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Verfassungsschutz warnt vor Hassan Dabbagh und seiner Salafisten-Gemeinde

Leipziger Al-Rahman-Moschee entwickelt sich zu einem gefährlichen Radikalisierungszentrum in Sachsen

Mittwoch, 03 Mai 2017 16:48
Der Leipziger Salafisten-Prediger Hassan Dabbagh Der Leipziger Salafisten-Prediger Hassan Dabbagh Quelle: YouTube (Screenshot)

Leipzig – Sachsens größte Moscheegemeinde, die sich in Leipzig um die Al-Rahman-Moschee des Salafisten-Predigers Hassan Dabbagh gruppiert, hat nach Erkenntnissen des sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz im Zuge der Flüchtlingskrise enormen Zulauf erhalten. „Der Zustrom von Migranten führte zu einem starken Anstieg der Besucherzahlen“, heißt es dazu in dem aktuellen Bericht des Inlandsgeheimdienstes.

Der Bericht des sächsischen Verfassungsschutzes warnt: „Es besteht die Möglichkeit, dass Migranten durch Hassan Dabbagh salafistisch beeinflusst werden.“ Außerdem sei zu befürchten, dass „Konflikte mit anderen muslimischen Glaubensrichtungen aufgrund der abwertenden Äußerungen Dabbaghs, zum Beispiel gegenüber Schiiten oder der Ahmadiyya-Gemeinde, die er zu Ungläubigen erklärte, entstehen“. Die Ahmadiyya-Moschee im Stadtteil Gohlis soll nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt vom Plattenbau der Al-Rahman-Gemeinde in der Roscherstraße entstehen. Sicherheitsbehörden warnen schon lange vor möglichen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen muslimischen Gruppen in Leipzig.

Bei Dabbagh und seiner Salafisten-Gemeinde handelt es sich um besonders radikale Vertreter des Islam. Ihnen wird vorgeworfen, die demokratische Ordnung und das Rechtssystem der Bundesrepublik abzulehnen. Neben Dabbagh sind der inzwischen flüchtige Initiator der „Lies!“-Koranverteilungen, Ibrahim Abou-Nagie, sowie der Kölner Ex-Boxer Pierre Vogel bekannte Köpfe der Salafistenszene in Deutschland.

Attentat gerechtfertigt

Dabbagh, der sich selbst als „Imam von Sachsen“ bezeichnet, geriet bereits 2009 ins Visier der Behörden, als in seiner Al-Rahman-Moschee Hetzschriften sichergestellt wurden, die zum Mord an „Ungläubigen“ aufriefen. Mehrere Verfahren gegen den fragwürdigen „Gottesmann“ wurden eingestellt. Der aus Syrien stammende Islamist war zu dieser Zeit oft Gast in Talkshows und gab dort tiefe Einblicke in sein Welt- und Menschenbild. So weigerte er sich bei allen Auftritten, Frauen die Hand zu geben, und führte zur Begründung an: „Es ist besser für einen Mann, ein Stück Eisen in den Kopf geschlagen zu bekommen, als eine fremde Frau anzufassen.“

In der Talkshow „Sabine Christiansen“ rechtfertigte Dabbagh gar den während der Fußball-WM 2006 von den sogenannten „Kofferbombern“ geplanten Massenmord an Hunderten Zivilisten in zwei Nahverkehrszügen als eine aus seiner Sicht nachvollziehbare Trotzreaktion auf eine negative Darstellung des Islam in den deutschen Medien. Und in der in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ gab er auf die Frage, ob er den Koran über das Grundgesetz stelle, die vielsagende Antwort: „Solange wir in der Minderheit sind, akzeptieren wir eure Rechtsordnung.“

Im Jahr 2014 mussten sich die beiden (!) Ehefrauen des Salafisten-Chefs vor dem Amtsgericht Leipzig wegen Betrugs verantworten. Die „Leipziger Volkszeitung“ vermerkte damals: „Immerhin darf der Imam offenbar mit zwei Ehefrauen leben, wie das aktuelle Gerichtsverfahren zeigt.“ Bigamie, die von islamischen Geistlichen nach der Scharia abgesegnet werde, bleibe in Deutschland straffrei. Nur wenn das Standesamt hintergangen werde, schreite die Justiz ein.

Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft bewilligte das Bundesverwaltungsamt 2009 den beiden Damen insgesamt 82.800 Euro an Fördermitteln für ihren Verein „Al Amal – Die Hoffnung“. Mit den Geldern sollten unter anderem drei Angestellte, darunter Hassan Dabbagh höchstpersönlich, drei Jahre lang bis Ende 2012 finanziert werden. Allerdings vermutete die Staatsanwaltschaft, dass die Gelder für dieses ohnehin schon mehr als fragwürdige Projekt auch noch zweckentfremdet wurden. Die Förderung endete aufgrund des Betrugsverdachts Ende Juli 2011, bis dahin waren 42.698,09 Euro ausgezahlt worden. Im Mai 2015 wurde das Verfahren gegen die Auflage der Rückzahlung der Fördergelder schließlich eingestellt.

Zögerliche Politik

Die wachsende Popularität von Dabbaghs Moscheeverein hängt nach Ansicht des Verfassungsschutzes auch damit zusammen, dass es zahlreichen Besuchern „schlicht an Alternativen fehlen dürfte, andere Moscheen zum Gebet aufzusuchen“. Die Al-Rahman-Moschee beteuert hingegen auf seiner Homepage, „jede Art von Gewaltakten auf Zivilisten und Unschuldige“ zu verabscheuen. „Unser einziges Ziel ist das Wohlgefallen von Allah“, schreiben die Salafisten.

Dies zweifeln Sicherheitsbehörden an, die zudem eine verstärkte Rekrutierungsarbeit von Dabbaghs Anhängern in Leipziger Asylbewerberheimen beobachten. Unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe würden Migranten für die salafistische Idee begeistert und in ihrem Gedankengut entsprechend radikalisiert werden. Daher bleibe der Leipziger Imam auch weiterhin „Teil eines Beobachtungsobjekts im Freistaat Sachsen“, wie ein Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz erklärte. Die Politik steht dem Treiben der Salafisten nach wie vor ratlos gegenüber, zumal eine Handhabe dagegen fehlt. Womöglich wird die Gefahr, die von radikal-islamistischen Zentren wie in der Leipziger Roscherstraße ausgeht, von den verantwortlichen Politikern aber auch unterschätzt.

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