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„Marktwirtschaftlicher Realismus“ im Pop-Art-Stil

Galerie Hotel „Leipziger Hof“ zeigt Werke des Künstlers Michael Fischer-Art

Dienstag, 27 Dezember 2016 17:23
Der Künstler Michael Fischer-Art (l.) und Prof. Klaus Eberhard, Inhaber des „Leipziger Hofs“ Der Künstler Michael Fischer-Art (l.) und Prof. Klaus Eberhard, Inhaber des „Leipziger Hofs“ Quelle: Galerie Hotel „Leipziger Hof“

Leipzig – Im Galerie Hotel „Leipziger Hof“ ist noch bis zum 5. Februar 2017 die Ausstellung „Wetterleuchten im Abendland“ mit Bildern des Künstlers Michael Fischer-Art zu sehen. Die Malereien und Zeichnungen des 1969 in Leipzig geborenen ehemaligen Schülers von Prof. Rolf Münzner an der Hochschule für Grafik und Buchkunst erinnern an Pop Art á la Roy Lichtenstein oder Keith Haring, sind grell und bunt, aufrüttelnd und verspielt – und wollen dennoch vor allem Nachdenklichkeit ausdrücken.

Der Künstler selbst formulierte seinen Antrieb gegenüber der evangelischen Kirchenzeitung „Der Sonntag“ einmal mit den Worten: „Ich leide darunter, dass es über die so wichtige Frage von Krieg und Frieden heute kaum eine öffentliche Debatte gibt.“ Auch von der Kirche und der Friedensbewegung sei er enttäuscht, da sie keine lebendige Diskussion entfachten und nur mit sich selbst oder vergangenen Zeiten beschäftigt seien. Hier will Fischer-Art mit seiner Kunst eingreifen und – malerisch – das Wort erheben. 

Auf diesen Ansatz wies er auch am 19. November hin, als Prof. Dr. Klaus Eberhard, Inhaber des „Leipziger Hofs“ und stadtbekannter Kunstfreund, die Ausstellung eröffnete. Michael Fischer-Art erläuterte bei der Vernissage nicht nur die gezeigten Arbeiten, sondern berichtete auch über seine neuen Projekte – etwa eine Nachbildung des Völkerschlachtdenkmals in Russland – oder seine Treffen mit hochrangigen Politikern wie Altkanzler Gerhard Schröder, Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Außenminister John Kerry. 

Die „Leipziger Volkszeitung“ schrieb über den kritischen Kulturschaffenden, der auch schon als Maurer oder Krankenpfleger in der Psychiatrie gearbeitet hat: „Fischer-Art gibt nur nach außen den Bürgerschreck, in der stillen Hoffnung, dass das eine oder andere Mitglied des Kunst-Establishments erwachen und sich auf die Kunst besinnen möge. Vor allem auf ihren subversiven Gehalt. Darin kennt er sich aus, und das Bekenntnis, Leute für eine Kunst bezahlen zu lassen, die dieselben Leute mehr in Frage stellt, ehrt ihn. Und ihn ehrt auch, dass er jenseits von allem Schickeria-Geschwafel (das er maximal zur Herbeiführung neuer Aufträge benutzt), ungemein konzentriert und besessen arbeitet.“ 

Er selbst bezeichnet seine großflächigen, farbgesättigten und manchmal auch comicartigen Kunstwerke in Anlehnung an den früheren „Sozialistischen Realismus“ in der DDR als „Marktwirtschaftlichen Realismus“ – ein Stil, der sich sozialkritisch mit verschiedenen Fragen der Zeit auseinandersetzt, aber auch ikonisiert, wie man sehr gut am Beispiel des 2015 entstandenen Porträts der vier Jahre zuvor verstorbenen Soulsängerin Amy Winehouse erkennen kann.

Michael Fischer-Art, „Amy“, Acryl auf Leinwand, 2015. | Quelle: Michael Fischer-Art
Michael Fischer-Art, „Amy“, Acryl auf Leinwand, 2015.
Quelle: Michael Fischer-Art

 

Fischer-Arts Werke finden sich auch im öffentlichen Raum. 1998 gestaltete er etwa das neue Hörsaalgebäude der TU Dresden mit einem 2400 Quadratmeter großen Wandgemälde, im Jahr 2000 schuf er einen Brunnen mit wasserspuckenden Skulpturen in der Innenstadt von Frankfurt an der Oder, 2001 sorgte er für die Treppenhausgestaltung der HTWK in Leipzig. Das Wandbild am Leipziger Brühl zur Erinnerung an die friedliche Revolution von 1989 ist ebenfalls sein Werk.

Ausschnitt aus dem Wandgemälde von Fischer-Art am Leipziger Brühl   Quelle: wikimedia.org | Frank Vincentz | CC BY-SA 3.0
Ausschnitt aus dem Wandgemälde von Fischer-Art am Leipziger Brühl
Quelle: wikimedia.org | Frank Vincentz | CC BY-SA 3.0

 

Ein bekanntes Beispiel für seine Porträtmalerei ist das Titelbild der Zeitschrift „Cicero“ vom August 2005, das den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigt. Außerdem verewigte Fischer-Art unter anderem Angela Merkel (2004), den Schauspieler Larry Hagman (2004) und den früheren russischen Präsidenten Michail Gorbatschow (2005). 

Seine Kunstwerke finden sich unter anderem in den öffentlichen Sammlungen des Leipziger Bildermuseums, des Hauses für deutsche Geschichte in Bonn, des Sächsischen Kunstfonds sowie der Sparkasse und der Hypovereinsbank. Wer sich vor dem Besuch der sehenswerten Ausstellung im „Leipziger Hof“ weitergehend über Michael Fischer-Art informieren möchte, sollte seine Internetseite besuchen: www.fischer-art.de

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