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Nutzung von sozialen Netzwerken

Islamischer Terror: Experten berichten über Rekrutierungsstrategien des IS

Sonntag, 13 März 2016 22:01
ISIS Truppe im Irak ISIS Truppe im Irak Quelle: 4.bp.blogspot.com

Frankfurt am Main - Mehrere Experten haben vor den zunehmenden Bestrebungen der Terrormiliz des „Islamischen Staates“ (IS) gewarnt, über die sozialen Netzwerke Unterstützer für den Dschihad zu rekrutieren. Zentrale Botschaft bei Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien ist: „Wir erschaffen uns einen Staat, du kannst Teil davon werden.“

Laut Götz Nordbruch von der Berliner Beratungsstelle ufuq.de sei das Netz für viele Jugendliche der erste Schritt zur Radikalisierung und zur islamistischen Szene. Es gebe zahlreiche Angebote, sich selbständig und im eigenen Tempo mit den islamistischen Inhalten vertraut zu machen. Laut dem Bielefelder Extremismusforscher Nils Böckler dauere die Radikalisierung bei den meisten Jugendlichen weniger als ein Jahr. Böckler dazu weiter: „Die Ideologie suggeriert eine einfache Antwort auf komplexe Lebensfragen der Jugendlichen. Die Propaganda des IS funktioniert nach den Regeln modernster Werbekommunikation.“ Es werde eine Wahrnehmung erzeugt, dass es sich bei den Islamisten um ganz gewöhnliche Menschen handelt: „Sie erzeugen das Bild vom Dschihadisten von nebenan. Sie holen die Jugendlichen genau da ab, wo sie sind und bieten für die verschiedenen Bedürfnisse Angebote.“

Dass der IS zunehmend auch Deutschland  ins Visier seiner Rekrutierungsbestrebungen nimmt, wird daran deutlich, dass er immer mehr deutschsprachige Medien produziert. Der Politikwissenschaftler Asiem El Difraoui befasst sich schon seit langem mit den islamistischen Propaganda-Aktivitäten und stellt fest: „Sie versuchen immer wieder, pseudoreligiöse Begründungen zu finden - zum Beispiel bei der Rechtfertigung der Versklavung der Jesidinnen.“ Der Politologe dazu weiter: „Daesh beobachtet westliche Medien genau. Gibt es eine Nachrichtenflaute, veröffentlichen sie zum Beispiel ein Bekennervideo. Über das, so die Hoffnung, berichten dann die westlichen Medien. Daesh will, dass man über ihn spricht. Die Verbreitung in sozialen Netzwerken ist erwünscht. Das ist eine gefährliche Hybris geworden zwischen gestohlenen Symbolen des Islams und gestohlener Symbolik einer globalen Jugendkultur.“

Der Islamwissenschaftler Michael Kiefer macht deutlich, dass die Islamisten Zitate aus dem Koran aus dem Zusammenhang reißen und so für ihre Zwecke missbrauchen. Kiefer dazu weiter: „Die Islamisten sagen, sie stünden auf der richtigen Seite, da sie im Sinne der göttlichen Offenbarung handeln. Dies bedeute auch, dass man in bestimmten Situationen Herr über Leben und Tod sei. Das kann für einen schwachen Menschen sehr viel Bedeutung haben.“

Diese Erkenntnisse verdeutlichen, wie tief der IS bereits in die deutsche Gesellschaft vorgedrungen ist, wenn es ihm wirksam gelingt, über die hiesigen Medienangebote junge Menschen für seinen menschenverachtenden Dschihad zu rekrutieren.

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