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In der sächsischen CDU mehren sich die Abschussbefürworter

Der Wolf in Sachsen: Ökologischer Gewinn oder Gefahr für Tierhalter?

Sonntag, 20 November 2016 18:14

Dresden – Führende Politiker der sächsischen Union haben sich für eine Abschussgenehmigung für Wölfe in bestimmten Fällen ausgesprochen. Wie der CDU-Landtagsabgeordnete Jan Hippold Anfang dieser Woche nach einem Treffen von CDU- und CSU-Umweltpolitikern erklärte, plädiere er dafür, dass solche Wölfe abgeschossen werden dürfen, „die ein atypisches Verhalten aufweisen oder sich innerhalb eingezäunter Weiden befinden“.

In einer gemeinsam verabschiedeten Resolution kritisieren die Unionspolitiker indirekt auch Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU). Er hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass aufgrund der Artenschutzbestimmungen zunächst alle Schutzmaßnahmen wie das Anbringen von Flatterbändern ausgeschöpft werden müssten, bevor ein Tier erschossen wird.

Derzeit gibt es 46 nachgewiesene Wolfsrudel in Deutschland. Auch in Sachsen gibt es seit dem Jahr 2000 wieder einige Populationen. Als Rückzugsraum bevorzugen die Wölfe kleinere oder größere Waldstücke. Die vorwiegend nachtaktiven Tiere jagen größeres Wild, etwa Rehe, Rothirsche, Wildschweine, reißen aber vermehrt auch Nutzvieh wie Schafe. Töteten Wölfe vor zehn Jahren noch etwa 40 Tiere pro Jahr, stieg die Zahl in diesem Jahr schon auf rund 190. Zuletzt sorgte ein Wolf in Cunnewitz bei Kamenz für Ärger. Dort riss das Tier in einer umzäunten Herde gleich dreimal Schafe.

Während Naturschutzverbände verärgert auf Lippolds Äußerungen reagierten, unterstützt der Landesbauernverband die Forderung nach Wolfsabschüssen. Präsident Wolfgang Vogel sprach von „massiven Übergriffen“ der Wölfe auf Schafsherden. Er befürchtet, dass sich wegen der zunehmenden Risse immer mehr Schäfer und Landwirte von ihren Tieren trennen. „Der damit auch einhergehende Verlust an Traditionen im ländlichen Raum und ökologischer Landschaftspflege wird unwiederbringlich sein“, so der Chef des sächsischen Bauernverbandes.

Tierhalter rufen nun zum Protest gegen die Ausbreitung der Wölfe in der Oberlausitz auf. Eine entsprechende Kundgebung soll am kommenden Dienstag, 22. November, ab 13 Uhr am Kornmarkt in Bautzen stattfinden. Die Aktion richte sich gegen das Wolfsmanagement in Deutschland, vor allem in Sachsen, betonen die Veranstalter und fordern „das Recht auf freie, ökologische Weidehaltung“. Das Raubtier Wolf dürfe nicht länger schöngeredet und verharmlost werden. „Wir fordern eine Herabsetzung des Schutzstatus der Wölfe“, heißt es im Gleichklang mit der Forderung des CDU-Politikers Lippold in dem Kundgebungsaufruf der Tierhalter.

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