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Zur Erinnerung an August III., König von Polen, Kurfürst von Sachsen (1696-1763)

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Montag, 17 Oktober 2016 23:02
August III., König von Polen und Kurfürst von Sachsen (Holzstich, 1889) August III., König von Polen und Kurfürst von Sachsen (Holzstich, 1889) Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek

Dresden – Am 17. Oktober vor 320 Jahren wurde Kurprinz Friedrich August als einzig ehelicher und damit erbfähiger Sohn von Friedrich August I. dem Starken, Kurfürst von Sachsen und als August II. König von Polen, und dessen Gemahlin Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth in Dresden geboren. Unter der Obhut seiner Mutter und der aus Dänemark stammenden Großmutter wuchs August heran, was seine ohnehin empfindsame Wesensart weiter verstärkte.

Schon früh wurde seine Konfession zum Gegenstand politischen Tauziehens, wobei der Heilige Stuhl auf den Kurfürsten einwirkte, um die Konversion des Kurprinzen zum Katholizismus zu erwirken, was nicht nur die lutherischen Landstände erbittert zu verhindern suchten. Nach gezielter Beeinflussung seitens des Vaters, der Friedrich August samt katholischen Begleitern auf Reisen durch katholische Länder schickte, gab dieser dem Druck nach und konvertierte am 27. November 1712 in Bologna zum katholischen Glauben. Bekannt wurde dies erst fünf Jahre später, was neue Beunruhigungen im Lande hervorrief.

Für August den Starken ging es darum, dem Sohn die polnische Krone zu sichern, was alle anderen Aspekte in den Hintergrund treten ließ. So vermählte sich der Kurprinz am 20. August 1719 mit der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha (1699-1757) in Wien. Der über alle Maßen festliche Empfang des Paares in Dresden soll 4 Millionen Taler verschlungen haben. Obschon die Ehe aus politischen Motiven geschlossen wurde, erwies sie sich als dauerhaft und glücklich: 15 Kinder sollten aus ihr hervorgehen.

Leidenschaftlicher Gemäldesammler

Nach dem Tode seines Vaters bestieg Kurfürst Friedrich August II. den Thron der albertinischen Wettiner. Abermals trat die Frage der polnischen Krone in den Vordergrund. Da in der Wahlmonarchie Polen der König vom Adel gewählt wurde, votierte auf Betreiben Frankreichs eine Mehrheit für den einst vertriebenen Stanislaus Leszynski, während die von Russland unterstützte Minderheit den sächsischen Kurfürsten zum König August III. wählte. Am 17. Januar 1734 wurde dieser mit seiner Gemahlin in Krakau gekrönt. Im Polnischen Thronfolgekrieg (1733-1735) konnte Russland seinen Kandidaten durchsetzen. Der führte nun in Dresden und Warschau das Werk seines Vaters fort, dessen politischer Ehrgeiz und energische Tatkraft ihm jedoch fehlten.

Auf Betreiben seiner Gemahlin machte der 36-Jährige mit der Mätressenwirtschaft des Vorgängers ein Ende, zeigte aber an den Staatsgeschäften kaum Interesse, galt als menschenscheu, träge und wenig arbeitsam. So betraute er zunächst den Grafen Sulkowski mit den führenden Ämtern der Administration, den 1738 aber ein Rivale verdrängen sollte: Graf Heinrich von Brühl (1700-1763). Dieser wurde „für ein Vierteljahrhundert der unumschränkte Herrscher in Kursachsen, dem der König blind vertraute, der alle leitenden Posten im Staatswesen an sich zog und sich (…) eine Lebensführung leisten konnte, die jener des Landesherrn zumindest gleichkam.“ (Karlheinz Blaschke)

Da dem König das Regieren durch seinen Premierminister sozusagen abgenommen war, konnte Friedrich August ungehemmt seinen Neigungen nachgehen. Mit Hingabe und Sachkenntnis widmete er sich vor allem dem Sammeln von Gemälden. Wie schon sein Vater, war der König von der italienischen Kultur beeinflusst, bevorzugte vor allem italienische Meister. Zur Unterbringung der Bilder ließ der Monarch 1744 den Stallhof am Schloss herrichten, durch ihn wurde die Dresdner Galerie zur weltberühmten Sammlung. Hofmusik und Oper erreichten eine hohe Blüte, vor allem mit dem 1734 als Hofkapellmeister nach Dresden berufenen Johann Adolf Hasse (1699-1783). Maler, Architekten und Musiker wurden vom sächsischen Hof gefördert, durch Friedrich August fand der unter seinem Vater ausgeprägte Dresdner Barock seine glanzvolle Fortsetzung. Die 1739 bis 1754 durch Gaetano Chiaveri in Dresden errichtete Katholische Hofkirche, einer der größten Kirchenbauten Sachsens, zählt zu den bedeutendsten Bauwerken seiner Regierungszeit.

Ende des Augusteischen Zeitalters

Im Siebenjährigen Krieg musste der König vor den Preußen nach Polen fliehen. Zuvor kapitulierte die ausgehungerte sächsische Armee, 12.000 Mann, am 16. Oktober 1756 auf der Ebenheit am Lilienstein. Friedrich August musste vom benachbarten Königstein aus zusehen. Nach dem Hubertusburger Frieden am 15. Februar 1763 kehrte der König wieder in die von Kämpfen zerstörte Residenzstadt Dresden zurück. Er fand ein verwüstetes und verarmtes Land vor, in dem der Krieg tiefe Spuren hinterlassen hatte. Und doch ließ Brühl das alte verschwenderische Hofleben von neuem beginnen.

Dem machte der plötzliche Tod des Monarchen am 5. Oktober 1763 in Dresden ein Ende. Sein allmächtiger Premierminister überlebte ihn um nur zwei Wochen. Mit dem Kurfürst-König endete das Augusteische Zeitalter, eine kulturelle Blütezeit in Dresden und Sachsen, die untrennbar mit Namen und Wirken beider Friedrich Auguste verbunden ist. Eine letzte Ruhestätte fanden der König und seine Gemahlin in ihrer Hofkirche, die bis in unsere Zeit, Tag für Tag, Bewunderer barocker Pracht in ihren Bann zu ziehen vermag.

 

Literatur:

Karlheinz Blaschke: Der Fürstenzug zu Dresden. Leipzig / Jena / Berlin 1991.

Albert Herzog zu Sachsen: Die Wettiner in Lebensbildern. Graz / Wien / Köln 1995.

Otto Kaemmel: Festschrift zur 800-jährigen Jubelfeier des Hauses Wettin. Dresden 1889.

Letzte Änderung am Dienstag, 18 Oktober 2016 12:55
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