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Auftritt des Islamkritikers sorgt für Wirbel

Geert Wilders bei Pegida in Dresden

Dienstag, 14 April 2015 18:52
Geert Wilders bei PEGIDA in Dresden Geert Wilders bei PEGIDA in Dresden Quelle: SACHSEN DEPESCHE

Dresden – Es waren deutlich mehr als die von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) genannten 10.000 Anhänger, die sich am Montag bei der mittlerweile 23. Veranstaltung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) in Dresden einfanden. Die Flutrinne vor der Messe begann sich schon zwei Stunden vor dem offiziellen Beginn der Kundgebung mit Menschen zu füllen. Als Pegida-Organisator Lutz Bachmann gegen 18 Uhr – und damit gut eine Stunde später als geplant – die Großkundgebung eröffnete, dürften es an die 20.000 Menschen gewesen sein, die vor allem den Auftritt des umstrittenen Islamkritikers Geert Wilders aus den Niederlanden mit Spannung erwarteten.

Die Verzögerung war nach Angaben von Bachmann dem Umstand geschuldet, dass mehrere Tausend Pegida-Anhänger zunächst nicht zu dem Kundgebungsort gelangen konnten, weil Ansammlungen von Gegendemonstranten die Zufahrtswege versperrten. Am Ende löste die Polizei jedoch alle Blockaden auf und sorgte für einen ungehinderten Zugang zur Pegida-Veranstaltung. Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstranten und den Ordnungskräften. Bachmann sprach sogar von einer „Straßenschlacht“. In einer vorläufigen Bilanz teilte die Polizei am Abend mit, dass zwölf Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen Landfriedensbruch, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, eingeleitet wurden.

Geert Wilders traf erst kurz vor seiner Rede in einer gepanzerten Limousine des LKA, begleitet von einem ganzen Tross von Sicherheitsleuten, auf dem Messegelände ein. Sofort danach wurde er wieder zum Flughafen gebracht. Diese besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen sind bei öffentlichen Auftritten des niederländischen Politikers notwendig, da islamistische Terrorgruppen zu seiner Ermordung aufgerufen haben. In seiner auf Deutsch gehaltenen, etwa 25-minütigen Rede setzte sich Wilders denn auch gewohnt kritisch mit dem Islam auseinander, den er weniger als Religion denn als eine „Ideologie“ ansieht.

Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid (PVV) lobte die Pegida-Anhänger als „Helden“ in der „Tradition von Kant, Schiller und Stauffenberg“, die die abendländische Kultur verteidigen würden. „Ihr habt damals die Wende gebracht, und ich sage Euch: Wir brauchen eine neue Wende“, so Wilders. Ganz besonderen Wert legte der Niederländer in seiner Rede auf den Aspekt der Freiheit, die es gegen den „totalitären Islam“ zu verteidigen gelte. Hierbei bekannte er sich einmal mehr zur Solidarität mit Israel. Der jüdische Staat sei in der Nahost-Region „ein Leuchtturm der Freiheit in einem Meer der Dunkelheit”. Die Muslime rief er auf, „sich von den Fesseln des Islam“ zu befreien.

Zum Zustrom von Asylbewerbern und illegalen Einwanderern erklärte der holländische Politiker: „Wir stehen kurz vor einer Katastrophe – und ich sage deutlich: Es reicht!“ Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien sollten heimatnah in ihrer Region untergebracht werden, „nicht hier, nicht in Europa“. Außerdem sagte er: „Wenn Dschihadisten unsere Länder verlassen wollen, lasst sie gehen, aber lasst sie nie wieder zurückkehren.“ Mit Blick auf die Terroranschläge in Paris und Kopenhagen erklärte Wilders, Deutschland könne nicht genug vor der Islamisierung gewarnt werden: „Nicht alle Muslime sind Terroristen. Aber die meisten Terroristen sind Muslime.“

Nach Wilders sprachen die Dresdner Pegida-Oberbürgermeisterkandidatin Tatjana Festerling sowie der Verleger und Publizist Götz Kubitschek. Während Festerling vor allem einen Auftritt der OB-Kandidaten Markus Ulbig (CDU), Eva-Maria Stange (SPD) und Dirk Hilbert (FDP) bei einer Pressekonferenz kritisierte, bei dem sich diese gemeinsam gegen Pegida positionierten, warf Kubitschek einen Blick zurück in die Geschichte und erinnerte an den Dresdner Maiaufstand von 1849, an dem auch der damalige Hofkapellmeister Richard Wagner und Baumeister Gottfried Semper beteiligt waren. Der Chefredakteur der rechtsintellektuellen Zeitschrift „Sezession“ stellte die Pegida-Anhänger in eine Traditionslinie mit den damaligen Revolutionären.

Alle drei Ansprachen wurden immer wieder durch Applaus sowie „Wir sind das Volk“-Rufen unterbrochen. Wenn die Redner auf die Medien zu sprechen kamen, brandeten die bekannten „Lügenpresse“-Rufe auf. Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem Ausland waren diesmal besonders viele Medienvertreter vor Ort. Gleich mehrere TV-Sender aus den Niederlanden berichteten über die Kundgebung. Dort bestimmt der Wilders-Auftritt bei Pegida schon seit Tagen die Berichterstattung.

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