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Zur Erinnerung an Friedrich August III. (1865-1932)

Volkstümlich und voller Güte: Sachsens letzter König

Sonntag, 22 Mai 2016 17:25
König Friedrich August III. im Kreise seiner Familie (1914) König Friedrich August III. im Kreise seiner Familie (1914) Quelle: Bert Wawrzinek (Privatarchiv)

Dresden – Am 25. Mai vor 151 Jahren wurde Prinz Friedrich August als ältester Sohn Prinz Georgs von Sachsen (1832-1904) und der Maria Anna von Portugal in Dresden geboren. Er besuchte das Königliche Gymnasium in Dresden-Neustadt, später die Universitäten Leipzig und Straßburg, um Rechts- und Staatswissenschaften zu studieren. Bildungsreisen durch Europa und den Orient schlossen sich an. Mit der Volljährigkeitserklärung begann Friedrich August den aktiven Dienst in der sächsischen Armee und brachte es bis zum Kommandierenden General des XII. Armeekorps (1902).

1891 heiratete er die österreichische Erzherzogin Luise von Toscana, aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. Die temperamentvolle Habsburgerin konnte sich nur schwer in den streng katholischen Dresdner Hof einfügen. Nachdem ein Verhältnis mit dem Sprachlehrer ihrer Kinder offenbar wurde, floh sie 1902 in die Schweiz. Getragen von der Sympathie der Sachsen, bemühte sich Friedrich August nach Kräften, seinen Kindern die Mutter zu ersetzen. Nach dem Tode König Alberts (1828-1902) bestieg dessen 70-jähriger Bruder Georg den Thron der albertinischen Wettiner. Als dieser am 15. Oktober 1904 verstarb, folgte sein Sohn als König Friedrich August III.

Sachsen, seit der Reichseinigung vom Agrar- zum Industriestaat geworden, galt als das am dichtesten bevölkerte und am weitesten industrialisierte Land im Kaiserreich. Der junge König suchte den Ausgleich zwischen Tradition und Fortschritt und legte, wie seine Vorgänger, das Schwergewicht auf die Entfaltung der schöpferischen Kräfte von Wirtschaft und Kultur. Die Sachsen schätzten sein offenes natürliches Wesen, seine Güte und seinen schlagfertigen Humor. Friedrich August sprach die Sprache seines Volkes, das ihn verstand und liebte.

Während des Ersten Weltkrieges führten ihn zahlreiche Frontreisen zu sächsischen Regimentern, teilte er die Trauer um gefallene Landeskinder und bangte um das Leben auch seiner Kriegsdienst leistenden Söhne. Nach mehr als vier Kriegsjahren zerbrach im November 1918 die deutsche Heimatfront, griffen Unruhen auch auf Sachsen über. Als Vertreter der Armee die Auffassung vertraten, dass Widerstand unmöglich sei, da keine zuverlässigen Truppen mehr zur Verfügung stünden, resignierte auch der König und reiste nach Moritzburg ab. Auf dem Dresdner Schlossturm ging die rote Fahne hoch.

Nach seiner Abdankung auf Schloss Guteborn, am 13. November 1918 zog sich Friedrich August nach Sibyllenort, einer Besitzung des Königshauses im schlesischen Landkreis Oels, zurück. Am Schicksal Sachsens und seiner Landsleute weiterhin Anteil nehmend, lebte er im Kreise seiner Familie, widmete sich Landwirtschaft und Jagd und unternahm einige größere Reisen. Am 18. Februar 1932 erlitt Friedrich August einen Schlaganfall und starb an der folgenden Lungenlähmung.

Und so erlebte Dresden, die trauernde ehemalige Residenzstadt, am 22./23. Februar einen unvergesslichen Abschied von ihrem Ehrenbürger und einstigen Landesvater. Über 500.000 Menschen aus allen Teilen Sachsens sollen zusammengekommen sein, um ihrem toten König, der zur letzten Ruhe in seine Vaterstadt heimgekehrt war, das Trauergeleit zu geben.

 

Literatur:

Friedrich Kracke: Friedrich August III. Sachsens volkstümlichster König. Ein Bild seines Lebens und seiner Zeit. München, 1964.
W. von Metzsch /Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Zweite Auflage. Dresden, 1906.
Luise von Toscana: Mein Lebensweg. Berlin, o. J.

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