen-depesche.de/politik/nach-wahlkreis-klatsche-geht-sachsens-fdp-chef-holger-zastrow-zur-afd.html).

Nun haben sich erneut parteiinterne Zastrow-Kritiker zu Wort gemeldet und machen Front gegen ihren Landesvorsitzenden. Dazu gehört auch der Leipziger FDP-Kreisvorsitzende und frühere Landesvorsitzende der Jungliberalen Aktion Sachsen (JuliA), Marcus Viefeld, der kürzlich in einer Pressemitteilung dafür warb, die FDP im Freistaat als „offene Mitmachpartei“ zu positionieren, für die ein „positiver und nach vorn gerichteter Kurs“ kennzeichnend sein müsse. Es folgte eine offene Breitseite gegen Zastrow und seinen bürgerlich-liberalkonservativen – manche sagen auch nationalliberalen oder gar „rechtspopulistischen“ – Kurs. „Der sogenannte ,sächsische Weg’ ist für den Leipziger Kreisverband beendet“, so Viefeld. „Diesen Maßstab werden wir an alle anlegen, die im Frühjahr für den neuen Landesvorstand kandidieren.“

Langjährige politische Weggefährten Viefelds wundern sich über den Sinneswandel, den der gebürtige Berliner in den letzten Jahren vollzogen hat. Der frühere Burschenschafter, der im thüringischen Ilmenau studierte, galt früher selbst einmal als eingefleischter Nationalliberaler, der mit rechtspopulistischen Positionen liebäugelte. In den Jahren 2002 und 2003 wurde er zum sogenannten „Internet-Kanzler“ der Grimme-Preis-prämierten Politiksimulation dol2day gewählt. Angetreten war Viefeld unter dem Pseudonym „Fifi“ seinerzeit – was er auf seiner Politiker-Homepage wohlweislich verschweigt – für die stramm rechte „Nationalliberale Internetpartei“ (NIP), in der sich neben FDP-Mitgliedern auch Anhänger der Republikaner (REP) und Österreicher mit FPÖ-Parteibuch tummelten.

Inzwischen gilt Viefeld, der in der FDP Karriere gemacht hat, als Anhänger von Parteichef Christian Lindner, der sich verstärkt auch sozialliberalen Positionen zuwendet. Von seinen früheren Ansichten will der freiberufliche Webentwickler aus Leipzig offenbar nichts mehr wissen. Damit befindet er sich auf der Linie der heutigen sächsischen Julis unter ihrem Landesvorsitzenden Philipp Hartewig, die sich wenig um Patriotismus, dafür aber umso mehr um Themen wie die Entkriminalisierung des Drogenkonsums und die Abschaffung christlicher Feiertage kümmern. Holger Zastrow könnte demnächst Opfer des sich immer deutlicher ankündigen linksliberalen Rucks in der FDP Sachsen werden, sollte er nicht rechtzeitig vorher die Reißleine ziehen.

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