Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Kunst & Kultur

Peter Tätgren und Till Lindemann erstmals gemeinsam auf der Bühne

Konzert von Pain im Hamburger „Klubsen“ – mit Weltpremiere von LINDEMANN

Sonntag, 13 November 2016 18:06
Pain am 09.11.2016 im Hamburger „Klubsen“ Pain am 09.11.2016 im Hamburger „Klubsen“ Quelle: Manuel Gambietz

Hamburg – Am 9. November traten Pain im Hamburger „Klubsen“ auf. Dabei handelt es sich um ein Projekt des schwedischen Metal-Musikers Peter Tägtgren, der vor allem durch seine Band Hypocrisy, aber auch das gemeinsam mit Rammstein-Sänger Till Lindemann gestartete Projekt LINDEMANN bekannt ist. Letzteres wird in diesem Bericht noch eine große Rolle spielen!

Wenn man die Musik von Pain beschreiben soll, so fällt es erstmal schwer, sie zu kategorisieren. Ursprünglich haben sie sehr mit dem Dark Metal kokettiert, dann kamen mehr und mehr Industrial- und Techno-Elemente dazu, so dass man Pain vielleicht als „Rammstein in härter“ bezeichnen könnte. Mir gefällt diese Art der Musik. 

Zu Beginn ist mir sofort aufgefallen: Drei Vorbands plus Hauptact für einen Preis von 26,30 Euro, das ist bemerkenswert! Vor allem, weil es keine lokalen Vorbands waren, die gerne vom Veranstalter eingeladen werden, sondern international bekannte Metalbands, hauptsächlich aus skandinavischen Breitengraden. 

Ich machte mich also wieder mal auf den Weg nach Hamburg. Der „Klubsen“ war für mich eine Premiere. Der Laden gefiel mir auf Anhieb: Klein, gemütlich – und man kann von jedem Ort die Bühne nahezu ohne Einschränkung einsehen. Das liegt daran, dass die Seiten und der hintere Bereich Erhebungen haben, auf denen man sich in eine Couch werfen oder einfach nur am Wellenbrecher stehen kann. Die Preise für die Getränke waren zwar leicht überteuert, aber dafür war das Personal sehr freundlich und zuvorkommend. Ein guter Ort um außergewöhnliche Konzerte zu erleben. 

Billion Dollar Barbies & Dynazty: Traditioneller Mix aus Heavy und Hair Metal 

Als der Saal noch überschaubar gefüllt war, spielte die erste Band: die Billion Dollar Barbies. Der Name passt hervorragend zu ihrer Musikrichtung. Trotz einiger guter und rhythmischer Riffs hat mich dieser Gig allerdings nicht abgeholt. Zu sehr störte mich der cleane Gesang mit den zwischendurch kreischenden Höhen. Auch wenn diese Band sehr gut gelaunt war und versucht hat, positive Stimmung zu verbreiten, war ich dennoch froh, dass ich die erste Etappe überstanden hatte. 

Nach einer sehr kurzen Umbaupause kamen dann Dynazty auf die Bühne, auch eine Heavy Metal Band aus Schweden. Etwas besser als die Billion Dollar Barbies, doch man könnte meinen, Dynazty seien sowas wie der „große Bruder“ des Openers. Die Riffs waren noch eingängiger, aber auch hier störte der cleane Gesang die ansonsten ansprechende Musik der Heavy-Metal-Truppe. Entweder bin ich musikalisch schon zu sehr „abgestumpft“, dass für mich der „normale“ Heavy Metal gar nichts mehr ist, oder es fehlte tatsächlich der „Aha“-Effekt der Bands. Ich frage mich: Hätte ich die Bands gut gefunden, wenn ich sie zum ersten Mal mit 14 oder 15 live gesehen hätte? Die Frage kann ich für mich nicht abschließend beantworten. 

Gothic Metal aus Deutschland? Gerne. 

