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Der konservative Journalist Klaus Kelle lud ein

Erste „Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“ in Kleve

Sonntag, 30 Oktober 2016 04:55
Der Journalist und Buchautor Klaus Kelle Der Journalist und Buchautor Klaus Kelle Quelle: www.denken-erwuenscht.com | Klaus Kelle

Kleve – Der Journalist und Buchautor Klaus Kelle lud ein – und viele kamen. 130 Personen, hauptsächlich Facebook-Freunde und Leser des Blogs www.denken-erwuenscht.com fanden sich am Samstag, den 22. Oktober, im niederrheinischen Kleve ein. Aus der ganzen Republik, von der nordöstlichsten Ecke in Mecklenburg-Vorpommern bis zum tiefsten Bayern, waren die Teilnehmer zu dieser interessanten Veranstaltung angereist.

Die Veranstaltung mit dem Titel „Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“ wurde von Klaus Kelle angesetzt, um viele Gesichter, die er sonst nur aus dem Internet kannte, auch mal persönlich begrüßen zu können. Gespickt war der Tag mit einem 5-stündigen Programm. Referenten zu unterschiedlichsten Themen wurden eingeladen und trugen ihre Thesen vor, um sich anschließend einer ausgiebigen Diskussion zu stellen.

Den Anfang machte die Kommunikationsexpertin Emitis Pohl. Die gebürtige Iranerin, die als 13-jährige allein aus dem Iran geflohen war, ist eine erfolgreiche Buchautorin und hat die Silvesternacht von Köln hautnah miterlebt. Sie erzählte von ihrer Flucht aus dem iranischen Gottesstaat und schilderte, wie sie als „Kopftuchmädchen“ in Deutschland angekommen war – und wie sie überhaupt erst dazu geworden ist. Bildhaft erläuterte Sie, wie Sie zu ihrer Lehrerin der staatlichen Schule aufblickte, diese aber sehr konservativ geprägt war. Außerdem berichtete sie von den Ereignissen auf der Domplatte während der diesjährigen Silvesternacht und beschrieb den Schock, den auch ihr aus dem Iran angereister Vater erlebt hatte. Nicht zuletzt erzählte sie auch von ihrem Alltag, nachdem sie einen afghanischen Flüchtlingsjungen aufgenommen hatte und sich regelmäßig über die deutsche Bürokratie ärgerte, die sie als echtes Integrationshindernis ansieht.

Nach einer kurzen Pause, in der man sich ausgiebig mit Getränken und Gebäck stärken konnte, ging es auf der – sehr konservativ gestalteten – Bühne weiter. Auf der Bühne war eine grüne, an Loriot erinnernde Couch aufgestellt und ein großes Gemälde mit einem röhrenden Hirsch aufgehängt, während auf dem daneben aufgebauten Flügel ein Klavierspieler behände sein Können zum Besten gab. Nun wurde der ehemalige „Spiegel“-Kolumnist Matthias Matussek zugeschaltet. Er verweilt gerade auf den Malediven, um seine Silberhochzeit gebührend zu feiern. Matussek referierte ausgiebig über den Stellenwert der Religion in der heutigen Gesellschaft und kritisierte das mangelnde Selbstbewusstsein des Christentums gegenüber dem Islam. Ihm seien aber religiöse Muslime näher als Atheisten, so der bekannte Journalist und Buchautor. Sein humorvoll vorgetragener Beitrag wurde abgerundet mit einem bemerkenswerten Satz. Der frühere Marxist Matussek stellte fest: Früher sei die Linke in Deutschland federführend in der intellektuellen Debatte gewesen, heute sei ihr das bürgerliche Lager weit voraus. Mit diesem Satz erntete er großen Applaus vom Publikum.

Das nächste Referat wurde von Birgit Kelle, Journalistin, Buchautorin („Gender-Gaga“), gern gesehener Gast in Deutschlands politischen Talkshows und ihres Zeichens Ehefrau des Gastgebers, gehalten. Es gab die neuesten Informationen zu ihren Leib- und Magen-Themen Gender Mainstreaming, Gleichstellung und mangelnde Durchsetzung konservativer Kräfte. Sehr bildhaft stellte sie die Entwicklung dar und zeichnete ein düsteres Bild von der Zukunft. Zugleich merkte sie an, dass man den Lauten das Terrain nicht überlassen dürfe. Jeder sei überrascht, welchen Rückhalt er genieße, wenn er sich aus der Ecke traut und sich gegen diese Entwicklung stellt.

Zu guter Letzt kam noch Wilfried Albishausen zu Wort. Er ist Ehrenvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und kritisierte die Politik, die, unabhängig davon, welche Regierung gerade an der Macht ist, immer bei der Polizei spart. Auch die sogenannte „Kuscheljustiz“ sei ihm ein Dorn im Auge, da sie Probleme erzeuge, anstatt sie zu lösen. Nachfragen über einen möglichen „Herkunftsbonus“ bei Tätern mit Migrationshintergrund konnte er überzeugend verneinen. In der Handlungsweise der Polizei seien alle gleich.

Man kann sich gut vorstellen, dass es bei solchen Themen nicht an Diskussionsbeiträgen gemangelt hat. In den Debatten hat man gemerkt, auf welch hohem Niveau die Diskutanten, die sich hauptsächlich aus Sympathisanten und Mitgliedern von CDU, FDP und AfD zusammensetzten, sich bewegten. Nach einer kurzen Abstimmung zu einer möglichen Wiederholung stand schnell fest: die Veranstaltung kam bei allen Teilnehmern gut an, war sehr gelungen und findet sicher im nächsten Jahr wieder statt. Nach dem offiziellen Teil ging es noch hinüber in ein alteingesessenes Lokal mit dem Charme der 1960er Jahre, wo man bei Bier und deutscher Hausmannskost fleißig weiter diskutierte.

Erfreulicherweise bleibt festzustellen: Das bürgerliche Lager ist nicht auf dem absteigenden Ast. Es gibt zwar immer wieder Differenzen, aber bei der Suche des gemeinsamen Nenners sind sich alle Teilnehmer schnell einig: Das Interesse an Politik, Philosophie, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft jenseits von ideologischen Dogmen. Der Autor dieser Zeilen hat ähnliche Veranstaltungen auch schon im sogenannten linken Lager erlebt. Die endeten aber selten so friedlich.

Letzte Änderung am Sonntag, 30 Oktober 2016 17:25
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