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Haftstrafe verjährt, nur der Pass fehlt noch

Kehrt Intensivstraftäter „Mehmet“ nach Deutschland zurück?

Sonntag, 13 Dezember 2015 19:10
Kehrt Intensivstraftäter „Mehmet“ nach Deutschland zurück? Quelle: PIXABAY.COM

München/Cerkezköy – Unter dem Pseudonym „Mehmet“ gelangte der jugendliche Intensivstraftäter Muhlis Ari in den 1990er Jahren zu zweifelhafter Bekanntheit. Schon vor seinem 14. Lebensjahr hatte der 1984 in München geborene Sohn türkischer Zuwanderer mehr als 60 Straftaten – darunter Raubüberfälle, Körperverletzungen, Einbrüche, Erpressungen und  Nötigungen – verübt, konnte jedoch nie belangt werden, da er noch nicht strafmündig war.

Mit Vollendung seines 14. Lebensjahres änderte sich dies. Als der „Schrecken von Neuperlach“, wie Ari in der Lokalpresse genannt wurde, 1998 einen anderen Jugendlichen krankenhausreif zusammengeschlagen hatte, vom Amtsgericht München zu einer Haftstrafe von 12 Monaten verurteilt. Die Politik, vor allem Bayerns damaliger Innenminister Günther Beckstein (CSU), wollte an ihm allerdings ein Exempel statuieren: Die Stadt München hob die Aufenthaltserlaubnis für „Mehmet“ auf, der zwar in Deutschland geboren und aufgewachsen war, jedoch nur die türkische Staatsangehörigkeit besaß, und schob ihn noch vor Antritt seiner Haftstrafe ohne seine Eltern in die Türkei ab, wo er zunächst bei Verwandten unterkam.

Der Abschiebung folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, der im November 2001 in einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs mündete, der entschied, dass Ari nach Deutschland zurückkehren dürfe. Weil Eltern seit über 30 Jahren in Deutschland lebten, sei die Ausweisung ihres damals minderjährigen Sohnes nicht rechtens gewesen. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte das Urteil wenige Monate später. „Mehmet“, inzwischen 18 Jahre alt, kehrte nach Deutschland zurück, holte den Hauptschulabschluss nach und wurde zunächst nicht mehr straffällig.

Bereits 2005 folgte jedoch die nächste Tat. Diesmal traf es seine eigenen Eltern, die er brutal verprügelte und ausraubte. Ari wurde zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt, der er sich durch Flucht in die Türkei entzog. Das Heimatland seiner Mutter und seines Vaters lieferte ihn nicht aus. Eine neue Heimat fand der Schwerkriminelle in der Stadt Cerkezköy, etwa 100 Kilometer westlich von Istanbul, wo er unter anderem ein Transportunternehmen und eine Paintball-Anlage eröffnete. Auf die Frage, ob er Deutschland vermisse, antwortete er der „Zeit“ im Jahr 2013: „Nur Currywurst und Krapfen. Und natürlich Leberkässemmeln.“

Vor gut zweieinhalb Jahren beantragte Ari eine Aussetzung des Haftbefehls gegen ihn, um sein Buch „Sie nannten mich Mehmet. Geschichte eines Ghettokindes“ auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen zu können. Die Behörden lehnten dies ab. Nun – zehn Jahre nach seiner letzten Verurteilung in Deutschland – kann Muhlis Ari auf eine Rückkehr nach München hoffen, denn die 2005 verhängte Haftstrafe ist nach § 78 des Strafgesetzbuches inzwischen verjährt. Überdies hat das Amtsgericht München einen weiteren Haftbefehl wegen Drogenmissbrauchs aufgehoben.

Um nach Deutschland zurückzukehren fehlt ihm allerdings noch sein Reisepass. Den hat die türkische Justiz 2013 einbehalten, weil er 2012 einen Münchner Bekannten während dessen Türkei-Aufenthalts überfallen und ausgeraubt haben soll. Gegen das erstinstanzliche Urteil einer Haftstrafe von über 11 Jahren hat der heute 30-Jährige Berufung eingelegt und ist deshalb auf freiem Fuß. „Mehmets“ Anwalt erwartet bei der Berufungsverhandlung einen Freispruch. Dann bekäme Muhlis Ari umgehend seinen Reisepass zurück und könnte nach Deutschland kommen. Beobachter gehen davon aus, dass er dies auch umgehend machen würde – nicht nur wegen Currywurst, Leberkäse und Krapfen, sondern auch, weil er mit der Türkei nie wirklich warm geworden ist. Eine Bereicherung für unser Land wäre dies freilich nicht.

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