Nun kam der letzte Act, bevor Pain ihre lichtgewaltige Show starten sollten: The Vision Bleak nennt sich die Truppe aus Deutschland, die wirklich richtig guten Gothic Metal spielt. Der erste wirkliche Lichtblick des Abends! The Vision Bleak belegten, warum Vorbands immer wieder eine gute Sache für Konzerte sind. Ich habe diese Band nun in meine Liste der Bands aufgenommen, die es im Auge zu behalten gilt. Und sicherlich werde ich mir auch mal eine Headlinershow ansehen, wenn sie diese denn einmal veranstalten. In einem düsteren Friedhofsoutfit betrat die Band die Bühne, die nun durchweg durch dunkelblau beleuchteten Nebel geflutet wurde. Die Kombination aus melancholischen Gothic-Elementen, gemixt mit rhythmisch stampfenden Metalriffs passt, während der Sänger Markus Stock mit einer tiefen, operngleichen Stimme seine tiefgründigen Lyrics ins Mikrofon haucht. Eine tolle Vorbereitung auf Pain! 

Kommt Lindemann oder kommt er nicht? 

Auf Facebook hat die Band Pain immer wieder Hinweise übermittelt, es könne zu einem Gastauftritt von Till Lindemann kommen. So war es auch kein Wunder, dass man im mittlerweile sehr gut gefüllten „Klubsen“, viele Fans mit Rammstein- oder LINDEMANN-Shirts sehen konnte. Man konnte die Hoffnung förmlich knistern hören. Als Pain dann ein Foto von Tägtgren und Lindemann aus Hamburg zeigten, war die Euphorie groß. Ich sah nur die Gefahr, dass das Pain-Konzert in dieser Erwartung untergehen würde. Da lag ich völlig falsch. 

Dazu muss ich eingestehen, dass die Live-Wirkung ihrer Lieder eine Energie ausstrahlt, die ich selten erlebt habe. Das Hamburger Publikum war zudem auch sehr textsicher. Also rissen Pain in einer Stunde fast den Laden ab – bis zur Unterbrechung für die obligatorische Zugabe. Und die begann mit den ersten Zeilen von LINDEMANNS „Praise Abort“. Der Moment der Weltpremiere des Projektes LINDEMANN war also gekommen! Und Till Lindemann war in Bestform. Ihm merkte man die Spielfreude auf einer so kleinen Bühne an. Er gestikulierte wie in seinen besten Tagen, stimmgewaltig sang er den Refrain ins Mikro, dass es einem die Härchen aufstellte. 

Den grandiosen Auftritt kann man auf meiner Facebook-Seite anschauen: 

https://www.facebook.com/Extremleber/videos/vb.100001024509487/1295649223812549/?type=2&theater&notif_t=like&notif_id=1478728768136944 

Unser Autor Manuel Gambietz mit Rammstein-Sänger Till Lindemann | Quelle: Manuel Gambietz
Unser Autor Manuel Gambietz mit Rammstein-Sänger Till Lindemann
Quelle: Manuel Gambietz

 

Nach dem Lied war der Gastauftritt Lindemanns auch schon vorüber. Ich habe auf dem Konzert Menschen kennengelernt, die nur aufgrund des Gerüchts 600 Kilometer Weg auf sich genommen haben, um eventuell diese Premiere von LINDEMANN zu erleben – und sie wurden nicht enttäuscht! 

Pain spielten ihr Programm noch zu Ende. Als die Lichter angingen, sah man in glückliche Gesichter, die bei diesem historischen Moment dabei gewesen waren. 
Ob das Projekt LINDEMANN weiter ausgestaltet wird oder ob dieser Auftritt einmalig war – niemand weiß es so richtig. Dagegen spricht die effektive Arbeit Lindemanns am neuen Rammstein-Album und der kommenden Welttournee. Wie er da Zeit finden soll für das spannende Projekt mit Tägtgren, ist die Frage. Die Fahrt nach Hamburg hatte sich jedenfalls gelohnt. Pain sind ein Livebrett – und als I-Tüpfelchen gab es die LINDEMANN-Weltpremiere.

Letzte Änderung am Sonntag, 13 November 2016 18:14
Artikel bewerten
(7 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten