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Nachruf auf die Verlegerin und Publizistin Susanne Kablitz

Eine leidenschaftliche Kämpferin für die Freiheit

Donnerstag, 16 Februar 2017 02:12
Susanne Kablitz (1970-2017) Susanne Kablitz (1970-2017) Quelle: Juwelen-Verlag

Frankfurt am Main – Vor wenigen Wochen erst führte SACHSEN DEPESCHE ein ausführliches Interview mit der Publizistin und Verlegerin Susanne Kablitz. In dem Gespräch ging es nicht nur um das neue Buch von Ramin Peymani, sondern auch um weitere Projekte, die sie mit ihrem Juwelen-Verlag in diesem Jahr noch in Angriff nehmen wollte und die am 25. Februar im Rahmen einer Buch-Party in Berlin vorgestellt werden sollten (http://www.sachsen-depesche.de/interview/susanne-kablitz-„wir-befinden-uns-auf-dem-direkten-weg-in-den-‚totalen‘-staat“.html).

Dazu kommt es nun leider nicht mehr. Susanne Kablitz hat sich am vergangenen Sonnabend das Leben genommen, weil sie aufgrund einer schweren Erkrankung keine Lebensperspektive mehr sah. Noch am Tag zuvor hatte sie auf der Seite des „Juwelen“-Magazins einen sehr pessimistischen Text veröffentlicht, in dem sie zu dem Schluss gekommen war: „Dieses Land ist unrettbar verloren.“ Sie schrieb: „Es gibt diesen Tag im Leben eines jeden Menschen, wo er sich einer Sache definitiv sicher ist. Wo er genau und 100-prozentig weiß, dass es so kommen wird wie er es sich niemals gewünscht hat. Ein solcher Tag ist auf der einen Seite bedrückend, auf der anderen ungemein befreiend.“ Vor dem Hintergrund ihres Freitodes bekommen diese Worte noch einmal eine ganz besondere Bedeutung.

Susanne Kablitz, die am 8. Februar 1970 in Bielefeld geboren wurde und zuletzt in Tönisvorst, einem kleinen Ort am Niederrhein, lebte, galt vor allem unter Anhängern klassisch liberalen und libertären Gedankengutes sowie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie als eine Art Ikone der Bewegung. Nach der Ausbildung zur Versicherungskauffrau studierte sie Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Köln und war dann einige Jahre als selbständige Fachwirtin für Finanzdienstleistungen tätig, bevor sie Seminare zu Geld- und Wirtschaftsthemen auf Basis der „Österreichischen Schule“ gab. Sie war zudem Mitglied der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft und gründete 2012 in Krefeld einen örtlichen Hayek-Club.

Getreu dem libertären Motto „Politik ist nicht die Lösung, sondern das Problem“ hielt sie sich weitgehend vom politischen Leben fern, trat dann aber doch in eine Partei ein, nämlich die kleine libertäre Partei der Vernunft (PdV), zu deren Bundesvorsitzender sie im November 2013 gewählt wurde. Nach internen Querelen trat sie allerdings schon fast auf den Tag genau ein Jahr später von allen Parteiämtern zurück und verabschiedete sich wieder von der Politik.

Im Oktober 2014 gründete Susanne Kablitz den Juwelen-Verlag und im März 2015 das Online-Magazin „Juwelen“. Den Ansatz ihrer Verlagsarbeit beschrieb sie einmal mit den Worten: „Raus aus Norm und Schablone, atmen Sie frei durch: mit unseren Juwelen sind Sie in der denkverbotfreien Zone – und in einer kultivierten obendrein.“ Bei „Juwelen“ erschienen unter anderem Bücher von Ayn Rand und ihrem Schüler Leonard Peikoff, kritische Literatur zu Wirtschaftsthemen, Staatspolitik oder Klimawandel, aber auch ihre eigene Romantrilogie „Bis zum letzten Atemzug“. Sie verfasste außerdem Artikel für verschiedene Online- und Printmedien, darunter „eigentümlich frei“, „The European“ oder die „Wirtschaftswoche“, und veröffentlichte gemeinsam mit Christoph Braunschweig das Fachbuch „Kluge Geldanlage in der Schuldenkrise – Austrian Investing“.

Susanne Kablitz führte bis zum Schluss ein selbstbestimmtes und freies Leben. Sie hinterlässt einen Ehemann, der ihr stets zur Seite stand – in guten wie in schlechten Tagen. Mit ihr ist nicht nur eine herzenswarme Frau und engagierte Unternehmerin aus dieser Welt geschieden, sondern auch eine leidenschaftliche Kämpferin für die Freiheit. Die Redaktion der SACHSEN DEPESCHE spricht den Hinterbliebenen und Weggefährten von Susanne Kablitz ihr tief empfundenes Mitgefühl aus und wird ihr Andenken stets in Ehren halten.

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