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Postgeschichte

Zwölf farbige Bilder aus den Tagen der Kurfürstlichen und Königlich Sächsischen Post 1770 bis 1865 (4)

Montag, 24 September 2018 12:59
Per Postkutsche auf Hochzeitsreise (Aquarell von F. Zumpe) Per Postkutsche auf Hochzeitsreise (Aquarell von F. Zumpe) Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – Hier nun Folge 4 unserer kleinen sächsischen Postgeschichte aus dem Jahr 1925. Erneut versetzt uns Postrat Karl Thieme mit einer stimmungsvollem Bildbeschreibung in jenes Zeitalter, als Sachsen noch ein Königreich war. Diesmal geht es um jene zwei „gelben Kutschen“, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Postverkehr zwischen Dresden und Leipzig zu bewältigen hatten. Im kleineren der beiden Wagen könnten einst sogar Frischvermählte auf Hochzeitsreise gegangen sein, wie ein zeitgenössisches Aquarell vermuten läßt:

„Nur die allerältesten unserer Großväter erinnern sich vielleicht noch der sagenhaften gelben Kutsche, die bis in das zweite Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts hinein den gesamten Postverkehr zwischen Dresden und Leipzig besorgen mußte. Passagiere, Briefbeutel und Pakete wurden friedlich in den Bauch des großen, mit einer gelben Tuchplane überspannten Korbwagens hineingestopft. Trotz der launigen Schilderung, die Gellert von der unterhaltsamen Reisegesellschaft in einem ähnlichen Vehikel gibt, haben Spötter, an denen es ja zu keiner Zeit fehlte, der gelben Kutsche viel Ehrenrühriges nachgesagt. Die gelbe Kutsche hat sich dadurch nicht irre machen lassen. Sie ist, mit zwei Paar Pferden bespannt, in der ruhigen Gangart eines Frachtfuhrwagens über Meißen und Oschatz gemächlich hin- und hergerollt, bis sie von den Eilpostwagen und der „Diligence“ (Schnellpostkutsche) abgelöst wurde.

Mag nun auch die alte „Gelbe Kutsche“ manche Schwäche gehabt haben, so war sie doch keineswegs schlechter als ihre damaligen Kolleginnen in anderen deutschen Staaten. Aber ihre kleine Schwester (unser Bild), welche die (südlicher gelegenen) Ortschaften an der mittleren Straße, Wilsdruff, Nossen und Grimma bis Leipzig bediente, war ein für jene Tage tadelloses Postvehikel. Unser mit Sorgfalt gemaltes Aquarellbildchen beweist dies unwiderlegbar. Der Künstler, der sich F. Zumpe unterzeichnet, hat im Jahre 1809 das Bild einem jungen Ehepaare gewidmet, das augenscheinlich darin seine Hochzeitsreise machte. Ein Fahrzeug aber, in welchem man eine Hochzeitsreise riskieren darf, kann nicht so übel gewesen sein. In der Tat sitzt der junge Ehemann, wahrscheinlich ein Herr Kantor, völlig unbesorgt um seinen hohen tadellosen Zylinderhut, feierlich auf der rückwärtigen Sitzbank.

In angemessener Entfernung zu seiner Rechten erblicken wir das nette junge Frauchen im blauen Kleidchen. Auch ihr mit Rosen garniertes Strohhütchen scheint sich nicht vor den Stößen des Wagens zu fürchten, obwohl dieser nicht auf Federn ruht. Selbst Levi Schmuhl, der in der hinteren Schoßkelle auf seinem Packen sitzt, wird anscheinend in seinen Kalkulationen nicht beunruhigt. Die Beulen seines etwas aus der Fasson geratenen Zylinderhutes gehen zweifellos auf das Konto früherer Reisen. Und wie sanft der Hochzeitswagen dahinrollt, beweist auch ein Blick auf den braven Postillion in der damals eingeführten grauen Uniform, der mit aller Hingabe sein Hörnchen traktieren kann. Gewiß rechnet er dabei auf ein gutes Trinkgeld von dem Hochzeitspärchen.“

 

(Fortsetzung folgt)

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