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„Das Grauen“ – Der liberale Publizist Ramin Peymani rechnet mit der politischen Klasse und den Medien ab

Samstag, 20 Mai 2017 16:07
„Das Grauen“ – Der liberale Publizist Ramin Peymani rechnet mit der politischen Klasse und den Medien ab Quelle: Juwelen-Verlag

Kelkheim – Den Leserinnen und Lesern der SACHSEN DEPESCHE sind die scharfzüngigen Kommentare von Ramin Peymani bekannt. Sie erfreuen sich bei der Leserschaft auch großer Beliebtheit, denn sie sind gegen den Strich gebürstet – soll heißen: sie packen Tabuthemen an, und das ohne Rücksicht auf „politisch korrekte“ Befindlichkeiten. Peymanis kritische Zwischenrufe sind nun auch in Buchform erschienen.

In „Das Grauen“, so der Titel, setzt sich der Autor auf fast 200 Seiten in mehr als 50 Beispielen mit Berufspolitikern auseinander, die durch ihr Verhalten der Demokratie Schaden zugefügt haben. Dabei zeigt er zeigt auf, wie manipulative Medien, die sich weitestgehend nicht mehr als Kontrollinstanz der Herrschenden verstehen, sondern als deren Verlautbarungs- und Unterstützungsorgane, daran arbeiten, der Gesellschaft spezielle ideologische Denkmuster aufzuzwingen.

Im Untertitel des Buches spricht Peymani von „Deutschlands gefährlicher Parallelgesellschaft“ und meint damit eben jene Politiker und Medien, die, vollkommen abgehoben und losgelöst von den Interessen des Volkes, ein Eigenleben entwickelt haben. Der Autor ist der Ansicht, dass Politik oftmals nicht zur Lösung der Probleme beiträgt, sondern selbst ein Problem darstellt.

Engagierter Publizist und Liberaler

Für jemanden, der sich selbst in einer etablierten Partei, in diesem Fall der FDP, engagiert, eine erstaunliche Erkenntnis, doch sein persönlicher Ansatz ist ein ganz anderer: Er will nicht dazugehören zu der Kaste jener, die, um einmal Max Weber zu bemühen, „Politik als Beruf“ betreiben, sondern engagiert sich rein ehrenamtlich, unter anderem auf Ebene des Kreistags, wo man noch um die Sorgen und Nöte der Bürger weiß. Ab der nächsten Ebene, also in den Landtagen, fängt für den Autor schon das Dilemma an.

Ramin Peymani wurde 1968 in Teheran geboren und kam als Kind mit seinen Eltern aus dem Iran nach Deutschland. Nach Abitur und Studium der Wirtschaftsinformatik an der European Business School in Oestrich-Winkel, das er mit einem Diplom abschloss, arbeitete er von 1992 bis 1997 in der Devisenbewertung und im „Cash Management“ bei der Citibank in Frankfurt am Main. Danach wechselte er zu Goldman Sachs, bis er schließlich von 2002 bis 2008 beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) beschäftigt war, zunächst als Leiter der Revision, danach als Büroleiter des damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger. Seit 2009 arbeitet Peymani, der im hessischen Kelkheim lebt, als freier Autor und Publizist.

Besonders intensiv beschäftigt sich der sportbegeisterte Hobbyfußballer mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Neben seiner publizistischen Arbeit ist er Abgeordneter der FDP-Fraktion im Kreistag des Main-Taunus-Kreises und Vorsitzender der dortigen Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker. Außerdem ist er Mitglied des Vorstands des Hayek-Clubs Frankfurt am Main. Darüber hinaus hält der Ex-Banker Fachvorträge zur Euro- und Staatsschuldenkrise sowie zum Thema „Unternehmerische Gesellschafts- und Sozialverantwortung“.

Themenkomplex Asyl und Zuwanderung

Mehrere Texte in dem neuen Sammelband „Das Grauen“ befassen sich mit den Themenkomplexen Asyl und Zuwanderung. Peymanis Blick auf die Migrationspolitik der Bundesregierung ist ein illusions- und schonungsloser. In einem Interview mit SACHSEN DEPESCHE erklärte er dazu: „Als Migrant der 1970er Jahre, dessen Familie vor einem islamistischen Regime fliehen musste, gehörte ich zu den frühen Kritikern des Umgangs mit der Zuwanderungswelle der Jahre 2015/16. Das Asylrecht ist ebenso klar definiert wie die Frage, wer als Flüchtling gelten kann. Hier lohnt ein Blick ins deutsche Asylgesetz und in die Genfer Konventionen. Völlig undifferenziert hat die Politik Millionen von Zuwanderern Tür und Tor geöffnet und dabei jede staatliche Ordnung und Kontrolle aufgegeben. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat die Kanzlerin an den Parlamenten vorbei eigenmächtig das Dublin-Abkommen und das deutsche Recht außer Kraft gesetzt, ohne jemals zur Verantwortung gezogen zu werden. Gleichzeitig haben die Medien den Flüchtlingsbegriff umgedeutet und damit entwertet – zum Schaden derer, die wirklich aus Furcht um Leib und Leben geflohen sind.“ (https://www.sachsen-depesche.de/interview/ramin-peymani-„die-parallelgesellschaft-der-journalisten-und-berufspolitiker-betrachtet-den-souverän-zunehmend-als-störenfried“.html)

