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Postgeschichte

Zwölf farbige Bilder aus den Tagen der Kurfürstlichen und Königlich Sächsischen Post 1770 bis 1865 (7)

Sonntag, 30 Dezember 2018 23:33
Königlich Sächsisches Extrapostgespann 1836 Königlich Sächsisches Extrapostgespann 1836 Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden - Hier nun Folge 7 unserer kleinen sächsischen Postgeschichte, die 1925 unter besagtem Titel in zweiter Auflage in Dresden erschienen war. In stimmungsvollen Erläuterungen zu Bildern von Gustav Otto Müller (1827-1927) führt uns der Geh. Postrat Karl Thieme (+ 1917) zurück in jene romantische Zeit, als der Reiseverkehr im sächsischen Königreich noch in Pferdekutschen vonstatten ging. Bis zur ersten deutschen Ferneisenbahn zwischen Leipzig und Dresden (1839) waren es noch ein paar Jahre und so sorgte die „Extrapost“ einstweilen für einen gewissen Komfort, den zahlungskräftige Individualisten zu dieser Zeit sicher gern in Anspruch nahmen:

„Die vornehmste und bequemste Reisegelegenheit, bevor die Lokomotive ihrer Siegeszug anfing, war die Extrapost. Man bestellte sich dazu bei der Posthalterei eine ‚Postchaise‘ und die nötigen Postpferde, oder man benutzte seinen eigenen Reisewagen, was noch bequemer war. Im eigenen Kutschwagen trat Goethe seine italienische Reise an. Bei der Extrapostbeförderung war der Passagier ganz unabhängig von dem sonstigen Postengang, konnte nicht von unsympathischen Mitreisenden molestiert (belästigt) werden und genoß die möglichste Bewegungsfreiheit. Freilich war eine längere Extrapostreise ein ziemlich kostpieliges Vergnügen. So kostet im Jahre 1836 eine 3-spännige Extrapost auf die 12 ¾ Meilen von Dresden bis Leipzig nahe an zwanzig Reichstaler.

Die vornehme alte Dame, welche in dem soliden Reisewagen unseres Bildes sichtbar ist, braucht jedenfalls diese Ausgabe nicht zu scheuen. Sie hat einen reisegewandten Bedienten bei sich und im Wagen selbst wird auf dem Vordersitz wohl die Kammerjungfer ihr Plätzchen haben. Der Postillion fährt vom Sattel und bemüht sich, der vornehmen Reiseherrin, deren Noblesse bei der Trinkgeldfrage er zweifellos zu schätzen weiß, seine besten Posthornstücke vorzublasen. Dem Wappen nach könnte die Dame vielleicht die Frau Minister von Fritsch in Weimar sein, welche mit dem Stammgut in Seerhausen und mit dem Hof in der sächsischen Residenz vielfach persönliche Beziehungen unterhielt. Sie blieb sogar, als die Lokomotive die lebhafte Poststraße von Leipzig nach Dresden aufgerollt hatte, der Extrapost treu, und die alten Postillionsveteranen sollen ihr ein gar dankbares Gedenken bewahrt haben.“

(Fortsetzung folgt)

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