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Postgeschichte

Zwölf farbige Bilder aus den Tagen der Kurfürstlichen und Königlich Sächsischen Post 1770 bis 1865 (9)

Dienstag, 19 Februar 2019 02:03
Königlich Sächsischer Eilpostwagen 1846 Königlich Sächsischer Eilpostwagen 1846 Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – Hier nun Folge 9 unserer kleinen Postgeschichte nach Gemälden von Gustav Otto Müller (1827-1922), deren zweite Auflage 1925 in Dresden erschien. Abermals versetzt uns der Geheime Postrat Thieme mit einer launigen Bildbeschreibung in jene Zeit, als Sachsen noch ein Königreich war. Diesmal geht es - nicht ohne Wehmut - um die letzte sächsische Eilpostfahrt zwischen Löbau und Görlitz, die im Jahre 1846 einer neuen stählernen Konkurrenz weichen mußte.

„Nach Eröffnung des Eisenbahnbetriebs auf der Linie Leipzig-Dresden (1839) nahm in Sachsen die Anlage von Schienenstraßen ihren raschen Fortgang. Bereits wenige Jahre später wurde an der Bahnverbindung Dresden-Görlitz gebaut. Das letzte Zwischenstück Löbau - Reichenbach in der Oberlausitz - Görlitz wurde 1846 betriebsfertig, die Lücke in dem Sächsisch-Schlesischen Schienenwege schloß sich und damit verschwand der große vierspännige Diligencewagen (Eilwagen zur Personenbeförderung über Land). Unser Bild stellt diese Diligence vor, wie sie am stattlichen Gasthof zu Reichenbach Halt macht. Der brave Löbauer Postillion Stübner, der nach alter unverweichlichter Postknechtssitte seinen Viererzug vom Sattel aus regiert, gibt dem Städtchen die Ankunft der Post mit kräftigen Trompetensignalen kund. Aber nur ein paar Jungen haben sich eingefunden. Dagegen begrüßt der wohlbeleibte Gastwirt freundlich das letzte Postgespann und die nette Kellnerin steht schon mit einem Labetrunke für diesen Postillion bereit.

Sie hat ihr Leben nicht hoch gebracht, die gute alte Diligencekutsche. In Sachsen entstanden die ersten ‚Eilposten‘ um 1825, in Preußen hießen die beschleunigten Postfahrten ‚Schnellposten‘. Das Publikum fand die neue Einrichtung, mittels welcher man beispielsweise binnen wenig mehr als zehn Stunden von Dresden nach Leipzig gelangen konnte, sehr angenehm. Allein das sparsame Oberpostamt zu Leipzig fand bald heraus, daß die Eilposten, welche in der Hauptsache nur auf die Bedürfnisse des Reiseverkehrs zugeschnitten waren und keine schweren Postgüter befördern wollten, zu teuer ins Geld fielen. Man baute darum nach und nach größere Fahrzeuge, welche die gesamte Ladung fortbrachten, und legte lieber ein paar Minuten Beförderungszeiten zu. Diese Postkutschen hießen ‚Diligencen‘ und boten eine gute und bequeme Beförderungsgelegenheit.“

(Fortsetzung folgt)

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