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Kurz vor Erscheinen des Abrechnungsbuchs „Irrtum NPD“

Ehefrau von Ex-NPD-Chef Holger Apfel im Aussteigerprogramm für Neonazis

Freitag, 03 März 2017 02:57
Holger Apfel Holger Apfel

Riesa – Die Noch-Ehefrau des früheren NPD-Parteivorsitzenden Holger Apfel befindet sich nach einem Bericht der „Leipziger Volkszeitung“ im sächsischen Aussteigerprogramm für Neonazis, das vom Verfassungsschutz begleitet wird. Jasmin Apfel habe mit der rechtsextremen Szene gebrochen und möchte wieder „ein normales Leben“ führen, heißt es in dem Bericht. Inzwischen trinke sie mit ihren syrischen Nachbarn Kaffee und gebe ihnen Nachhilfe in Deutsch. Ihr Ausstiegsbetreuer wird in dem Artikel mit den Worten zitiert: „Wir haben eine Palette von Indikatoren, um zu prüfen, ob es jemand ernst meint. An Jasmin glauben wir ganz fest. Garantien gibt es aber nie.“

Die langjährige Funktionärin des „Rings Nationaler Frauen“ will sich von ihrem Ehemann, der auf der Urlaubsinsel Mallorca lebt und dort die Kneipe „Maravillas Stube“ betreibt, trennen. „Ich will nichts mehr mit ihm und seiner Gesinnung, die sich wahrscheinlich nie wandeln wird, zu tun haben“, so die 33-Jährige. Jasmin Apfel und ihr Noch-Gatte haben drei gemeinsame Kinder (10, 8 und 2 Jahre), einen Sohn (14) brachte die junge Frau, die zeitweise in einem Jugendlichen-Obachlosenheim in Hannover lebte, mit in die Ehe. Anders als andere Aussteiger will Jasmin Apfel nicht umziehen, sondern mit ihren Kindern in Riesa wohnen bleiben. Dahin verschlug es die Apfels, als ihr Mann noch kein Landtagsabgeordneter war, sondern vor Ort den parteieigenen Deutsche-Stimme-Verlag leitete.

Die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet, dass die blonde Aussteigerin ihren späteren Mann bei einem Kongress der Jungen Nationaldemokraten (JN) kennengelernt und zu ihm aufgeblickt habe. „Er hat mich einfach umgehauen: so intelligent, so weltmännisch“, wird Jasmin Apfel in dem Bericht zitiert. Später – Apfel war mit seiner Partei mittlerweile in den Sächsischen Landtag eingezogen – heiratete sie ihn.

Ehemalige politische Weggefährten des früheren NPD-Chefs, der von 2004 bis 2013 auch Vorsitzender der Landtagsfraktion war, sahen darin immer auch so etwas wie eine Vorzeige-Ehe, die der politischen Vermarktung diente. Tatsächlich soll es oft gekriselt haben, verschiedene Trennungen und Versöhnungen folgten. Selbst als ihr Mann im Dezember 2013 wegen eines bis heute ungeklärten Falls von angeblicher sexueller Belästigung eines jungen „Kameraden“ als Vorsitzender der Bundespartei und der Landtagsfraktion zurück- und kurze Zeit später aus der NPD austrat, hielt seine Frau noch einmal zu ihm. Auf dem Schild an der Kneipe in Palma de Mallorca steht bis heute „Bei Jasmin & Holger“.

Auch Holger Apfel erklärte später, mit seiner Vergangenheit gebrochen zu haben – ohne sich jedoch in ein offizielles Aussteigerprogramm zu begeben. In seinem Lokal seien „Linke und Menschen anderer Nationalitäten“ ausdrücklich willkommen. „Ich bin fertig mit der Politik“, zitierte ihn seinerzeit „Spiegel online“.

Mitte April (ursprünglich war Mitte März geplant) erscheint im Gerhard Hess Verlag Apfels Abrechnung mit seiner früheren Partei in Buchform: „Irrtum NPD“. Laut Vorankündigung beschreibt der ehemalige Parteichef darin unter anderem, woran seine Versuchen, die NPD zu reformieren und zu einer modernen rechtspopulistischen Partei á la FPÖ oder Front National umzubauen, letztendlich scheiterten.

Inzwischen sieht Apfel die Partei als unreformierbar an. Gelegentlichen Facebook-Posts zufolge liegen seine Sympathien inzwischen beim Petry-Lager der AfD. Obwohl er früher selbst gerne mit geschichtspolitischen Provokationen für Wirbel sorgte, erscheint ihm die Höcke-Linie offenbar als unbrauchbar. Wenigstens hier hat der einstige NPD-Chef, der zeitweise der zweitbekannteste Politiker in Sachsen war, dazugelernt. Seiner Noch-Frau geht das offenbar nicht weit genug.

Letzte Änderung am Freitag, 03 März 2017 03:16
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