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Große Defizite bei Integration ausländischer Schüler

Bildungsmonitor 2016: Sachsen hat das leistungsfähigste Bildungssystem aller Bundesländer

Mittwoch, 24 August 2016 01:14

Berlin/Dresden – Sachsen hat beim Bildungsmonitor 2016 die Nase vorn. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass sämtliche Bundesländer in diesem Jahr erstmals keinerlei Fortschritte im Vergleich zum Vorjahr gemacht haben. „Zum ersten Mal in 13 Jahren Bildungsmonitor haben die Länder im Durchschnitt keine Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr erreicht. Vor allem bei der Integration ausländischer Schüler gibt es sogar Rückschritte – so ist die Schulabbrecherquote unter Ausländern innerhalb eines Jahres von 10,7 auf 11,9 Prozent gestiegen.", so Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), in deren Auftrag das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) die Vergleichsstudie jedes Jahr erstellt.

Die leistungsfähigsten Bildungssysteme haben laut Bildungsmonitor 2016 neben Sachsen die Bundesländer Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, zeigen sich deutliche Unterschiede im Ländervergleich. So konnten im Vergleich zu 2013 das Saarland (+9,2 Punkte) und Hamburg (+7,0 Punkte) deutlich zulegen, während Schleswig-Holstein (-0,2 Punkte) sogar leicht zurückfällt und Sachsen (+0,3 Punkte) sowie Baden-Württemberg (+0,3 Punkte) nur geringfügig zulegen können.

Trotz einer Reihe von Stärken gibt es auch bei den Spitzenreitern weiterhin dringenden Handlungsbedarf. So erreicht Sachsen zwar Top-Werte bei der Forschungsorientierung, der Förderinfrastruktur und der Schulqualität, hat muss aber seit einigen Jahren einen deutlichen Zuwachs an Schulabbrechern mit Migrationshintergrund verzeichnen.

In Thüringen sind zwar die Bildungsausgaben je Schüler hoch und die Betreuungsbedingungen sehr gut, hat aber gleichzeitig einen sehr hohen Anteil älterer Lehrer, die in den kommenden Jahren nur schwer ersetzt werden können, wenn sich an der Situation nicht grundlegend etwas ändert. Bayern ist Spitze bei der beruflichen Bildung, bei der Vermeidung von Bildungsarmut und dem effizienten Mitteleinsatz im Bildungssystem, hat aber ebenso wie Baden-Württemberg weiterhin Nachholbedarf beim Ausbau von Ganztagsplätzen. Hamburg wiederum ist führend bei der internationalen Ausrichtung des Bildungssystems, ein hoher Anteil der Schüler erreicht aber nicht die Mindestanforderungen beim Lesen oder der Mathematik.

Studienleiter Professor Axel Plünnecke erklärte dazu: „Die Länder müssen der Bildung in den öffentlichen Haushalten einen höheren Stellenwert einräumen. Im Jahr 2017 werden allein rund 98.500 zusätzliche Kita-Plätze für die Flüchtlingskinder benötigt. Dazu braucht es Lehrkräfte für rund 200.000 zusätzliche Schulkinder und einen Ausbau der Berufsvorbereitung. Im Jahr 2017 bedeutet dies zusätzliche Bildungsausgaben des Staates in Höhe von 3,5 Milliarden Euro.“

Die Ausbildung von Migranten sei für den deutschen Staat zwar sehr teuer, so Plünnecke weiter. „Fiskalisch kann sie sich aber lohnen, wie die Flüchtlinge dazu beitragen können, künftige Fachkräfteengpässe zu vermindern – und humanitär ist sie ohnehin geboten.“ Durch den Zuzug von Migranten gerate der demografische Druck jetzt zu einem „Qualifizierungsdruck“.

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