Vorwort von Prof. Dr. Jörg Baberowski

Das Vorwort zu Peymanis Buch hat der Lehrstuhlinhaber für die Geschichte Osteuropas an der Berliner Humboldt-Universität, Professor Jörg Baberwoski, beigesteuert, der, ganz im Sinne der Peymani’schen Kritik schreibt: „Schon seit Jahren leben wir in einer gelenkten Demokratie. Die Bürger dürfen wählen, sollen es aber Berufspolitikern überlassen, Entscheidungen für sie zu treffen. Doch nicht einmal sie sind noch frei, den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Abgeordnete sind Befehlsempfänger, die nicht ihrem Gewissen, sondern ihrer Partei gehorchen. Wer widerspricht, wird zur nächsten Wahl nicht mehr aufgestellt.“ Einen Ausweg aus diesem Dilemma biete, so der Idealist Baberwoski, eine „Demokratie der Bürgergesellschaft“, die „die Diktatur der Parteien“ ersetzen müsse. Demokratische Willensbildung dürfe sich „nicht mehr nur in Wahlen“ erschöpfen. „Die Bürger müssen sich die Demokratie zurückerobern. Sonst werden sie am Ende in einer Ordnung leben, die sie zwar gewählt, aber nicht gewollt haben“, schließt der Berliner Historiker sein Vorwort mit klarem Appellcharakter.

Im Buch wird in einem der Texte Peymanis schließlich auch der „Fall Baberowski“ thematisiert. Dieser hatte sich im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise in mehreren Beiträgen ablehnend zur Migrationspolitik Angela Merkels geäußert und die seiner Ansicht nach einseitige Fokussierung auf die „Willkommenskultur“ kritisiert. Daraufhin wurde vom AStA in Bremen eine Kampagne gegen den Hochschullehrer losgetreten, die schließlich darin mündete, dass ein Vortrag Baberowskis wegen Drohungen aus dem linksextremen Milieu, der eigentlich in einem Hörsaal der Uni Bremen hätte stattfinden sollen, räumlich verlegt werden musste.

Seitens „Die Leitung der Bremer Universität sah sich übrigens nicht genötigt einzugreifen, wobei sich die Frage stellt, ob sie ebenfalls bereits eingeschüchtert ist, oder das AStA-Treiben stillschweigend gutheißt“, kritisiert Peymani in seinem Aufsatz „Das Sprechverbot: Der Kampf der Linken gegen ‚falsche‘ Meinungen“, der in „Das Grauen“ abgedruckt ist. Die Oberen der Hochschule hätten sich „damit zum Komplizen eines Zeitgeistes“ gemacht, „der immer aggressiver und unverhohlener agiert“. Man dürfe nicht zulassen, „dass Aufrufe zur Stigmatisierung und Sprechverbote das Land ein drittes Mal in einhundert Jahren vergiften. Die jüngere deutsche Geschichte lehrt uns hierzu eine Menge. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum linke ‚Aktivisten‘ Historiker so ungern zu Wort kommen lassen wollen“, so der Autor.

In memoriam Susanne Kablitz

Nachdem das lesenswerte Buch nach dem tragischen Freitod der Verlegerin Susanne Kablitz längere Zeit nicht verfügbar war, konnte sich Peymani von Ulrich Kablitz, dem Witwer der Gründerin des Juwelen-Verlags, die Rechte inkl. Cover vollumfänglich sichern. Dies betrifft auch den Vorgängerband „Spukschloss Deutschland“. Peymanis Buch „Das Grauen“ kann man seitdem über Großhändler wie Amazon oder bei BoD (www.bod.de/buchshop/das-grauen-ramin-peymani-9783743101302) wieder direkt bestellen. Die Lektüre lohnt sich, denn selten wurde ein Kompendium derart fundierter und an die Wurzel des Übels gehender Texte zum politischen und medialen Geschehen vorgelegt.

 

Literaturhinweis: Ramin Peymani: Das Grauen: Deutschlands gefährliche Parallelgesellschaft – Von Berufspolitikern, Journalisten und anderen Nichtintegrierten; mit einem Vorwort von Prof. Dr. Jörg Baberowski, Kelkheim 2017, € 11,90.

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