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Thomas Rainer & Co. auf „Unbeugsam“-Tour

Elektro-Stahlgewitter: Nachtmahr treten in der Dresdner Reithalle auf

Samstag, 04 März 2017 05:15
Nachtmahr, „Mädchen in Uniform“ Nachtmahr, „Mädchen in Uniform“ Quelle: Nachtmahr (Promo)

Dresden – Am Samstagabend geben sich die Jungs und „Mädchen in Uniform“ von Nachtmahr in der Dresdner „Reithalle“ die Ehre. Im Rahmen der Tour zu ihrem aktuellen Album „Unbeugsam“ machen Thomas Rainer und seine musikalischen Mitstreiter in der Elbmetropole Halt, um den in der Gothic-Szene beliebten Konzertort mit feinstem „Imperial Austrian Industrial“ erbeben zu lassen. Vor dem Gig findet in der Reithalle ein Fantreffen statt, bei dem man sich auf Tuchfühlung mit der gesamten Crew begeben kann.

An Nachtmahr und ihrer martialischen Show scheiden sich die Geister: die einen fahren total ab auf die Kriegsrhetorik und marschähnlichen Beats, die anderen meinen darin so etwas wie „faschistische Ästhetik“ erkennen zu können. Doch die österreichischen Industrial-Elektroniker um Kopf und Sänger Thomas Rainer, der auch durch sein Projekt L’Âme Immortelle mit Sonja Kraushofer bekannt ist, weisen jegliche politisch-historische Konnotation ihrer Kunst zurück. Damit befinden sie sich in guter Gesellschaft mit anderen „umstrittenen“ Bands der Szene wie Laibach oder den Bombast-Neoklassikern von Triarii. Auch die oft fantasievoll schwarzuniformierten Fans wollen von Faschismus nichts wissen. Für sie zählt nur eins: dass Nachtmahr das volle Brett geben. In Dresden, neben Leipzig eine Hochburg der schwarzen Szene, dürfte das für Rainer & Co. Ehrensache sein.

Thomas Rainer, Gründer und Kopf von Nachtmahr
Thomas Rainer, Gründer und Kopf von Nachtmahr

 

Mit ihrer fulminanten Mischung aus hämmernden Industrial-Marschrhythmen und druckvollem Aggrotech begeistern Nachtmahr schon seit 2007 ihre stetig wachsende Fangemeinde. Die provokanten Inszenierungen der Band mit den bereits eingangs erwähnten „Mädchen in Uniform“ – so auch der Titel eines ihrer bekanntesten Stücke – unterstreichen in ästhetischer Weise ihren kulturavantgardistischen Anspruch und sind essenzieller Teil der Nachtmahr’schen Inszenierung, die der Kulturwissenschaftler Marcus Stiglegger einmal mit dem vielleicht etwas flapsigen Begriff „Nazi-Chic“ umschrieben hat. Dabei machte auch Stiglegger zugleich deutlich, dass es sich um kein politisches Phänomen handelt, sondern um eine Äußerlichkeit, ein rein ästhetisches Spiel mit schwarzen Uniformen, Undercut und strengem Scheitel sowie sexy Frauen in Blitzmädel-Optik.

Mit „Unbeugsam“ veröffentlichten Nachtmahr Anfang des Jahres ihr achtes Album, nachdem man sich im vergangenen Jahr bereits über „Mit vereinten Kräften“ freuen durfte. Bei dem neuen Logplayer handelt es sich um eine Compilation, sozusagen ein „Best of“ der inzwischen zehn Jahre des Bestehens der Band. Dazu ein paar Raritäten. Auf der CD finden sich insgesamt 33 Stücke, darunter neben „Mädchen in Uniform“ auch „Can You Feel The Beat?“, „Weil ich’s kann“, „I hate Berlin“, „Mütterchen Russland“, „Feuer frei!“, „Unsterblich“ oder die patriotische Schwarzkittel-Hymne „Die Fahnen unserer Väter“.

Man darf erwarten, dass Nachtmahr auch in Dresden einen musikalischen Querschnitt ihres Schaffens präsentieren werden. Support-Acts sind V2A und Betamorphose. Das Konzert beginnt um 20 Uhr, Einlass ist um 19 Uhr, Karten sind noch in Ticketshops oder an der Abendkasse erhältlich. Das Nachtmahr-Fantreffen beginnt bereits eine Stunde vorher und bietet die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, die Band zu treffen, Fotos zu machen und bereits vor Öffnung der Halle am Merchandise-Stand einzukaufen. Nach dem Konzert gibt es eine Aftershow-Party mit DJ Dark In Space und anderer Musik auf zwei weiteren Floors.

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