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Zur Erinnerung an König Anton von Sachsen (1755-1836)

Weichensteller auf dem Weg in die Moderne

Sonntag, 05 Juni 2016 21:08
König Anton von Sachsen (Lithographie, ca. 1830) König Anton von Sachsen (Lithographie, ca. 1830) Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek

Dresden – Am 6. Juni vor 180 Jahren starb in Pillnitz König Anton von Sachsen. Das Bild dieses Monarchen erscheint uns blass, und doch erinnern noch heute in Dresden ein Stadtviertel, die Antonstadt, eine Straße und ein Platz an jenen König, dem die Nachwelt einst den Beinamen „der Gütige“ verliehen hatte.

 

Als vierter Sohn von Kurfürst Friedrich Christian (1722-1763) und der Maria Antonia Prinzessin von Bayern am 27. Dezember 1755 in Dresden geboren, war Prinz Anton ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt. Auf Wunsch seines ohne männliche Nachkommen regierenden Bruders, des Kurfürsten und ersten sächsischen Königs Friedrich August I. (1763/1806-1827), heiratete er 1781 Charlotte von Sardinien (†1782). Einer zweiten Ehe mit Maria Theresia, einer österreichischen Kaiserstochter, entstammten vier Kinder, die jung verstarben.

Von den Regierungsgeschäften bewusst ferngehalten, war das Leben des Prinzen ohne besondere Dramatik verlaufen, musikalische und genealogische Studien sollen es ausgefüllt haben. Sein eifrig praktizierter katholischer Glaube wird ihm später das Misstrauen der protestantischen sächsischen Bevölkerung einbringen. Als der 71-Jährige schließlich 1827 seinem Bruder auf den Thron folgte, waren die Sachsen zunächst enttäuscht, die einen jüngeren Monarchen gewünscht hatten, wie er in der Person des Prinzen Friedrich August, Antons Neffen, auch bereitstand. Doch der König, noch ganz ein Mann des Ancien Régime, erklärte, die bewährten Regierungsgrundsätze seines Vorgängers fortführen zu wollen und übernahm  dazu  dessen allmächtigen Kabinettsminister Detlef Graf Einsiedel.

Das sächsische Königreich hatte nach der Katastrophe von 1815, dem Verlust der Hälfte seines Territoriums, einen Weg vorsichtiger Konsolidierung eingeschlagen, der sich an einer Wiederherstellung der vornapoleonischen Zustände orientierte und eine weitergehende Liberalisierung vermied. Anton war gerade drei Jahre im Amt, als die Wellen der französischen Julirevolution von 1830 auch Sachsen erreichten. Konfessionelle Reibereien in den Städten Dresden und Leipzig waren dem vorausgegangen. Als die Unruhen Formen eines Aufstands annahmen, handelte der König – einsichtig und verantwortungsbewusst, entließ Graf Einsiedel, bestellte den liberal eingestellten  Bernhard von Lindenau zum leitenden Minister und ernannte den beim Volk beliebten Prinzen Friedrich August (1836 König Friedrich August II.) zum Mitregenten. Das „königliche Gespann“ (Ch. Jestaedt) aber ebnete Sachsens Weg in die Moderne und schuf mit der ersten sächsischen Verfassung die Basis für eine beispiellose Erfolgsgeschichte.

In weiser Selbstbeschränkung hatte König Anton sich dieser Entwicklung nicht entgegengestellt, sein Verzicht auf die Rechte eines absolutistischen Herrschers ermöglichte den friedlichen Übergang seines Landes in das bürgerliche Zeitalter. Sachsen wurde damit eine konstitutionelle Monarchie auf bürgerlich-liberaler Grundlage. Die Verfassung vom 4. September 1831 war indes eine der freiheitlichsten in Deutschland überhaupt; 16 Jahre vor der preußischen trat sie in Kraft, und blieb bis zum Ende  des sächsischen Königtums 1918 nahezu unverändert. Die Grundrechte des heutigen Staatsbürgers, die Freiheit der Person und des Eigentums, freie Berufswahl und Religionsausübung sowie die Gleichheit aller vor dem Gesetz, waren hier bereits verankert, im sächsischen Königreich anno 1831! Wegweisende wirtschaftliche, soziale und kulturelle Reformen krempelten in der Folge das Land um, Bürgerliche bekamen Zutritt zu Beamtenstellen, der Bauernstand wurde entlastet. 1834 trat Sachsen dem deutschen Zollverein bei, drei Jahre später wurde das sächsische Volksschulwesen vereinheitlicht.

1835 beging der greise König seinen 80. Geburtstag, das ganze Land huldigte dem beliebten Landesvater. Am Morgen dieses Tages war in Dresden-Friedrichstadt der Grundstein zu einem schlichten Monument gelegt worden, dessen Weihe im darauffolgenden Jahr der Monarch selbst nicht mehr erleben sollte. Im Park am Hohenthalplatz steht es heute, das Antonsdenkmal mit einer bronzene Porträtbüste, die Ernst Rietschel schuf. Die dankbaren Bewohner der Friedrichstadt hatten es aufstellen lassen, da der damals regierende König die Güte hatte, sich für den Anschluss ihres Heimatortes an Dresden einzusetzen. Güte und Weitblick waren es wohl, die König Anton in den knapp sieben Jahren seiner Regierungszeit bewegten, in der die Weichen zu einer Entwicklung gestellt wurden, die Sachsen zu einem modernen Verfassungs- und bedeutenden Industriestaat werden ließ.

 

Literatur:

Albert Prinz von Sachsen: Die Albertinischen Wettiner. Geschichte des sächsischen Königshauses 1763-1932. Bamberg 1989.
Karlheinz Blaschke: Der Fürstenzug zu Dresden. Leipzig / Jena / Berlin 1991.
Susanne Drehwald / Christoph Jaestedt: Sachsen als Verfassungsstaat. Hrsg. Von Thomas Pfeiffer. Leipzig 1998.

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