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Rechtspopulismus in Dresden

„Frieden im Orient!“ - bei PEGIDA auf dem Altmarkt

Donnerstag, 19 April 2018 17:29
PEGIDA-"Spaziergang" am 9. April in Dresden PEGIDA-"Spaziergang" am 9. April in Dresden Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 16. April 2018, ein verregneter Montagabend auf dem Altmarkt, 142. PEGIDA in der Landeshauptstadt. „Für Frieden und Völkerverständigung“ lautet das Motto, denn wenige Tage zuvor hatten die USA, England und Frankreich syrische Ziele mit Raketen beschossen. Nachdem die sächsische AfD die „Friedensdemonstration“ ebenfalls beworben hatte, stehen neben Taufkirch und Bachmann auch mehrere AfD-Parlamentarier auf dem Sprecherwagen: Andre Wendt (MdL), Karten Hilse (MdB) und Ulrich Oehme (MdB). Letzterer, ein 1960 in Bischofswerda geborener Diplomingenieur, ist Mitglied des Bundesvorstandes der Christen seiner Partei (ChrAfD) und des sächsischen Landesvorstandes. Erst im März war er mit einer Gruppe in den Irak gereist, um sich vor Ort ein Bild über die Lage der vom IS verfolgten Christen und Jesiden zu verschaffen.

 

Deren Situation sei „mehr als katastrophal“. Der frühere Diktator Saddam Hussein wäre den religiösen Gemeinschaften im Irak ein „Garant für Religionsfreiheit“ gewesen. Von zwei Millionen Christen, die bis 2003 im Lande lebten, seien nur noch 400 000 geblieben. Seit dem Irakkrieg litten die religiösen Minderheiten unter „Verfolgung, Mißhandlung bis hin zu Mord“, finde ein „Genozid“ statt. Verantwortlich seien die gleichen Staaten, die jetzt auch Syrien „in Schutt und Asche“ zu verwandeln suchen. Der Politiker habe sich mit hohen religiösen Führern der Jesiden, Katholiken und der Syrisch-Orthodoxen Kirche unterhalten. Auf die Frage nach Syriens Staatschef Assad äußerten besagte Kirchenvertreter: Ja, Assad sei ein Diktator - unter dem die Wirtschaft floriere, die meisten Menschen zufrieden seien, und alle ihre Religion ausüben könnten! Sollte Assad gestürzt werden, wären die Minderheiten jedoch „am Ende“. Syrien aber sei eine der Wiegen des Christentums. Hier gab es die ersten christlichen Gemeinschaften, stünden die ältesten Kirchen der Welt.

Deshalb möchte Oehme folgende „Forderungen“ aufmachen: 1. Die Durchführung des Militärschlages gegen Syrien sei in in keiner Weise angemessen oder gerechtfertigt. 2. Die Beteiligung deutscher Streitkräfte am Syrienkrieg werde konsequent abgelehnt und 3., ebenso jede indirekte Unterstützung von deutschem Boden aus. 4. Ein militärischer Konflikt zwischen Großmächten sei unbeherrschbar und gefährlich. 5. Alle in Syrien Beteiligten haben sich unverzüglich an den Verhandlungstisch zu begeben. 6. Von der Bundesregierung erwarte man militärische Neutralität im Nahen Osten und die Beendigung der Bundeswehr-Mandate im Orient. Die Pegidianer lauschen still und applaudieren zustimmend. Keine Parolen, kein Geschrei, keine Sprechchöre vor diesen ernsten Worten. Ohne Zweifel verkörpern die hier Versammelten eine tiefe Friedenssehnsucht, und vielleicht ist diese pazifistische Haltung in ihrem umfassenden Anspruch ehrlicher, als die Friedensrhethorik, das taktisch bestimmte Kalkül manch westlicher Regierung.

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