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„Ein Weg, die Extremisten zu schwächen, ist es, da, wo sie Recht haben, ihnen auch Recht zu geben“

Ex-Ausländerbeauftragter Martin Gillo (CDU) nimmt Stellung zu umstrittenen Facebook-Posts

Montag, 13 Februar 2017 05:45
Der frühere sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo (CDU) Der frühere sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo (CDU) Quelle: wikimedia.org | Steffen Prößdorf | CC BY-SA 3.0 de

Dresden – Der frühere sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo (CDU) will seinen – inzwischen wieder gelöschten – Facebook-Post mit den Schrottbussen vor der Frauenkirche als Kritik an der Umsetzung der Kunstaktion verstanden wissen. Er finde „die Idee dieser provozierenden Installation vor der Frauenkirche wirklich brillant“, teilte Gillo auf Anfrage der SACHSEN DEPESCHE mit. „Meine Kritik bezieht sich nur auf die konkrete Umsetzung. Sparkasse Bayreuth auf den Bussen ist für mich wie Cola-Werbung auf der Frauenkirche.“

Gillo hatte kürzlich ein Bild mit der umstrittenen Installation des syrischstämmigen Künstlers Manaf Halbouni auf Facebook gestellt und mit dem Kommentar „Sparkasse Bayreuth? Hat es für die Originale aus Aleppo nicht gereicht?“ versehen (http://www.sachsen-depesche.de/politik/ex-ausländerbeauftragter-martin-gillo-cdu-setzt-verstörenden-post-auf-facebook-ab.html). Damit nahm er Bezug auf eine Werbeaufschrift, die an den Bussen angebracht ist. Das Kunstobjekt ist einer Straßensperre im umkämpften Aleppo nachempfunden, Halbouni nutzte allerdings nicht die Originale, sondern schrottreife Busse aus Deutschland.

Ebenfalls auf Unverständnis stieß ein Post Gillos, der vor dem Foto mit den Bussen eingestellt worden war. Der Ex-Ausländerbeauftragte, der aufgrund seiner politischen Vita über jeglichen Verdacht der Sympathie mit rechten Kreisen erhaben ist, hatte ein Video von der Facebook-Seite des Schweizer Rechtspopulisten Ignaz Bearth geteilt. Dabei handelte es sich um den Mitschnitt einer Diskussion über den Syrien-Krieg.

Hierzu teilte Gillo mit: „Ein Weg, die Extremisten zu schwächen, ist es, da, wo sie Recht haben, ihnen auch Recht zu geben. Wir würden den Kurden in Syrien gerne helfen, nach 100 Jahren von Kolonialherren begonnener Unterdrückung die Chance zu nutzen, eine eigene Provinz aufzubauen. Jetzt oder nie. Aber wir können keine Spendengelder dorthin überweisen, weil das politisch verhindert wird. Macht es wirklich Sinn – natürlich in bester Absicht –, die Menschen dort auf diese Weise auch finanziell zu verelenden? Gut gemeint ist manchmal das Gegenteil von gut gemacht.“

Dass die angesprochenen Posts inzwischen wieder von seiner Seite verschwunden sind, geht offenbar nicht auf Gillos eigene Initiative zurück. „Wenn etwas aus FB entfernt wurde, dann haben das wohl andere in guter Absicht getan“, so der frühere Ausländerbeauftragte gegenüber SACHSEN DEPESCHE.

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