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Medienstudie der Otto-Brenner-Stiftung

Nur 37 Prozent Informationsanteil beim MDR

Dienstag, 04 August 2015 15:38
Logo des MDR Logo des MDR Quelle: MDR.DE

Leipzig – Die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender durch GEZ-Zwangsgebühren wird mit dem Argument der informationellen Grundversorgung legitimiert. Abgesehen davon, dass es mehr als fragwürdig ist, ob es im Zeitalter des Internets einer solchen Grundversorgung überhaupt noch bedarf, stellt sich die Frage, ob die Sender ihrem selbstgestellten Auftrag überhaupt nachkommen.

Eine aktuelle Studie der Otto-Brenner-Stiftung in Kooperation mit dem Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften der FU Berlin zu Programmstruktur und Themenauswahl von MDR und WDR stellt hier keine guten Noten aus. Zwar diene das Programm beider öffentlich-rechtlichen Sender durchaus der Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung, die Schwerpunktsetzung sei allerdings fragwürdig. Ihren Programmauftrag füllten die ARD-Kanäle nur unzureichend aus.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der Anteil von sogenannten Human-Touch-Inhalten auffällig hoch ist. Dazu zählen vor allem ins Boulevardeske gehende Beiträge über Prominente, Kriminalität oder Katastrophen. Diese „weichen Themen“ mit Unterhaltungsfaktor machen laut Otto-Brenner-Stiftung beim MDR 18 Prozent und beim WDR 17 Prozent aus. Die Autoren bemängelt daher, „dass Human-Touch-Berichterstattung in den dritten Programmen inzwischen ein ähnliches Ausmaß wie bei der privaten Konkurrenz erreicht hat“.

Der von den Sendern behauptete Informationsanteil von bis zu 70 Prozent lasse sich demnach nicht nachweisen. „Selbst wenn man Ratgebersendungen berücksichtigt, liegt er beim WDR nur bei rund 50 Prozent, der MDR kommt lediglich auf 37 Prozent“, so Co-Autor Professor Joachim Trebbe, der seine Daten zu WDR und MDR auch mit Angaben zu ARD und ZDF verglichen hat. Weiterhin stellen die Autoren einen hohen Anteil von Beiträgen aus der Konserve am Gesamtprogramm fest. Hierzu zählen Wiederholungen der Lokalmagazine, Übernahmen von ARD-Programmen sowie aus dem Ersten Programm der ARD. Der Anteil an Erstausstrahlungen liegt beim MDR bei 62 Prozent und beim WDR bei 66 Prozent.

Von allen untersuchten Sendern, so ein weiterer Befund der Studie, ist der MDR der mit Abstand unterhaltungsorientierteste. Der lokalen journalistischen Berichterstattung mit Nachrichtensendungen, Magazinen, Talkshows, Dokumentationen und Reportagen widmet der WDR 77 Prozent seiner täglichen Sendezeit, der MDR nur 64 Prozent. Mit 26 Prozent hat er hingegen die meisten Filme und Serien im Programm, während dieser Anteil beim WDR nur 15 Prozent beträgt.

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