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„Artrock-Gipfel“ wird möglicherweise in Dresden wiederholt

Stern-Combo Meißen und SBB begeisterten im Leipziger Stadtbad

Sonntag, 25 September 2016 15:09
Stern-Combo Meißen am 17.09.2016 im Stadtbad Leipzig Stern-Combo Meißen am 17.09.2016 im Stadtbad Leipzig Quelle: Valérie Cohène | SACHSEN DEPESCHE

Leipzig – Rund 250 Zuhörer erlebten am 17. September im Leipziger Stadtbad ein musikalisches Gipfeltreffen der besonderen Art. Mit der Stern-Combo Meißen und ihren polnischen Kollegen von SBB gaben sich zwei echte Legenden experimenteller und konzertanter Rockmusik die Ehre. Um es vorwegzunehmen: Das Publikum, größtenteils Ü40, aber auch ein paar jüngere Semester, war schwer angetan von dem „deutsch-polnischen Artrock-Gipfel“ – so das Motto, unter dem das Doppelkonzert firmierte. Nur einen Minuspunkt hätte man vielleicht vergeben können, aber die gute Performance auf der Bühne tröstete einen am Ende doch darüber hinweg, dass ein bestuhlter Saal für ein Rockkonzert eher ungünstig ist.

Was ist Artrock? Man könnte darin eine Art Ost-Pendant zum Krautrock sehen. Während sich westdeutsche Bands wie Amon Düül oder Birth Control (die frühen Kraftwerk, damals noch mit Querflöte statt Synthesizer, gehörten ebenfalls dazu) seinerzeit auch im Ausland großer Beliebtheit erfreuen konnten, blieb der Ruhm von Stern Meißen auf den „Arbeiter- und Bauernstaat“ beschränkt. Eigentlich schade, denn den Vergleich mit den Genrekollegen jenseits der Mauer oder Progressive-Rockern wie Barclay James Harvest brauchte die 1964 von Martin Schreier, Norbert Jäger und Bernd Fiedler in – wie der Name schon sagt – Meißen gegründete Combo nicht scheuen.

Auch SBB (ursprünglich eine Abkürzung für Silesian Blues Band, später für Szukaj, Burz, Buduj; dt.: Suchen, Brechen, Bauen) haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Die polnische Rock- und Fusion-Band wurde 1969 von Josef Skrzek, Antymos Apostolis und Jerzy Piotrowsk gegründet. Zwischen 1971 und 1973 arbeiteten SBB mit dem legendären polnischen Rockmusiker Czeslaw Niemen zusammen, ab 1974 war man wieder zu dritt und konnte auch international Erfolge feiern. Die erste Auslandsveröffentlichung „SBB“ erschien 1978 beim DDR-Label Amiga.

In Leipzig stand die ewig frische Originalbesetzung auf der Bühne und bot ein etwa eineinhalb Stunden langes, abwechslungsreiches und größtenteils instrumentales Programm quer durch alle Schaffensperioden. Dabei stellten SBB einmal mehr ihr großes Improvisationstalent unter Beweis. Ganz so krass, wie es bei ihrem legendären Auftritt 1975 in Karlstadt gewesen sein muss, als die Band jenseits aller Songstrukturen 44 Minuten lang spontan improvisierte, war es zwar nicht, doch wer auf akustische Verspieltheit steht, kam voll auf seine Kosten. Zugegeben: der eine oder andere Zuhörer wirkte mit fortschreitender Spieldauer etwas überfordert; doch insgesamt ein exzellentes Warmup für Stern Meißen.

Die begannen mit einem instrumentalen Medley und gaben dann unter anderem Titel wie „Die alten Sagen“, „Stundenschlag“, „Licht in das Dunkel“, „Mütter gehen fort“ und natürlich „Kampf um den Südpol“ zum Besten. Die Stimmung steigerte sich von Lied zu Lied, das anfangs etwas verhaltene Publikum taute schnell auf, die Klassiker der Band wurden ebenso goutiert wie die neueren Stücke vom 2011 erschienenen Album „Lebensuhr“. Dass der „neue“ Keyboarder und Sänger Manuel Schmid, mit 32 Jahren der Junior der Combo, dem urwüchsigen Rocksound eine leichte Schlagernote verpasst, störte an diesem Abend jedenfalls keinen.

Wer sich nun ärgert, dass er den Leipziger „Artrock-Gipfel“ verpasst hat, könnte demnächst eine zweite Chance bekommen. Wie man hört, plant die ART AGENTUR SEIDEL für November ein weiteres deutsch-polnisches Gipfeltreffen mit SBB und der Stern-Combo Meißen, dann in Dresden. Eine gute Nachricht für Freunde melodiöser Rockmusik aus Ost-Produktion.

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