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„Verheimlicht, vertuscht, vergessen“

Nach Rausschmiss bei Droemer Knaur: Wisnewski-Jahrbuch nun im KOPP Verlag erschienen

Montag, 22 Februar 2016 04:27
Gerhard Wisnewski und sein Jahrbuch 2016 Gerhard Wisnewski und sein Jahrbuch 2016 Quelle: nexworld.TV, YouTube (Screenshot) | KOPP Verlag

Buenos Aires – Über fast ein Jahrzehnt erschien im Münchner Knaur-Verlag das Jahrbuch „Verheimlicht, vertuscht, vergessen“, mit dem der Investigativjournalist Gerhard Wisnewski rückblickend darüber berichtete, was jeweils im Vorjahr „nicht in der Zeitung stand“, also die sogenannte „Lügenpresse“ (angeblich) verheimlichte. Das stets reißerisch beworbene Buch erfreute sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit: die Ausgaben 2013, 2014 und 2015 landeten auf Platz eins der „Spiegel“-Beststellerliste und erreichten Auflagen bis zu 100.000 Stück.

 

Aufgrund solcher Verkaufszahlen sollte man meinen, dass der Verlag seinen Autor, mit dessen teils doch recht spekulativen Texten man in der Vergangenheit nie ein Problem hatte, auch weiterhin gerne behalten möchte. Nicht so Droemer Knaur – denn dort weigerte man sich kurz vor Jahresfrist, den fertigen Text für 2016 zu verlegen, weil man sich an dem Beitrag „Invasion: Migrantenwelle ist der Verteidigungsfall“ störte. Nach insgesamt 23 Jahren Zusammenarbeit setzte der Verlag Wisnewski vor die Tür und entfernte seine gesamten Bücher aus dem Programm.

Dagegen versuchte der Autor vor dem Landgericht München eine Einstweilige Verfügung zu erwirken. Zwar unterlag Wisnewski letztendlich, teilweise bekam er jedoch auch Recht. So hatte Droemer Knaur etwa mokiert, dass der Begriff „Migrationswaffe“ oder die Bezeichnung der Bundesregierung als „Putschregierung“ beleidigend oder möglicherweise sogar strafbar sein könnten. Die Richter kamen jedoch zu dem Schluss, dass dies von der Meinungsfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes gedeckt sei.

Statt durch die Instanzen zu gehen, entschloss sich Wisnewski, „Verheimlicht, vertuscht, vergessen“ beim KOPP Verlag zu veröffentlichen, wo das Buch dann auch Anfang Februar erschienen ist. Enthalten ist darin auch der von Droemer Knaur beanstandete Text über die Migrationsproblematik. Dieser setzt sich über weite Strecken sehr kritisch mit der Asylpolitik Angela Merkels auseinander, bietet aber auch fragwürdige Interpretationen, wie folgende Passage zeigt: „Das eigentliche Vergehen der Merkel-Regierung liegt weniger in der Aufgabe der Staatsgrenzen (die, wie gesagt, schon früher erfolgt ist), sondern vielmehr in der Aufgabe des deutschen Volkes. Ein ‚Staatsvolk‘ können die Deutschen aufgrund des fehlenden Staates ohnehin nicht mehr sein. Es kann sich nur noch um ein ‚Volk‘ handeln, nämlich die ethnische Gemeinschaft der Deutschen. Somit kann auch ein ‚eingebürgerter‘ Zuwanderer nicht zum Deutschen werden, denn eine deutsche ‚Staatsangehörigkeit‘ existiert in Wirklichkeit nicht.“

Zur Begründung seiner staatsrechtlich nicht haltbaren These beruft sich der Autor auf ein obskures Buch namens „Der BRD-Schwindel“ aus dem Jahr 2007, in dem die irrige Behauptung aufgestellt wird, dass die Bundesrepublik seit Inkrafttreten des Einigungsvertrags am 29. September 1990 keine Hoheitsgewalt mehr habe, da sich diese auf den vorherigen Geltungsbereich beschränkte. Dass diese Hoheitsgewalt genau mit jenem Einigungsvertrag von Westdeutschland auf das Gebiet der ehemaligen DDR ausgedehnt wurde, wird schlichtweg außer Acht gelassen.

Das Publikum nimmt solche und auch andere streitbare Thesen nach wie vor dankbar auf, denn die 2016er Ausgabe von „Verheimlicht, vertuscht, vergessen“ findet sich mittlerweile schon auf Platz zwei der „Spiegel“-Liste mit den Taschenbuch-Bestsellern und auf Platz eins der Medien-Liste von Amazon. In Deutschland gibt es offenbar einen großen Markt für Sensationsjournalismus der Marke Wisnewski.

 

Literaturhinweis:

Gerhard Wisnewski: Verheimlicht vertuscht vergessen. Was 2015 nicht in der Zeitung stand, TB, 368 Seiten, KOPP Verlag: Rottenburg 2016, € 9,99.

Zu beziehen über: www.kopp-verlag.de

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