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Beitrag des ZDF-Magazins „Frontal21“ in der Kritik

Trump-Hitler-Vergleich: Herausgeber der „Jüdischen Rundschau“ fordert Konsequenzen

Freitag, 03 Februar 2017 20:14
ZDF-Magazins „Frontal21“ ZDF-Magazins „Frontal21“ Quelle: ZDF

Mainz – Wegen eines Vergleichs des neuen US-Präsidenten Donald Trump mit dem NS-Diktator Adolf Hitler bei „Frontal21“ drohen dem ZDF möglicherweise juristische Konsequenzen und Ärger seitens der amerikanischen Regierung. In einem Beitrag, der wohl als Satire verstanden werden soll, hatte das Fernsehmagazin am 24. Januar, fünf Tage nach der Amtseinführung Trumps, „eine erste Bilanz“ gezogen und nachgeschaut, „an welchen historischen Persönlichkeiten sich der Neue orientiert“. Originellerweise kamen die GEZ-zwangsfinanzierten Scherzbolde auf Hitler.

In einem Offenen Brief hat sich nun der Herausgeber der „Jüdischen Rundschau“, Rafael Korenzecher, an den Vorsitzenden des Verwaltungsrats des ZDF, den ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), gewandt und Konsequenzen angemahnt. Dabei kündigte Korenzecher an, US-Behörden über den TV-Beitrag zu informieren, damit „auch von dieser Seite die Möglichkeiten zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen die Verantwortlichen“ geprüft werden könne. 

In seinem Offenen Brief schreibt er: „Mit suggestiv zurecht geschnittenem Filmmaterial und begleitendem Tonbeitrag wird in der genannten Sendung der Präsident unseres wichtigsten Verbündeten und der bedeutendsten westlichen Demokratie in geistige und faktische Nähe zu Adolf Hitler gerückt. Dies ist nicht nur wahrheitswidrig und überaus diffamierend, es bagatellisiert auch die geschichtliche Bewertung der beispiellosen Verbrechen des deutschen Kriegsverbrechers und Verantwortlichen für den Mord an 6 Millionen europäischen Juden.“ Man bringe Beck diesen Vorfall zur Kenntnis, weil diesem die Ausstrahlung „dieses vorsätzlich falschen Sachverhalts“ wohl entgangen sei und „deshalb keinen Eingang in die Ausübung Ihrer politischen und ethischen Verantwortung zu den Sendeinhalten dieser Anstalt des öffentlichen Rechts gefunden“ habe. 

Korenzecher weiter: „Bei aller Wertschätzung der für eine Demokratie unverzichtbaren Gewährung von Pressefreiheit, sind wir der Überzeugung, dass die verantwortungslose Verbreitung von geschichtlichen Fehlbezügen und diffamierenden Inhalten nicht Bestandteil von Sendebeiträgen des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF sein kann und darf. Wir erwarten daher Ihre entsprechenden und geeigneten Veranlassungen zur öffentlichen Richtigstellung dieses skandalösen Sachverhalts und zur nachhaltigen Sicherstellung, die Wiederholung derartiger Vorfälle in Zukunft wirksam zu verhindern.“ 

Seitens des ZDF gab es bislang keine Stellungnahme zu dem Schreiben Korenzechers. Auch die US-Behörden haben sich noch nicht zu dem Vorfall geäußert. Medienexperten gehen jedoch davon aus, dass man versuchen wird, sich wie im „Fall Böhmermann“ auf die Freiheit der Kunst zu berufen und die Satire-Karte zu ziehen. Ob sich Trump das so einfach gefallen lässt, bleibt abzuwarten.

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