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Chef der AfD Sachsen-Anhalt kritisiert seine Fraktionskollegen Olenicak und Tillschneider

André Poggenburg (AfD) kann sich Jerome Boateng als Innenminister vorstellen

Mittwoch, 06 Juli 2016 18:32
André Poggenburg (AfD) André Poggenburg (AfD) Quelle: Landtag von Sachsen-Anhalt

Magdeburg – Der AfD-Chef von Sachsen-Anhalt und designierte Landtagsvizepräsident André Poggenburg hat jeglichem Rassismus im Zusammenhang mit dem Migrationshintergrund deutscher Fußball-Nationalspieler eine klare Absage erteilt. Angesprochen auf Spieler wie Jerome Boateng, Mesut Özil oder Shkodran Mustafi erklärte Poggenburg gegenüber der Magdeburger „Volksstimme“: „Die AfD hat überhaupt kein Problem damit, wenn diese Sportler für uns spielen. Es kommt auf den sportlichen Erfolg an.“

Der AfD-Politiker ging sogar noch weiter und erklärte, er halte es für „durchaus möglich“, dass eine Landes- oder Bundesregierung in zehn Jahren so bunt aussehe wie die heutige DFB-Auswahl. Selbst einen Innenminister Boateng könne er sich vorstellen, wenn dieser sich „für das deutsche Volk einsetzt“. Seine Partei wende sich gegen „Massenzuwanderung“, durch die eine „Verschiebung in der inneren Sicherheit“ stattfinde. „Das hat aber mit dem Sport nichts zu tun. Wir haben ja auch nichts gegen den Griechen, der hier seit 20 Jahren sein Restaurant hat“, so Poggenburg im Interview mit der „Volksstimme“.

Zugleich distanzierte sich Poggenburg, der auch dem AfD-Bundesvorstand angehört, von der Aussage seines Fraktionskollegen Volker Olenicak, der Bundeskanzlerin Merkel bei Facebook als „zionistische Agentin“ bezeichnet hatte. „Ich finde das nicht angebracht und würde das selbst so nicht sagen“, erklärte der Politiker, der dem rechten Flügel seiner Partei zugeordnet wird. Olenicak habe „sich vielleicht ein bisschen weit hinausgelehnt“.

Kritik übte Poggenburg auch an seinem Fraktionskollegen Hans-Thomas Tillschneider. Dieser hatte für einen Schulterschluss der AfD mit der aktionistisch orientierten Identitären Bewegung geworben. „Bei der Identitären Bewegung gibt es Leute, die sich ähnlich wie wir beispielsweise gegen Masseneinwanderung einsetzen. Es gibt aber einzelne lokale Gruppen, bei denen die Abgrenzung nach Rechtsaußen nicht erfolgt. Deshalb ist die Identitäre Bewegung für uns insgesamt als Bündnispartner nicht tragbar“, stellte Poggenburg klar.

Tillschneider habe sich dazu zwar nur in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Patriotischen Plattform geäußert, „das geht aber so nicht mehr“. Sollte sich der aus Sachsen nach Sachsen-Anhalt zugezogene Islamwissenschaftler künftig nur als Chef der Patriotischen Plattform äußern wollen, „müsste er den Sitz im Landesvorstand und das Landtagsmandat abgeben“, so Poggenburg.

Gegen Poggenburg war vor wenigen Wochen seitens mehrerer AfD-Kreisvorsitzender aus Sachsen-Anhalt der Vorwurf erhoben worden, er grenze sich nicht stark genug nach Rechtsaußen ab. Der Politiker trat daraufhin von seinem Amt als Landtagsfraktionschef zurück und wurde für das Amt des Landtagsvizepräsidenten nominiert. In dieser Position gilt politische Mäßigung als Pflicht. Einige AfD-Mitglieder kritisierten daraufhin, dass Poggenburg ins Landtagspräsidium weggelobt werden solle, um einen bekannten Wortführer des rechten Flügels mundtot zu machen.

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