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Harold Gilman – zwischen Realismus und Postimpressionismus

Donnerstag, 10 März 2016 16:24
Harold Gilman „Canal Bridge, Flekkefjord“ (ca. 1913, Tate Gallery) Harold Gilman „Canal Bridge, Flekkefjord“ (ca. 1913, Tate Gallery)

Berlin - Harold Gilman gehörte zu den prominentesten Vertretern des britischen Spät- und Postimpressionismus, die sich im Umfeld Walter Sickerts und Spencer Gores zusammenfanden.
Geboren wurde er 1876 in Rode, Somerset, verbrachte jedoch die jungen Jahre in der Grafschaft Kent. Er lernte an verschiedenen Orten, zuletzt studierte er für ein Jahr in Oxford, jedoch hatte all dies mit seinen künstlerischen Neigungen wenig zu tun, denn obwohl er diese bereits als Kind erkennen ließ, begann er erst nach dem aus gesundheitlichen Gründen abgebrochenen Studium in Oxford und einem vorübergehenden Aufenthalt in Odessa 1895, mit einer gezielten künstlerischen Ausbildung.

1896 begann er diese an der Hastings School of Art, wechselte jedoch im Folgejahr an die Slade School of Fine Art in London, wo er bis 1901 blieb und bereits Spencer Gore kennenlernte. 1904 zog es ihn nach Spanien, und er ließ sich stark von den spanischen Meistern wie Francisco de Goya und Diego Velázquez inspirieren, doch auch sein Landsmann James McNeill Whistler, der bereits Walter Sickert unterrichtet hatte, hinterließ deutliche Spuren in Gilmans Frühwerk. In dieser Zeit lernte er auch die US-amerikanische Malerin Grace Cornelia Canedy kennen; die beiden heirateten und ließen sich in London nieder.

1907 traf er Walter Sickert und gehörte mit diesem und Spencer Gore zu den Gründungsmitgliedern der Fitzroy Street Group und 1911 zu jenen der Camden Town Group, im Grunde einer Nachfolgeorganisation, deren erster Präsident Gore wurde. Es handelte sich um prominente Zusammenschlüsse britischer Spät- und Postimpressionisten. Ebenso schloß er sich um diese Zeit der Ausstellungsgemeinschaft „Allied Artists Association“ (AAA) an und nahm Einflüsse von Walter Sickert auf sowie von Édouard Vouillard, einem der namhaftesten Mitglieder der von Paul Gauguin ausgehenden „Les Nabis“.

Von den Einflüssen Sickerts löste er sich bald und begann, unter dem Eindruck von Gauguin, van Gogh und Signac, bewußt mit kräftigen Farben zu arbeiten (das für diesen Artikel verwendete Bild „Flekkefjord“ gilt als stellvertretend für den Einfluß van Goghs). 1913 stellte er gemeinsam mit Spencer Gore aus und wurde erster Präsident der London Group. Er lehrte später selbst an der Westminster School of Art sowie einer von ihm und Charles Ginner gegründeten Schule.1919 fiel er der damals grassierenden Spanischen Grippe zum Opfer. Gedenkausstellungen in der legendären Tate Gallery gab es 1954 und 1981; ebenso waren 2007-2008 seine Arbeiten in der Camden Town Retrospective bei Tate Britain zu besichtigen.

Während seiner Karriere als Maler hat Gilman eine Vielzahl an Einflüssen verarbeitet, zusätzlich zu den bislang genannten seien Matisse und Cézanne erwähnt. Ein Großteil seines Werkes wird als neo-realistisch eingestuft, doch insbesondere die zeitweise Verwendung kurzer, abgesetzter Pinselstriche und die mitunter kräftigen Farben bringen ihn mit dem (Post-)Impressionismus in Verbindung. Er malte zahlreiche Portraits und Intérieurs, doch auch Landschaften und Städteansichten.

 

Verweise:

http://www.art-depesche.de/malerei/134-spencer-gore-farbenfrohe-juwelen-des-britischen-impressionismus.html
http://www.art-depesche.de/malerei/133-walter-sickert-zwischen-degas-und-jack-the-ripper.html

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