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Festival-Bericht aus Meck-Pomm

XVIII. Barther Metal Open Air: Meine Premiere an der Ostsee

Donnerstag, 01 September 2016 21:40
Bizarrer Auftritt: Beaten Victouriouses beim Barther Metal Open Air 2016 Bizarrer Auftritt: Beaten Victouriouses beim Barther Metal Open Air 2016 Quelle: Manuel Gambietz

Greifswald/Barth – Montag, 15. August, 14 Uhr: Nach ein paar Arbeiten für die Universität freue ich mich auf das mittlerweile 18. Barther Metal Open Air (18.-20.08.2016) an der schönen Ostsee. Mecklenburg-Vorpommern wird wenig berücksichtigt, wenn es um Veranstaltungen im Metal-Bereich geht, daher war ich umso gespannter, zumal es für mich eine Premiere war. Aber nochmal zurück: Warum ich bereits am Montag anreise, obwohl das Festival erst am Freitag beginnt? Ich melde mich auf den Festivals, die ich besuchen möchte, häufig als Volunteer an. Gerade im Metal-Bereich sind helfende Hände notwendig, um diese Kultur erhalten zu können. Aber in diesem Beitrag gehe ich nicht auf meine Arbeit dort ein, sondern gebe ein generelles Feedback zu diesem Festival.

Der Ort: Das Festival findet auf einer Freilichtbühne mitten in der Stadt Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen) statt. Campen ist im Stadtpark um die Bühne zulässig. Diese Möglichkeit macht die besondere Atmosphäre des Barther Metal Open Air (BMOA) aus. Vom Park kommt man, durch einen kleinen Durchgang, auf das Gelände, das viele Merchandising-Stände beherbergt. Natürlich ist auch für unterschiedlichste Arten von Speisen und Getränken gesorgt, vom üblichen Bier über Cocktails und Longdrinks bis zu – ganz besonders hervorzuheben – vielen unterschiedlichen Sorten Met und Cider, die von Veranstalter Heiko Fritz selbst angeboten werden.

Black-, Pagan-, Death- und Thrash-Metal in idyllischer Atmosphäre

Die Bühne befindet sich, wie in einer Art Amphitheater, fußläufig ein paar Stufen unter dem Verkaufsbereich, so dass man den großen Vorteil hat, von überall hervorragend sehen zu können. Ob man sich gerade ein T-Shirt seiner Lieblingsband ansieht, ein Bier bestellt oder einen „deutschen Döner“ (Leberkäse statt Dönerfleisch) genießt. Ganz besonders zu erwähnen: Das BMOA bietet Massagen an! 15 Minuten für 10 Euro. Eine Empfehlung, die ich jedem Besucher wärmstens ans Herz lege. Der Masseur ist professioneller Physiotherapeut und weiß genau, was er macht.

Falls die mitgebrachten Vorräte nicht ausreichen: Zwei Supermärkte befinden sich 10 Minuten zu Fuß entfernt, genau wie der schöne Stadthafen oder die mittelalterlich anmutende Innenstadt.

Meine persönlichen Highlights: Helheim, Centinex & Jörmungand

Kommen wir zum Lineup des BMOA: Für Leute der Nischensparten des Metal war die Bandauswahl mindestens gut. Die größte Überraschung ist der gute Sound, der aufgrund der Struktur der Freilichtbühne sicher nicht leicht zu erreichen ist. Jede Band konnte nahezu aus dem Vollen schöpfen. In Gesprächen auf dem Gelände erfuhr ich, dass das aber nicht immer so der Fall war. Headliner am Freitag und Samstag waren Taake und Helheim.

Geschmäcker sind nun bekanntlich verschieden. Aber Helheim, Centinex und Jörmungand werden mir nachhaltig in Erinnerung bleiben. Auch bemerkenswert: Diese drei Bands stammen jeweils aus unterschiedlichen Richtungen. Taake hingegen war ein solider Headliner. Ich war völlig gespannt, die Black-Metal-Band um Frontmann Ørjan „Ulvhedin Hoest“ Stedjeberg für einige Skandale bekannt ist. Auch haben sie vor einigen Jahren beim Barther Metal Open Air für Schlagzeilen gesorgt, indem sie einen Mikrofonständer ins Publikum warfen und damit einen Gast verletzten. Auf diesen Vorfall reagierte der Veranstalter diesmal in humorvoller Art und Weise, indem er an Knotenpunkten auf dem Festivalgelände die Gäste gebeten hat „beim Auftritt von Taake doch bitte eine Mikrofonständerlänge Abstand“ zu halten. Großartig gelöst!

Zwei Auftritte sollten unbedingt noch erwähnt werden. Zum einen die Black-Metal-Kombo Beaten Victouriouses, die musikalisch auf einigen Strecken überzeugten, aber auch eine sehr bizarre Show hinlegten: Eine kniende, nackte, aber bemalte Frau an einem Kreuz wurde während der gesamten Show immer wieder „visuell malträtiert“. Das hatte zur Folge, dass diese Frau völlig überzeugend einen „besessenen“ Eindruck vermittelte. Dieser Auftritt hat mich eine Zeit lang tatsächlich beschäftigt und genau das bewirkt, was eine Black-Metal-Band einfach machen muss: Leute schockieren.

Taake: Einer der Headliner beim diesjährigen BMOA
Taake: Einer der Headliner beim diesjährigen BMOA

 

Und der letzte Auftritt, der hier noch Erwähnung finden muss, allerdings nicht in positiver Hinsicht, ist jener der Schwarzmetaller von Gebrechlichkeit. Musikalisch, soweit ich das beurteilen kann, war das nichts, für mich sogar einer der schlechtesten Auftritte des Wochenendes. Ihre Show hat natürlich das ganz große Besteck der Black-Metal-Vorurteile bedient: Da wurden Schweineherzen ins Publikum geworfen, und eine Darstellerin auf der Bühne „gebar“ einen alten Schweinekopf. Ich glaube, dafür bin ich persönlich schon zu alt.

Ein Festival, das für mich zur Pflicht geworden ist

Nach nur einem Besuch des Festivals steht für mich fest: Ich werde, wenn möglich, jedes Jahr wiederkommen. Für 41 Euro im Vorverkauf ist dieses Festival wahrlich nicht zu teuer – im Gegenteil. Auch der kurze Weg zur Ostsee mit den schönsten Badestränden spricht dafür. Nicht nur die bereits beschriebenen Punkte haben überzeugt, hinzu kommt eine herzliche Atmosphäre, die der Veranstalter und seine Frau Biggi versprühen. Trotz der Hektik haben sie immer ein offenes Ohr für die Gäste, nehmen sich Zeit. Man merkt, den Beiden geht es nicht ums Geld, sondern um die Leidenschaft. So etwas ist heutzutage selten.

Letzte Änderung am Donnerstag, 01 September 2016 21:50
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