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RA Thomas Lapp (NIFIS e.V.) warnt vor Ausspähung á la NSA

Google sammelt Daten beim Telefonieren über Android

Dienstag, 05 Juli 2016 18:52

Frankfurt am Main – Wer mit einem Android-Smartphone telefoniert, hat eingewilligt, dass die Metadaten aller seiner Gespräche aufgezeichnet und ausgewertet werden. Auf diesen Passus in der aktuellen Datenschutzerklärung des US-Internetunternehmens Google wies in dieser Woche die Nationale Initiative für Informations- und Internet-Sicherheit e.V. (NIFIS) hin, die den Datenschutztext von Google gemeinsam mit dem Information Security Forum des Diplomatic Council analysiert hat.

Demnach räumt Google den Android-Anbietern die Möglichkeit ein, „Telefonnummer, Anrufernummer, Weiterleitungsnummern, Datum und Uhrzeit von Anrufen, Dauer von Anrufen, SMS-Routing-Informationen und Art der Anrufe“ in „Telefonieprotokollen“ zu erfassen und zu speichern. Ein Abhören des Telefonats selbst werde dadurch allerdings nicht gestattet.

Der NIFIS-Vorsitzende Dr. Thomas Lapp, der als Rechtsanwalt die renommierte IT-Kanzlei dr-lapp.de in Frankfurt am Main leitet, verglich Google daher mit Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten: „NSA wie Google können aus den Metadaten, verknüpft mit weiteren Informationen, tief in die Privatsphäre eindringen, Beziehungsgeflechte aufspüren und den sozialen Kontext sowohl des Einzelnen als auch ganzer Bevölkerungsgruppen herausfinden.“

Der Frankfurter IT-Rechtsexperte verwies dabei auf die Experimente mit der Mainway-Datenbank an der Stanford-Universität. Dabei wurden die Android-Metadaten von rund 500 Probanden, die sich freiwillig an dem Feldversuch beteiligten, fünf Monate lang verfolgt. 91 Prozent der vermeintlich anonymen Telefonanschlüsse konnten binnen dieser Zeit eindeutig einer Person zugeordnet werden. Allein anhand der Metadaten waren Rückschlüsse etwa auf Geschlechtskrankheiten oder außereheliche Affären möglich. „Wenn jemand die Anonymen Alkoholiker, einen Scheidungsanwalt, eine Abtreibungsklinik oder eine Call-Girl-Nummer anruft, dann lassen sich daraus durchaus Schlussfolgerungen ziehen, ohne die Gespräche mithören zu müssen“, so Lapp.

Weiter erläuterte der NIFIS-Vorsitzende: „Die Datenschutzerklärung von Google dürfte zwar nach deutschem Recht ungültig sein, weil die informierte Einwilligung fehlt. Schließlich ist kaum davon auszugehen, dass die meisten Android-Nutzer verstehen, dass Google sich herausnimmt, die Metadaten aller ihrer Gespräche auszuwerten. Dieses Verständnis wäre aber die Voraussetzung für die Rechtsgültigkeit der Erklärung. Das ändert allerdings nichts daran, dass Google genau dieses Recht für sich in Anspruch nimmt.“

Viele Internet- und Smartphone-Nutzer hätten sich daran gewöhnt, dass Google Informationen über ihre Geräte, ihre Suchanfragen, ihre besuchten Webseiten, ihre E-Mails oder ihren Standort einholt.  „Aber es dürfte doch für die meisten eine Überraschung sein, dass sie Google das Recht einräumen, ihre Telefongespräche zu beobachten, während sie sich bei NSA & Co. genau darüber empören.“ Süffisant fügte er hinzu: „Aber sicherlich dient diese permanente Überwachung nur dazu, um den Nutzern bessere Dienste zur Verfügung zu stellen, wie es in der Datenschutzerklärung von Google heißt.“

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