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JuliA will „portugiesisches Modell“

Crystal: Sächsische FDP-Jugend fordert Entkriminalisierung des Drogenkonsums

Mittwoch, 29 Juni 2016 15:45
Crystal Meth Crystal Meth

Dresden – Durch die gemeinsame Grenze mit Tschechien ist Sachsen in besonderem Maße von der Ausbreitung der synthetischen Droge Crystal Meth betroffen. Die Billigdroge, die bei den Abhängigen in kürzester Zeit zu einem dramatischen psychischen und physischen Verfall führt, wird größtenteils in tschechischen Hinterhöfen hergestellt und anschließend, vor allem auf Asia-Märkten in Grenznähe, an Dealer und Süchtige verkauft.

Der Konsum von Crystal hat in Sachsen in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Doch nicht Erwachsene fallen dem heimtückischen Rauschgift zum Opfer, auch die Zahl der von Crystal geschädigten Föten und Neugeborenen ist in seit 2007 dramatisch gestiegen – im Regierungsbezirk Chemnitz um knapp 400 Prozent, im Regierungsbezirk Leipzig um 800 Prozent und im Regierungsbezirk Dresden sogar um 1.000 Prozent. Allein in den vergangenen drei Jahren hat es bei landesweit ungefähr 35.000 Geburten pro Jahr jeweils zwischen 160 und 180 betroffene Kinder von süchtigen Müttern gegeben. Hinzu kommt eine Dunkelziffer, bei der nach Ansicht von Experten noch einmal 50 Prozent draufgeschlagen werden müsse.

Während angesichts dieser Zahlen der Ruf nach verstärkten Grenzkontrollen und härteren Strafen für Drogendealer immer lauter wird, will die Jungliberale Aktion (JuliA) einen genau entgegengesetzten Weg beschreiten und setzt sich für die Entkriminalisierung von Drogen ein. Wie der Vorsitzende der sächsischen FDP-Jugend, Philipp Hartewig, erklärte, halte er es trotz der Tatsache, dass die Zahl der Crystal-Abhängigen nirgendwo so hoch wie im Freistaat ist, für falsch, „den Konsum von Drogen als Verbrechen anzusehen“. Deutschland sollte sich vielmehr „ein Beispiel an Portugal nehmen und eine Entkriminalisierung aller Drogen ermöglichen”, so der JuliA-Chef.

Portugal hat seine Drogenpolitik vor 15 Jahren liberalisiert. Der Besitz von Drogen für den Eigenbedarf ist dort keine Straftat mehr. Solange die zulässigen Höchstmengen nicht überschritten werden, handelt es sich lediglich um eine Ordnungswidrigkeit.

Hartewig dazu weiter: „Das portugiesische Modell zeigt Erfolge, was man an sinkenden Konsumentenraten unter Jugendlichen sehen kann. Außerdem ist die drogenassoziierte HIV-Neuinfektionsrate deutlich gesunken. Für Portugals Drogensüchtige ist das Gesundheitsministerium zuständig. Drogensüchtige gelten als krank, nicht als kriminell. Reformen bei Deutschlands Drogenpolitik könnten in Sachsen schnell positive Wirkungen zeigen.“

Eine Entkriminalisierung von Drogen würde nach Ansicht Hartewigs außerdem die Justiz entlasten, wodurch „dringend benötigte Kapazitäten in der Justiz geschaffen und Gelder eingespart“ werden könnten. Diese Gelder sollte man dann nach den Vorstellungen der JuliA gezielt für Präventionsmaßnahmen verwenden.

In einer liberalen Drogenpolitik sieht die Jugendorganisation der FDP Sachsen schließlich auch die richtige Antwort auf die zunehmenden Neugeburten mit Crystal-Schäden. „Wir glauben, dass die Frauen Angst vor rechtlichen Konsequenzen und Stigmatisierung haben. Eine Entkriminalisierung von Drogen würde nicht nur den Müttern helfen, sondern auch das ungeborene Kind schützen”, so JuliA-Chef Hartewig, der zur Strafwürdigkeit des Vertriebs von Drogen leider kein Wort verlor – und sich insofern fragen lassen muss, wieso es dem Schutz von Neugeborenen und Kindern dienen soll, wenn ihre Mütter noch leichter als bisher an Crystal Meth kommen.

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