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Neoklassizistischer Bau harrt der Sanierung

Vor dem Abriss bewahrt: Die Mandaukaserne in Zittau

Donnerstag, 12 Mai 2016 17:15
Die Mandaukaserne in Zittau Die Mandaukaserne in Zittau Quelle: Bert Wawrzinek

Zittau – Kein Zittau-Besuch ohne ein Foto der Mandaukaserne! Die alte Dame, eigentlich ein neoklassizistischer Monumentalbau, der von 1869 bis 1918 Soldaten  des Kgl. Sächs. 3. Infanterie-Regiments Nr. 102 beherbergte, hat nicht nur in der Oberlausitz gute Freunde. Zentrumsnah zwischen Stadtring und Mandau gelegen, führen Hauptstraße und Fußweg direkt an der Frontseite des Gebäudes vorbei, allgegenwärtig für Generationen und aus der Neißestadt einfach nicht wegzudenken.

Dies wurde jüngst in einer emotional geführten Debatte deutlich, denn noch vor einigen Monaten schien der Abriss der denkmalgeschützten Kaserne beschlossene Sache. Buchstäblich in letzter Stunde führten Bürgerproteste zum Innehalten, sorgten profunde Fürsprecher (Stadtforum Zittau, Verein der Freunde der Mandaukaserne) und ein aufgeschlossener Oberbürgermeister (Thomas Zenker) für einen Sinneswandel. Als dann der Südturm ein- und auf die Straße zu stürzen drohte, ergriffen beherzte Bürger die Initiative und schufen mit einer Notsicherung vollendete Tatsachen. Spenden wurden eingeworben, und eben hat die Stadt Fördermittel aus einem Bundesprogramm beantragt, womit der Abriss endgültig vom Tisch sein sollte.

Apropos: Natürlich hat Zittau glanzvollere Zeiten gesehen. Ohne Mauerfall wäre es bis auf den Stadtkern dem Braunkohleabbau zum Opfer gefallen, und auch nach der Wiedervereinigung schreitet der Verlust an historischer Bausubstanz voran. Gleichwohl künden liebevoll sanierte Bürgerhäuser von einstiger Pracht, gelang auch hier Beispielhaftes, wie nicht nur das rekonstruierte Salzhaus, der historische Marstall der Stadt, eindrucksvoll beweist.

Und doch wird der aufmerksame Spaziergänger ebenso auf ungehobene Schätze stoßen: Häuserzeilen, die in düsterer Feierlichkeit ihrer Rettung harren, imposante Portale, die schon lange keiner mehr durchschritt, werden verblichene Ladeninschriften seine Phantasie beflügeln. Nicht selten hoffnungslose Fälle, die, auch anderswo als störendes Ärgernis empfunden, ihrem Untergang entgegendämmern.

Doch es liegt an uns, ob wir darin mehr sehen wollen, als es die Gesetze ökonomischer Verwertbarkeit zulassen. Die Zittauer Bürger, die ihre Mandaukaserne vor dem Abriss bewahrten – allein, weil sie zu ihrer Stadt gehört, mit der sie sich verbunden fühlen –, haben es vorgemacht.

Letzte Änderung am Sonntag, 15 Mai 2016 05:06
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