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Sächsische Köpfe

Zur Erinnerung an Samuel Freiherr von Pufendorf (1632-1694)

Freitag, 06 Januar 2017 20:46
Samuel von Pufendorf (1632-1694). Zeitgenössische Abbildung Samuel von Pufendorf (1632-1694). Zeitgenössische Abbildung Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek

Dresden – Am 8. Januar vor 385 Jahren wurde Samuel Pufendorf als fünftes von acht Kindern des evangelischen Pfarrers Esaias Elias Pufendörfer und dessen Ehefrau Margarete in Dorfchemnitz (Erzgebirge) geboren. Die Familie Pufendörfer, wie sie sich damals nannte, war eines der ältesten Theologengeschlechter Sachsens. Nach Kindheitsjahren in Flöha besuchte der junge Mann ab 1645 die Fürstenschule Grimma, die er nach fünf Jahren als Jahrgangsbester abschloss.

Auf Wunsch des Vaters studierte er in Leipzig zunächst Theologie, später Rechtswissenschaft, Naturphilosophie, Finanz-, Wirtschafts- und Verwaltungslehre, Geschichte und Staatswissenschaft. 1656 wechselte Pufendorf an die Jenaer Universität. Hier widmete er sich den Werken von René Descartes, Hugo Grotius und Thomas Hobbes und konnte sein Studium 1685 als Magister der Philosophie beenden. Nach erfolglosem Bemühen, in Leipzig eine Anstellung zu finden, verließ Pufendorf seine sächsische Heimat, die er nie wieder betreten sollte.

Durch Vermittlung eines in schwedischen Diensten stehenden Bruders, übernahm er eine Hauslehrerstelle beim schwedischen Gesandten in Kopenhagen. Diesem folgte er 1660 nach Den Haag, wo er seine Schrift „Grundlagen einer allgemeinen Rechtslehre“ veröffentlichte und Baruch de Spinoza kennenlernte. Im darauf folgenden Jahr wurde Pufendorf an den Lehrstuhl für Natur- und Völkerrecht – den ersten überhaupt für diese Wissenschaft an einer deutschen Universität – nach Heidelberg berufen. Den Unwillen seiner Kollegen erregte er mit seiner harten Kritik an der Reichverfassung.

Pufendorf heiratete 1665 die Witwe Katharina Elisabeth v. Palthen, aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. 1668 übernahm er den Lehrstuhl für Natur- und Völkerrecht an der neugegründeten Universität Lund in Südschweden. Sein in Latein verfasstes Hauptwerk (1672) erschien 1711 unter dem Titel „Acht Bücher vom Natur- und Völkerrecht“ in deutscher Sprache. 1677 übersiedelte der Gelehrte nach Stockholm, wo ihn der schwedische König Karl XI. zum Hofhistoriographen, Geheimen Rat und Staatssekretär ernannte.

Der Lutheraner Pufendorf sprach sich für religiöse Toleranz, die wissenschaftliche Trennung von Theologie und Philosophie und volle Gewissensfreiheit aus. 1688 wechselte er als Historiker und Geheimer Rat an den brandenburgischen Hof des Großen Kurfürsten. Am 26. Oktober 1664 starb Samuel von Pufendorf, der im gleichen Jahr von Karl XI. in den schwedischen Freiherrenstand erhoben worden war, in Berlin und wurde nahe dem Altar der Nikolaikirche beigesetzt.

Mit seiner Forderung nach einem einheitlichen Völkerrecht beeinflusste der Gelehrte die deutsche und europäische Rechts- und Staatsphilosophie. Da seine Schriften in den englischen Kolonien Nordamerikas große Resonanz fanden, wurde der Sachse von Pufendorf einer der Vordenker der amerikanischen Revolution und der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Seine strafrechtliche Zurechnungslehre (Imputationslehre) sowie System und Grundlehren des Privatrechts wirken bis heute nach.

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