Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Kunst & Kultur

Dresden im Spiegel alter Ansichten

Walter Zeisings „Topfmarkt an der Frauenkirche“

Dienstag, 13 März 2018 21:37
"Topfmarkt an der Frauenkirche", Radierung von W. Zeising (1910) "Topfmarkt an der Frauenkirche", Radierung von W. Zeising (1910) Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – Topfmarkt an der Frauenkirche! Unmittelbar neben dem mächtigen Sockel des Gotteshauses (Eingänge F und G) herrscht geschäftiges Treiben. Im Vordergrund haben Marktfrauen irdenes Geschirr in großer Zahl auf dem Boden ausgebreitet: Töpfe, Teller, Kannen, Schüsseln, Backformen und Vasen. Neugierig schlendern die Dresdner Damen vorbei. Die gerade eingetroffene Händlerin hat den schweren Tragekorb noch gar nicht abgestellt und findet sich schon im Gespräch mit Passanten wieder. Im Hintergrund ragt der Hausmannsturm auf, zu dem die Töpferstraße führt, an deren Ende, auf hölzernen Tischen, wohl das feinere Angebot seinen Platz gefunden hat.

Der 1876 in Leipzig geborene Walter Zeising hat die launige Szene 1910 in einer Radierung festgehalten. Als Sohn eines Holzschneiders wurden ihm die graphischen Techniken frühzeitig vertraut. Seine eigenliche Ausbildung erhielt er 1892-1897 an der Kunstgewerbeschule seiner Vaterstadt, worauf Studien an den Kunstakademien in München (v. Hackl) und Dresden (Bantzer u. Kuehl) folgten. Ein Reisestudium führte ihn für vier Jahre nach Frankreich. Seit 1910 in Dresden ansässig, fand Zeising als topographischer Radierer seine Aufgabe. So entstanden Städtebilder, graphische Folgen von Hamburg, Paris und Dresden, wo der Künstler 1933 auch verstorben ist.

Die Töpferstraße (bis 1883 Töpfergasse) verläuft zwischen Hilton-Hotel und QF-Quartier als Verlängerung der Augustuststraße hin zum Neumarkt. Seit 1378 ist hier das Töpferhandwerk nachgewiesen. Damals siedelte man noch außerhalb der Stadmauern, da das Gewerbe wegen des Umgangs mit Feuer als gefährlich angesehen war. Ebenso hatten die Töpfer eine wöchentliche Abgabe von Töpfen „im Wert von 10 Hellern“ an den Markgrafen zu leisten. Im Bombenhagel des 13. Februar 1945 ging auch die Töpfergasse unter und verschwand aus dem Stadtplan der Landeshauptstadt. Erst mit der Fertigstellung des Hotels „Dresdner Hof“ (seit 1992 Hilton) im November 1989, bekam die Stadt wieder jene Straße zurück, die einst auch Walter Zeising zu einem stimmungsvollen Abbild inspirierte.

Letzte Änderung am Donnerstag, 15 März 2018 02:54
Artikel bewerten
(24 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten