Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Politik

COMPACT LIVE im „Steiger am Landhaus“

Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek diskutierten in Dresden über die Zukunft von Pegida

Montag, 20 April 2015 14:32
Götz Kubitschek, Jürgen Elsässer, Martin Müller-Mertens (v.l.n.r.) bei der Diskussion im "Steiger am Landhaus" Götz Kubitschek, Jürgen Elsässer, Martin Müller-Mertens (v.l.n.r.) bei der Diskussion im "Steiger am Landhaus" Quelle: SACHSEN DEPESCHE

Dresden – Rund 140 Besucher fanden sich am vergangenen Donnerstag zu einem Diskussionsabend des „Compact“-Magazins mit seinem Chefredakteur Jürgen Elsässer und dem Verleger und Publizisten Götz Kubitschek im Dresdner Traditionslokal „Steiger am Landhaus“ ein. Die Veranstaltung widmete sich der Frage „Pegida – Wie weiter?“

Beide Referenten, die selbst mehrfach als Redner bei Pegida in Dresden bzw. Legida in Leipzig auftraten, stellten zunächst ihre Sicht der Dinge dar, um danach im Wechsel auf die Argumente des jeweils anderen einzugehen. Während im Mittelpunkt von Kubitscheks Ausführungen eine vorläufige Bilanz der Geschichte und der Erfolge von Pegida stand, arbeitete Elsässer die politische Bedeutung von Pegida heraus und wies in besonderem Maße auf die Gefahren für die junge Bewegung hin. Moderiert wurde die Diskussion von dem Journalisten und „Compact“-CvD Martin Müller-Mertens. Im Anschluss wurde dem Publikum die Möglichkeit eingeräumt, Fragen zu stellen und zu den Vorträgen Stellung zu nehmen.

Elsässer, Journalist mit schillernder linker Vergangenheit, war sich mit seinem Diskussionspartner Kubitschek, der von Moderator Müller-Mertens als Vertreter der „Neuen Rechten“ vorgestellt wurde, darin einig, dass die Zukunft von Pegida auf keinen Fall darin bestehen dürfe, sich als Partei zu organisieren. Pegida müsse „eine Volksbewegung ohne politische Verortung“ im Sinne des Rechts-Links-Schemas bleiben, so Kubitschek. Gleichwohl wies der Chef des Antaios-Verlags aus Schnellroda darauf hin, dass die Bewegung „neue Formen des Widerstandes und zivilen Ungehorsams“ entwickeln müsse, auch um der Monotoniefalle zu entgehen.

Elsässer pflichtete ihm bei und warnte zugleich vor einer „Parlamentarisierung“. Die Pegida-Bewegung müsse vielmehr einen „plebiszitären Weg“ einschlagen, beispielsweise durch Aufstellung überparteilicher Kandidaten wie nun zur Oberbürgermeisterwahl in Dresden, aber auch über die Initiierung von Volksbegehren und Volksentscheiden. Der Journalist machte zugleich deutlich, dass für ihn die Scheidelinie heutzutage nicht mehr zwischen rechts und links, sondern „zwischen Anpassung und Opposition“ verlaufe. In Pegida sieht er „vielleicht eine der letzten Chancen, dieses Volk zu retten“.

Besonderen Diskussionsbedarf gab es beim Thema Geert Wilders. Der Auftritt des umstrittenen niederländischen Politikers und Islamkritikers bei Pegida wenige Tage zuvor stieß insbesondere bei Elsässer schon im Vorfeld auf Kritik. Zwar machte auch Kubitschek deutlich, dass er erhebliche inhaltliche Differenzen sieht, allerdings zeigte er Verständnis für den Wilders-Auftritt als einen „Versuch, mit dem Presslufthammer die Schweigemauer zu durchbrechen“.

Elsässer räumte zwar ein, dass Wilders mit seiner Rede den Dresdnern den Rücken gestärkt und für mediales Interesse gesorgt habe, seine „Israel-Prosa“ deute aber in eine falsche Richtung. „Mit diesen Positionen kann man keine deutsche Nationalbewegung machen“, so der „Compact“-Chef, der dafür viel Beifall vom Publikum bekam. Neben Zuwanderung und Islamisierung gebe es weitere Themen von großer Bedeutung wie den Schutz der traditionellen Familie, insbesondere aber die Souveränitätsfrage, auf die die Positionen eines Wilders keine Antwort geben könnten. „Meine Vision ist eine deutsche National- und Souveränitätsbewegung im Geiste von 1813“, so Elsässer. „Ich vertraue hier auf die Sachsen“.

Auch die Wortmeldungen aus dem Publikum zeigten, dass der Wilders-Auftritt in der Pegida-Anhängerschaft umstritten ist. Zugleich wurde deutlich, dass man einer eventuellen Umwandlung von Pegida in eine politische Partei ebenfalls kritisch gegenübersteht. Für ein Anheizen der ohnehin spannenden Debatte sorgte am Schluss die Wortmeldung der früheren Pegida-Mitorganisatorin Kathrin Oertel, die als Überraschungsgast in den „Steiger am Landhaus“ gekommen war und versuchte, ihre Abspaltung mit der mittlerweile wieder aufgelösten Gruppe „Direkte Demokratie für Europa“ (DDfE) zu rechtfertigen. Als Hauptgrund gab sie an, der Protest von Pegida sei teilweise „in Hass“ umgeschlagen, was vom Publikum mit deutlichen Unmutsäußerungen quittiert wurde. Kubitschek warf Oertel daraufhin vor, sie würde ihren Ausstieg im Nachhinein „verbrämen“. Pegida-Organisator Lutz Bachmann war an diesem Abend nicht zugegen, um seine Sicht der Dinge darzulegen.

Artikel bewerten
(7 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten