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Auch in Leipzig wurde gestreikt

Arbeitskampf bei Amazon: Konzern zeigt sich im Weihnachtsgeschäft gelassen

Montag, 30 November 2015 19:36
Logo von Amazon Logo von Amazon Quelle: pixabay.com

München/Leipzig – Bundesweit streikten in der letzter Woche erneut 1.700 Mitarbeiter des Versandriesen Amazon an den Standorten in Leipzig (Sachsen), Rheinberg, Werne (beide Nordrhein-Westfalen), Bad Hersfeld (Hessen) und Koblenz (Rheinland-Pfalz). Hintergrund der nun schon zwei Jahre andauernden Auseinandersetzungen zwischen der Konzernspitze und den Arbeitnehmervertretern sind unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der Tarif-Einstufung.

Während die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di dafür sorgen will, dass Amazon seine Mitarbeiter bundesweit nach den Tarifbestimmungen von Einzel- und Versandhändlern bezahlt, beharrt das Unternehmen darauf, die Arbeitnehmer nach den geringeren Tarifen der Logistikbranche zu entlohnen. Die Angestellten werden momentan je nach Standort unterschiedlich bezahlt. Außerdem schwanken je nach Niederlassung die Höhe von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die wöchentliche Arbeitszeit.

Für ver.di sind im jetzt anlaufenden Weihnachtsgeschäft durchaus weitere Arbeitskampfmaßnahmen denkbar, Genaueres werde jedoch noch nicht bekanntgegeben. „Wir lassen offen, wann wir streiken, damit Amazon nicht so gut planen kann“, erklärte dazu Verdi-Sprecher Jörg Lauenroth-Mago. Im letzten Jahr reagierte das Internet-Versandhaus mit Hauptsitz in Seattle (USA) und Deutschland-Zentrale in München auf die Arbeitsniederlegungen in der Vorweihnachtszeit mit der kurzfristigen Einstellung von Ersatzarbeitskräften, die Zeitverträge für wenige Monate erhielten.

Trotz der geänderten ver.di-Strategie hätten weitere mögliche Streiks „keinerlei Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens“, versicherte Amazon Deutschland. Ohnehin sei nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter in der Gewerkschaft organisiert. Der Großteil der über 10.000 Angestellten sei seiner Arbeit in der vergangenen Woche regulär nachgegangen. Auch in diesem Jahr würden zudem Saisonarbeitskräfte eingestellt. „Wir beweisen jeden Tag aufs Neue, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann“, so Amazon trotzig.

Ver.di findet hingegen gerade diese Verfahrensweise besonders unfair und wirft dem Unternehmen vor, die saisonalen Arbeitskräfte als Streikbrecher einzusetzen. „Kein tarifliches Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, und 2016 wird sogar noch ein Urlaubstag gestrichen – mit fairem, wertschätzendem Umgang mit den Beschäftigten hat dies nichts zu tun“, kritisierte ver.di-Sprecher Lauenroth-Mago. Amazon ist vor Otto und Zalando der größte Online-Händler in Deutschland. Das Unternehmen selbst rechnet mit Rekordumsätzen für das laufende Weihnachtsgeschäft.

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