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Debauchery in der „Alten Zuckerfabrik“ Rostock

Musikalische Vorahnung auf die Zombie-Apokalypse

Samstag, 12 November 2016 18:09
Debauchery am 04.11.2016 in Rostock Debauchery am 04.11.2016 in Rostock Quelle: Manuel Gambietz

Rostock – Der Abend des 4. November stand im Zeichen des Death Metal. Oder besser gesagt: des sogenannten „Death‘n Roll“, um eine Verbindung zwischen Debauchery und Blood God herzustellen. Debauchery sind eine Death-Metal-Band aus Stuttgart, die sich in der Szene einen großen Namen gemacht hat. Der Sänger, Thomas Gurrath, ein ehemaliger Lehrer, der aufgrund seiner musikalischen Ideen zwischen Job und Musik entscheiden musste, hat sich für die Musik entschieden. Ein Glück für jeden Metaller, der gerne auf härtere Töne zurückgreift.

Jener Thomas Gurrath hat auch noch ein etwas unbekannteres Projekt: Blood God. Hier werden die harten Metalriffs mit Rock’n-Roll-Elementen ergänzt. So wechselt Gurrath bei Blood God vom sogenannten „Grinden“ (für Nichtkenner: Grinden hört sich für das ungeübte Ohr eher grunzend an) hin zu einem hellen Kreischgesang, der teilweise an AC/DC erinnert. Beide Projekte galt es, am 4. November zusammenzuführen. Für mich Grund genug, den Weg nach Rostock in Kauf zu nehmen. 

„Alte Zuckerfabrik“: Lagerhalle mit viel Charme 

Zu Beginn hatte ich kurz Schwierigkeiten, den Veranstaltungsort zu finden. Nach einer kurzen Suche gelangte ich aber schließlich auf das Gelände. Man fühlte sich in der „Alten Zuckerfabrik“ irgendwie in die alte Industrie der DDR zurück versetzt. Es hatte einen gewissen Charme, die marode Treppe in Richtung Konzerthalle entlangzulaufen. In der Halle gab es einerseits eine kleine Theke und genau gegenüber den Merchandise-Stand. Groß war das Ganze nicht, es waren ca. 300 Zuschauer anwesend – und damit war die Halle auch schon ganz gut gefüllt.

 

Dann begann auch schon die erste Band. Eine lokale Death-Metal-Band aus Greifswald hatte die Ehre, das Vorprogramm zu starten. Discreated haben sogar eine Basserin im Team, was eine Metalband gleich viel sympathischer macht. Sie überzeugten und machten Hoffnung, dass diese Szene nicht aussterben wird. Natürlich merkt man, dass es für diese Band ein Hobby ist, dass sie es aus Leidenschaft macht. Zwischendurch versuchten sie sich noch am Überkracher von Amon Amarth und coverten „Pursuit of Vikings“. Ganz gelungen, möchte ich meinen. 

Xicution: Anspielung auf „Lucille“ in „The Walking Dead“ 

Nach einer kurzen Umbaupause kam die zweite Band auf die Bühne: Xicution aus Eberswalde bei Berlin. Durch das Bühnenoutfit der Band wurde man schon leicht auf Debauchery vorbereitet: Auch sie arbeitet mit viel Kunstblut und „zombiehafter“ Bekleidung. Der glatzköpfige Sänger kam mit Augenklappe und einem Baseballschläger, eingewickelt in Stacheldraht, auf die Bühne. Diese Szenerie erinnerte stark an den Beginn der neuen Staffel von „The Walking Dead“. Auch musikalisch nehmen sie die erfolgreiche AMC-Serie als Vorlage für viele ihrer Lieder. Xicution haben geliefert. Ein starkes Vorprogramm hatte sich der Veranstalter zurechtgelegt. Die Reaktionen des Publikums bestätigten mich in meinem Urteil, da bereits bei den Vorbands viel Bewegung und Applaus entstanden waren. Nach ca. 45 Minuten war der Gig auch schon wieder vorbei.

 

Debauchery vs. Blood God: Das große Besteck der Metal-Vorurteile 

Nun war es Zeit für Debauchery. Neben Sänger Thomas Gurrath standen Marius Hamann an den Drums und Fabian Streich am Bass auf der Bühne. Eine sympathische Truppe! Alle drei erklommen die Stage völlig blutverschmiert, trugen apokalyptische Klamotten und strahlten eine „brutale Welt“ aus. Wenn sich ein Außenstehender die Metalszene vorstellt, hat er sicherlich genau solche Bilder vor Augen. Leider hatte die Band auf dem Weg nach Rostock eine Autopanne, so dass ein großer Teil der Bühnenausstattung fehlte. Für das Publikum spielte das keine Rolle, weil Debauchery vom ersten Ton an Vollgas gaben. 

Gespickt war die Setlist mit großen Hits wie „Let there be Blood“, „Blood for the Bloodgod“ oder „Zombie Blitzkrieg“. Der geneigte Leser merkt schon: Debauchery bedienen sämtliche Vorurteile, die es über Metal geben kann – nicht nur optisch, auch die Titel der Texte sind mit einem ironischen Augenzwinkern zu betrachten. 
Das Rostocker Publikum war allerdings eher dem Debauchery-, also dem Death-Metal-Teil des Auftritts zugeneigt. Das merkte man deutlich an den Reaktionen der Fans, die auf die Frage Gurraths, ob sie lieber Death Metal oder Rock´n Roll hören wollen, lauthals für Death Metal skandierten. Nach ca. 20 Songs war der Abend vorbei. Man merkte den Jungs die Strapazen der Autopanne an. Dazu kommt noch der lange Weg aus Stuttgart, den sie hinter sich bringen mussten. 

Mein Fazit: Das war nicht mein erstes Debauchery-Konzert – und es wird auch nicht mein letztes gewesen sein, denn die Musik ist, besonders live, genau nach meinem Geschmack. Trotz abgespeckter Showelemente und der „Tortur“, die die Band im Vorfeld zu erleiden hatte, zeigten sie große Spiellaune, woran aber auch das fantastische Rostocker Publikum einen großen Anteil hatte.

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