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Neuer Leiter des Hauptstadtbüros von AfD-Parteichefin Frauke Petry

Ehemaliger Zastrow-Büroleiter Oliver Lang wechselt von der FDP zur AfD

Samstag, 04 Februar 2017 16:00
Vom Zastrow- zum Petry-Büroleiter: Oliver Lang (AfD) Vom Zastrow- zum Petry-Büroleiter: Oliver Lang (AfD) Quelle: Oliver Lang (Facebook)

Pirna – Paukenschlag in Pirna: Oliver Lang, der langjährige Büroleiter von FDP-Landeschef Holger Zastrow, hat die Seiten gewechselt. Wie jetzt bekannt wurde, arbeitet der frühere FDP-Landtagsmitarbeiter bereits seit dem 1. Februar 2017 für das Berliner Hauptstadtbüro von AfD-Chefin Frauke Petry. Ein weiterer Repräsentant des nationalliberalen Parteiflügels hat damit die Segel gestrichen.

Zuletzt engagierte sich Lang schon für den unabhängigen Pirnaer OB-Kandidaten Tim Lochner, der sich unter anderem gegen die Beflaggung des Rathauses beim alljährlichen Christopher-Street-Day mit der Regenbogenfahne wandte und im Fernsehen mit asylkritischen Äußerungen auftrat. Lochner, zuvor CDU-Mitglied, konnte rund ein Drittel der Wählerstimmen auf sich vereinigen, unterlag aber dem parteilosen Amtsinhaber Klaus-Peter Hanke, der auf 60,5 Prozent kam, im ersten Wahlgang. Die Unionskandidatin Ina Hütter wurde mit 6,6 Prozent regelrecht deklassiert.

Offenbar entfaltet die aufstrebende Partei um Frauke Petry vor allem in Sachsen eine unheimliche Sogwirkung auf enttäuschte Repräsentanten der bürgerlichen Parteien. Nach dem spektakulären Übertritt des Dresdner Rechtsanwalts Maximilian Krah von der CDU zur AfD gehen nun auch konservative FDPler zunehmend von der Fahne. Im Erzgebirge löste sich jetzt ein ganzer Ortsverband auf, der Fortgang eines Zastrow-Vertrauten wie Lang zur AfD hat eine noch viel größere Signalwirkung.

Der Pirnaer Oliver Lang engagierte sich nach der Wende zunächst für die CDU. In den 1990er Jahren war er persönlicher Referent des früheren sächsischen Innenministers Heinz Eggert (CDU), wechselte später zur FDP und wurde nach dem Einzug der Liberalen in den Sächsischen Landtag im Jahr 2009 stellvertretender Geschäftsführer der Parlamentsfraktion und Büroleiter des damaligen Fraktionsvorsitzenden Holger Zastrow. Zuletzt trat Lang als FDP-Mitglied kaum noch in Erscheinung. Stattdessen rührte er für OB-Kandidat Lochner die Werbetrommel.

Hintergrund des Weggangs von Lang dürften nicht zuletzt die schwelenden Richtungskämpfe bei den sächsischen Liberalen sein. Seit der Wende war die sächsische FDP auf bürgerlich-konservativem, teils stramm nationalliberalem Kurs. Nun wittern Links- und Wirtschaftsliberale Morgenluft. Verschiedene Vorkommnisse deuten darauf hin, dass man Zastrow über kurz oder lang stürzen will. Als sicher gilt, dass dieser, wie er einmal sagte, „erhebliche“ Konsequenzen daraus ziehen würde, sollte er am 4. März nicht auf einen aussichtsreichen Listenplatz zur Bundestagswahl gewählt werden. In seinem Heimatverband Dresden unterlag er schon bei der Aufstellung als Direktkandidat – ein ungeheurer Affront gegen das mitteldeutsche FDP-Urgestein.

Nach der Klatsche erfuhr SACHSEN DEPESCHE aus Dresdner FDP-Kreisen, dass einige Parteifreunde davon ausgehen, dass Zastrow nicht nur einen Rücktritt vom Landesvorsitz erwägt, sondern sogar einen Austritt aus der FDP. Da der Dresdner „schon immer mit rechtspopulistischen Positionen geliebäugelt“ habe, so ein FDP-Mitglied, halte man sogar einen Übertritt zur AfD für nicht ausgeschlossen. Der ehemalige Zastrow-Büroleiter Oliver Lang ist diesen Weg jetzt gegangen. Möglicherweise wird ihm sein früherer Chef bald folgen.

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