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Das Stuttgarter Kasperletheater

AfD zerlegt sich: Jörg Meuthen, Marc Jongen und Frauke Petry in der Affäre Dr. Gedeon beschädigt

Mittwoch, 06 Juli 2016 15:59
Der Landtagsabgeordnete Dr. Wolfgang Gedeon Der Landtagsabgeordnete Dr. Wolfgang Gedeon Quelle: PED Institut, Josef Mühlbauer

Stuttgart - Der selbsternannte Religionsphilosoph Dr. Wolfgang Gedeon scheint mit seinen Ansichten im Machtkampf innerhalb der AfD zwischen Jörg Meuthen und Frauke Petry eher eine Randfigur zu spielen. Das bestätigt seine eigene Einlassung auf seinem Blog, im Beitrag über seinen Parteikollegen Marc Jongen „Nun sag, Marc Jongen, wie hast du’s mit dem Opportunismus?“

Auch Marc Jongen muss der Antisemitismus Vorwurf schon seit langem bekannt gewesen sein, wenn Dr. Gedeon zu einem Artikel des Parteikollegen in der Jungen Freiheit (gedruckt in Nr. 26/16 vom 24. Juni 2016) schreibt: „Das Besondere an Jongen in dieser Sache ist, dass er tatsächlich Vieles von mir gelesen hat und ich mit ihm darüber schon mehrere, auch längere Diskussionen geführt habe. In all diesen Gesprächen hat er mir aber nicht annähernd die Kritik vorgetragen, mit der er jetzt daher kommt, und schon gar nicht war irgendwo von „irrationaler Judenfeindschaft“ die Rede!“  

Wenn Dr. Gedeon Marc Jongen und Jörg Meuthen „Opportunismus" vorwirft, mag das durchaus verständlich sein. Denn Dr. Gedeon beklagt sich dahingehend : „Bemerkenswert ist noch die Tatsache, dass Jongen im Landesvorstand mitverantwortlich zeichnete für die Bestätigung der Landtagskandidaten-Liste und auch hierbei mit keinem Wort vor meiner „irrationalen Judenfeindschaft“ gewarnt hatte, was doch seine „Pflicht“ gewesen wäre!“  Dr. Gedeon erwähnt weiterhin, das sich Marc Jongen bei Jörg Meuthen nur „Liebkind machen will“ und in den Bundestag einziehen will. 

Frauke Petry selbst ist noch nach Stuttgart gereist und hat offensichtlich in einem Vieraugengespräch Dr. Gedeon zum Austritt aus der Fraktion veranlasst. Noch am Dienstagabend sind Frauke Petry und Dr. Gedeon vor die Presse getreten und haben das „freiwillige“ Ausscheiden Dr. Gedeons, um eine Spaltung der Fraktion zu verhindern, verkündet. Offensichtlich konnte nur Frauke Petry Herrn Dr. Gedeon zum Austritt aus der Fraktion bewegen. 

Aber das eigentliche Problem der AfD ist damit nicht beseitigt. Das Verhalten der Akteure zeigt Dr. Gedeon sehr schön auf, wenn er schreibt, es wäre u.a. die Pflicht des Marc Jongen gewesen, ihn auf seine „irrationale Judenfeindschaft“ aufmerksam zu machen. Keiner hatte aus eigenen Machtgelüsten Einhalt geboten und klare  Kante gegen Antisemitismus gezeigt. Das Kasperletheater in Stuttgart lässt viele Fragen offen. Weder Jörg Meuthen noch Frauke Petry haben den Machtkampf gewonnen, aber an Glaubwürdigkeit verloren. 

Der Schaden für die AfD dürfte immens sein.

Letzte Änderung am Mittwoch, 06 Juli 2016 16:55
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